Irgendwo,
in der Ferne,
spricht jemand
in diesem Augenblick ein Gebet.

Kein Beharren, kein Flehen, kein Bitten.
Ich höre es,
wenn der Wind
über die frühlingsgebärenden
Sträucher streichelt
und die Baumäste wiegt
als würde er ihnen zuflüstern:
Ich bin da.

In den Wellen des Windes
jemanden meinen Namen flüstern

Ich verwechsle das Anmutige
der Zweigenbögen
mit der Kalligraphie
der durchdrungenen Worte
im frühlingspastellblaufarbenen Himmel-
eine Magie
für mich zu lesen.

Vielleicht ist gerade
ein Herz in Trauer,
vielleicht
wird heute
mein letzter Tag sein?

Vielleicht ist es
nur eine Warnung,
vielleicht aber nur die Angst.

Warten wir nicht
bis der Würfel gefallen ist.
Lieben wir uns jetzt

©Émilia

Liebesballade

Am Montag im Morgengrauen
aus dem Nebel enthüllt
hast mich am Dienstag den ganzen Tag
aus Eisblumen skulptiert.
Am Mittwoch mit
sanften Küssen auf meine Lider,
hast du meine Sinne geweckt
mit einem Wirbelsturm
aus leidenschaftlichen Küssen
hast du am divinen Donnerstag mein Herz erobert
und meine leeren Seiten
am Freitag hast du einen Notenschlüssel
für mein Herz gebastelt mit meinen Saiten
und mich zu deiner Symphonie vollendet.
Am Samstag hast an mir genippt
mich gekostet, mich genossen,
mich gesungen mit deinen liebevollen Worten,
hast meine Saiten zum klingen gebracht
und deine Sinne verloren sich in mir
wie die Noten in der Symphonie,
wie die Worte im Lied.
Am Sonntag hast du die Sanduhr umgedreht
um dich zu erholen, um deine Gedanken zu sammeln
und die Sinne.
Und am Abend erklärtest du mich als dein Wunder.

Nur ich trage weder Röcke aus Blumen
noch Sternenstaub im Haar.
Vergöttere mich nicht.
Ich trage in meinem Herzen ein Wirbelwind
und eine tiefe Sehnsucht
komponiere mich als deine Liebesballade

©Émilia

Es regnet auf unsere Flügel.

Es regnet mein Lieber

auf unsere Flügel.

Es ist ein Zeichen

sagen die Experten.

Unsere Tränen mein Lieber

schreiben die Balladen von Morgen

mit Sehnsucht in den Noten

und Liebe in den Worten.

Es ist Frühling

und die Magnolien knospen mein Lieber.

Denke an die Blütenblätter

wie Herzkammern

entfalten sie sich

in der Mittagsonne

und ihr Duft ist unser Duft.

Und der Wind ist warm

umspielt Herz und Sinne mit seinem Frühlingsblumenduft.

Und er führt uns zusammen

in dieser Ballade

Note um Note

Strofe für Strofe.

Weinen wir jetzt,

alle Tränen aus den wie eine Wolke den regen weint

dann lachen wir Morgen,

mit Herz und Mund und Augen,

wie die Sonne nach dem Regen uns anlacht.

Es regnet auf unsere Flügel mein Lieber,

noch drückt die Schwere uns nieder,

noch werden wir nass

bis zum Knochenmark.

Das ist Liebe, sagen die Experten.

Lass uns die Regentropfen

miteinander teilen.

Du nimmst meine

ich nehme deine

teilen wir den Regen durch zwei.

Den Refrain singen wir gemeinsam.

©Émilia

Lippenstift und Innenfutter

Ich habe einen Lieblings-Lippenstift. Rosé. Einen blassaltrosa Lippgloss. Ich habe ihn neulich gesucht und meinen ganzen Rucksack durchwühlt. Ich fand ihn nicht. Das ist einfach mein Lieblingslippenstift. und auch wenn ich ihn ganz selten benutze, so habe ich ihn immer im Rucksack. Ein bisschen Farbe schadet ja nie, wenn man einen Termin wahrnehmen muss. Handys, Moleskine, Schlüssel, Kopfhörer, Schreibzeug, Taschentücher, Servietten, – alles Mögliche ist auffindbar, nur der Lippenstift nicht.

Vielleicht habe ich hin zu Hause vergessen, ……. vielleicht habe ich ihn rausgelegt als ich den Rucksack aufgeräumt habe.

Vielleicht sollte ich mir auch einen neuen Lippenstift kaufen, denn der ist bestimmt schon älter als fünf Jahre und bestimmt schon etwas aus der Mode. Egal. Meine Lieblingsfarbe und mein Lieblingslippenstift und Lippgloss in einemDann habe ich den Rucksack erneut durchwühlt. Schlüssel, Handys, Kopfhörer, Moleskine usw.
Aaaah sieh mal einer an!…. Das seidene Futter des dunkelbraunen Lederrucksackes hatte ein kleines Loch. Der Rucksack ist eines der letzten Geschenke von Mama. Betimmst schon 6-7 Jahre alt. Ja nein, er darf nicht kaputt gehen. Wieso habe ich das Loch noch nicht entdeckt? Ich brauche ihn noch!!! Ich brauche ihn immer!!

