Pandemiebilanzsumme

Blätter fallen prematur
wie Perlen fallen Knospen vor der Blüte,
Schneeflocken fallen als Nieselregentränen
kurz vor dem Schnee.
Ungesagte Worte fallen
und Gedanken lösen sich wortlos auf.
Ungeträumte Träume fallen hastig
und Ideen verpuppen sich.

Ziffern und Zahlen reihen sich untereinander, nebeneinander auf
Pandemiebilanzsumme.
Flügel die austrochnen
Liebe die zählbar wird
und Sehnsucht die schmerzt.

Hungrige Wölfe die am Fleisch ziehen
ihre Zähne fletschend unter einem Stück Stoff
über Verschwörungen diskutieren
sich gegenseitig beschuldigen,
sich blutrünstig an Knochen verbeißen.
Sie sehen die Summe am Ende des Tages,
des Monats, des Jahres
und vergessen die Gebete für Wunder
die geweinten Tränen,
den Menschen hinter der Summe.
Sie sehen nur die hungrigen Taschen im Fell.

Es ist nur eine Summe aus Verzicht und Schmerzen.

Denn jede Ziffer und jede Zahl
ist eine ganze Welt
aus Gedanken und Sehnsüchte und Träume
aus Ideen und Hände und Herz,
aus Liebe und Hoffnung
und Namen.
Ein unerfülltes Nichts – eine Leere.

Und die Angst vor der Angst
denn die Blätter fallen prematur
und die Knospen vor dem Blühen
fallen wie Perlen.
Die Schneeflocke wird zur Träne
und ungesagte Worte schreien laut im Herzen
wenn ungeträumte Träume fallen
und man zählt auf die Liebe
wie auf den Grashalm an den man sich klammert

Pandemiebilanzsumme

©Émilia

Nur so gefühlt

 
Du
hast mich gefragt wie sehr ich dich liebe

und ich zeigte auf den höchsten Berg.

Du sagtest du hättest Höhenangst

eine Anhöhe würde dir reichen.

Ich nahm meine Liebe 

setzte sie in die Tiefe eines Meeres.

Du sagtest du könntest weder schwimmen noch tauchen.

Dann nahm ich die Liebe

setzte sie auf eine Wolke

Du magst keine Gewitter und keine Stürme sagtest du

Dann nahm ich meine Liebe

legte sie in alle Jahreszeiten

auf den höchsten Berg

verstreute sie auf den Meeresgrund,

legte sie auf die steilsten Küsten,

wärmte sie in der Sonne

legte sie in den Schnee

aufs Eis

verwilderte sie 

zähmte sie 

nur um sie dir nicht anzupassen.


©Émilia

Herbstkalt

Blätter fallen bunt.
Liebster gib mir einen Traum
oder ein Lied
damit ich nicht in ein autoumnales Abis falle.


Es regnet Liebster,
ich vermisse dich
und schreibe ein paar Verse für dich
mit roter Tinte
auf weißem Papier.

Es ist herbstkalt Liebster
novemberkalt.
Küsse mich heiss und innig
bringe mir Wärme und Farbe in den Tag.
Ich liebe dich, flüstere ich dir zu
und bin dir näher als gestern

Für noch einen weiteren Tag

Es gibt Tage
da vermisse ich dich so sehr,
bis die Stille in winzige bunte Schmetterlinge zerbarst
bis in die tiefste Unendlichkeit des Himmels
die immer noch deine Sanftheit trägt
die du mir in die Flügel gelegt hast
immer wieder, 
damit ich immer wieder in die Anfänge fliege.


Der Morgentau auf den Frühlingsblumen,
der Morgentau auf der Sommerwiese
die Tauperlen auf den Altweiberfäden im Herbst
der kristalline Raureif im Winter.
Sie alle tragen noch dein Flüstern.

