Im Café um die Ecke

Der Himmel war hellgraufarben. Regenschwere dunkelgraue Wolken galoppierten donnernd, wie vor Wut schäumende Wildpferde quer über das milchige Grau. In einer Ecke des Himmels blitzte es. In der anderen Ecke des Himmels zeigte sich der Viertelmond zwischen friedlichen Wattewolkenkissen.

Die Bäume schütteln sich noch einmal im Wind wie regennasse Hunde und dann ist es still. So als würde alles innehalten. Die Ruhe nach dem Sturm.

Im Lesecafé an der versteckten Straßenecke, saß sie auf ihrem Lieblingsplatz in der rechten Ecke vor dem Bücherregal. Sie verlor sich fast in der pflaumenfarbenen Polsterecke. Auf dem runden Tisch stand eine große blaue Tasse mit weißen Punkten mit duftendem Milchkaffee.

Sie sah immer wieder mit neugierigem Blick zur Tür.

Sie wartete auf ihn.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sah sie ihn  in der Tür stehend und suchend um sich zu blicken.

Sie rief seinen Namen und er erkannte ihre Stimme.

Er sah sie nicht. Er sah sie nicht mit den Augen. Er sah weder die Farbe ihrer Augen, noch die ihres Haares. Er sah weder ihr Lächeln, noch ihre Traurigkeit.

Sie eilte auf ihn zu, nahm seine schmalen zitternden Hände und drückte sie fest.

Er fühlte ihre warmen samtweichen Lippen auf seiner Wange als er sie stürmisch umarmte.

Mit seinen Händen umrahmte er ihr Gesicht. Seine Finger zeichneten zärtlich über die weichen Konturen ihres Gesichts.

„Wie wird es sich anfühlen, wenn er meinen Körper ganz entdeckt. Das was ihm bis anhin noch verborgen blieb?“ dachte sie.

„Du machst mich neugierig auf dich,“ sagte er mit einem leisen Zittern in der Stimme.

Sie lächelte verlegen.

Er fühlte ihr verlegenes Lächeln mit anderen Augen. Er sah sie gut mit seinen Herzaugen. Mit den Fingerkuppen zeichnete er die Konturen ihrer lächelnden Lippen nach.

Zehn Minuten nach Mitternacht küsste er sie gutenacht und gutenmorgen, drückte sie noch einmal an sich, fühlte ihre fröstelnde Haut unter seinen Händen. Er drückte sie noch einmal ganz fest an sich, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren.

„Wir sehen uns später,“ flüsterte er zwischen zwei Küssen.

“ Aber ja, wir sehen uns später,“ wiederholte sie.

Er fühlte die Frische aus der Farbe ihrer Stimme. Er fühlte ein Ja und lächelte verträumt als er ihre  Hand losließ und ging.

Er sah ihr nach, drehte sich noch einmal und noch ein weiteres Mal um, als würde er sie sehen und ging.

Sie sah ihm lächelnd nach und als er sich umdrehte winkte sie ihm zu.

Dann fuhr sie davon.

Liebe mich nicht jetzt

Liebe mich nicht jetzt.
Liebe mich erst dann
wenn du den Sonnenaufgang
in meinen Augen entdeckst.

Liebe mich an ruhigen Abenden
wenn unsere Sinne
sich ineinander verflechten
zu sündigen Nächten.

Liebe mich erst dann
wenn die Götter
die Herzen zur Vollständigkeit prüfen,
die Würfel über uns werfen.

Ich werde nur deine Hände lieben
wenn sie mein Ich halten können
an regenreichen Tagen und schlaflosen Nächten.

Ich werde nur deine Augen lieben
wenn ich mich
in deinem Sonnenuntergang entdecke.
In langen sternlosen Nächten.

Liebe mich nicht.
Liebe nur das was du kennst.

Liebe meine Art dich zu lieben