Ah, was für eine Freude – und der Lippenstift, oh – mein Lieblingsstift. Damit habe ich sogar Lars, als wir uns kennen lernten meine Handynr. auf eine U-Bahn-Karte geschrieben, die ich in meiner Jackentasche gefunden habe, da ich an dem Tag ausnahmsweise keinen Zettel dabei hatte.

Es wäre gut wenn es im Leben auch so ein Innenfutter geben würde, wo man das eine oder andere Verlorengeglaubte wieder findet…. wenn man es nicht erwartest oder wenn man näher hinsieht..

Wie schön es wäre ein Lebensfutter zu haben…….das Wissen, dass nicht alles im Leben endgültig verloren ist.

Neues Leben

Ich kenne all‘ deine Zeiten,
all‘ deine Bewegungen,
deinen Duft, deinen Schatten,
deine Stille, deine Liebe, deine Ängste und deine Brust
dein inneres Erdbeben und deine inneren Farben.
Dein Lächeln lannge bevor du lächelst,
deine Gedanken lange bevor du sie denkst.
Deinen Gang, dein Rennen, dein Wandern
und deine Träume lange bevor du sie träumst.
Und ich kenne dein Weinen, deinen Herzregen und deine Melancholie.
Deine Bluse und deinen Ring
und deine Farben  hinter den Farben die deine Augen sehen.
Ich habe keine Geduld
und mein Knie schlägt
an die seidigen Wände
und ich bitte dich,
gebäre mich.

Ich weiß alles über dich
und über dich hinaus
bis dahin wo Nähe Weite ist.
Die Sonnenaufgänge, der Horizont, die Sonnenuntergänge.
Ich ziehe meine Knie an
schlage mit Fuß und Hand gegen die Wände
und bitte dich gebäre mich.

Ich kenne deinen Herzschlag bevor du ihn fühlst
unde den dazwischen bevor du ihn hörst,
das Ende des Wortes, lange bevor du es sagst.
Ich kenne deine Flüsse und ihre Farben,
ich höre das Rauschen des Blutes
dann schlage mit Hand und Fuß gegen die Uteruswände
und bitte dich
gebäre mich.

©Émilia

Nimm deine Rippe zurück.
Ich behalte den kompromitierten Apfel.
Eine gleichteilige Teilung, nicht wahr?
Ich nehme mir einen Traum, du nimmst dir einen Traum.

Ich nehme die schlaflosen Sekunden
und sammle noch schnell meine Tränen ein.
Die Liebe wurde zur Last
Die Mistelzweige starben noch in der Blüte.
Jeder nimmt sich das was ihm gehört.

Ich lasse dir alle Wolken makellos,
auf denen wir verliebt gemeinsam schwebten.
Lass du mir die Schwalben.
Der Frühling, der Frühling gehört mir.

Ich lasse dir das Parfüm unserer Nächte.
Diese Nächte kennst du zu gut.
Und wenn du mich vermisst,
mein Herzschlag wir immer bei dir sein.

Alles was wir gemeinsam hatten
hast du an dich genommen.
Ach, vergib mir;
die Dramaturgie hast du mir überlassen.

Wir haben alles richtig geteilt, nicht wahr?
Trenne das WIR in zwei Silben.
Liebe - das große Kapital UNS
ist nicht teilbar durch zwei.

©Emilia


In einem anderen Kontext

Wie ein milchiger Schleier schwebt der dichte Nebel
verhüllt die Welt um mich herum.
Fasziniert von der umliegenden Landschaft,
fahre ich durch den Nebel.
Die Bäume und Sträucher am Straßenrand
sind nebelgeschützt.

In einigen Häusern brennt schon Licht.
Die beleuchteten Fenster
durchdringen wie kleine Monde den Nebelschleier.

Die dunkelgraue Straße wie eine Schlange ohne Ende vor mir,
die Fenstermonde die mir den Weg zeigen und ich.
An der Kreuzung liegen die Wege
wie ein Rätsel vor mir.

Ich kenne die Lösung
und biege ab.
Die Landschaft vor mir wie ein Märchen.
Nebel und Rauhreif  – so viel Silber.

Ich renne über die Straße
in ein Haus mit Mondfenstern.
Auf der Treppe nach oben
klingt eine Frage an mein nebelverträumtes Ohr.
„Gut durch den Nebel gekommen?“
In meinen Haaren fühle ich noch ein paar Nebelfäden
und antwortete mit einem leisen verträumten „Aber ja.“
Ich sage ihm nicht, dass ich Nebel liebe,
wenn er nur wissen wollte ob ich die Rätsel vor Augen gelöst habe.

Und ich denke:
es ist neblig, es ist kalt,
und so viel Nebel dazwischen
und ich …….sehe dich nicht
ich gehe nicht,
unter den Sohlen habe ich keine Straße
……ich schwebe

jetzt in einem vollig anderem Kontext

©Émilia