Du umarmst mich
hältst mich fest,
umhüllst mich
füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Tautropfen in der hinteren Ecke eines Traumes
zündest du die Sterne an
für noch einen weiteren Tag

Deine Augen

Deine Augen 

sprechen die Sprache der Wildblumen und des Herbstlaubs.

Sie haben sie Sanftmut und Stärke und die Wärme

eines Legerfeuers.

Sie wärmen mich

und ich falle ich langsam, sanft 

während sie vor meinen Augen tanzen, 

wenn das Licht auf sie scheint

in eine Verliebtheit, in eine Liebe.

Sie reflektieren die Flamme, das Licht

während sich meine Sinne 

Herzhunger und Seelendurst entflammen,

um diese Wildblumenaugen zu erforschen, 

die mich ansehen

©Émilia

Salzig

Die goldfarbenen Lichtschnuppen

der untergehenden Sonne

legen sich  für einen Augenblick 

wie Regentropfen

auf die Herbstblätter.

Ich habe mich als Augenblickskuss

auf deine Augenlider  gesetzt,

habe mit meinen Wimpern deine Schläfen berührt

hauchzärtlich sanft

und liebkoste eine noch warme, frischgeweinte Träne.

Dann legte ich meinen Kopf an deine Schulter

und wusste nicht ob es die Wärme deiner Haut

oder die deines Herzens

die mich zudeckte.

Ich fühlte die Kälte bis in meinen Knochen.

Dann stand ich auf

und hochte einen Tee aus Tränentropfen 

die sich am Rand meiner Augen brechen

salzig

bittersalzig.

Und das Tränenmeer in mir

schlug Welle um Welle.

Die Nacht legte ihren indigofarbenen Schleier

über uns.

Deine Hand zeichnet auf meiner Haut

den Weg zum Traum und zurück zu dir.

Die Morgensonne verteilt unsere Tränen

als Tautropfen auf den Herbstklee

der sich hoffnungsgrün

zwischen zwischen den goldfarbenen Herbstblättern zeigt.

Wir sind Schnuppensammler

du und ich.

©Émilia

Art

Jeder hat seine eigene Art
zu sein
zu nicht-sein
zu bleiben
zu gehen
zu verlassen
zu schweigen
zu fühlen
zu lieben
zu nicht-lieben
aufzugeben
zu kämpfen
eine eigene Art 

©Émilia

Ein Blatt

Ein einziges Blatt trennt uns

als würde ein Baum zwischen uns stehen

mit all seinen Ästen und Zweigen

mit seiner Krone

aus der sich alle Blätter lösen.

Ich würde dann weinen wenn du lachst 

und du wirst lachen wenn ich weine.

Wenn du redest würde ich schweigen

wenn du still bist, würde ich singen.

Nichts haben wir gemeinsam

außer den Baum zwischen uns.

November trennt uns

ein Monat ohne Herbstfarben

legt seine Traurigkeit über uns

in unsere Sonnenaufgänge

in unsere Sonnenuntergänge.

Uns trennt ein Herbst

eine Gedankenwelle führt uns zusammen ©Émilia

Tintentropfenelegie


I
ch schreibe dir klare Worte
mitten in der Nacht
und sie brechen sich am Ufer meines Tränenmeeres.
Du hast mich fühlen gelehrt,
was ich noch nie fühlte;
– die Stille die sich zwischen die Gedanken legt.
Du bist mein Tagtraum
durch  die Stunden und Augenblicke
Du bist mein Nachttraum
durch die ungezählte Herde Schäfchen.
Am Ufer eines Augenblickes weine ich Tinte in mein Tränenmeer. Alles was mir von dir blieb.
Auf die Sehnsucht legt sich Nebel der Frost breitet sich im Herzen aus. Die Nacht legt sich wie als dunkler Schleier über uns.
Nur noch einen Tropfen Sehnsucht  sammle ich aus dem Augenblich bevor er als Tintentropfen  ins Tränenmeer fällt