Lebenswege

Ich bin hier aufgewachsen.

Hier zwischen Felden und Tieren und Bäumen.

Zwischen Obstbäumen und Sonnenblumenfeldern.

In einem Haus mit einer Treppen aus einem alten Walnussbaum,

die unter den Füßen immer etwas zu sagen hatte

als wäre der Baum noch lebendig.

Alles und  eigentlich doch gar nichts  hat sich verändert.

Die Bank auf dem Feldweg

die Picknicktische vor dem Weingarten sind längst verblasst.

Die Zeit, als ich hier spielte ist weggerannt und ich ebenso.

Ich komme immer wieder hierher zu meinem Lieblingsplatz

unter dem uralten Maulbeerbaum

der seine brommbeerfarbenen winzigen Maulbeertrauben auf mich regnet

und meine Lippen, meine Fingern und die Sonntagsbluse bemalt.

Die vielen Gespräche und langen Spaziergänge

das Flüstern und  das Händchenhalten, die niemand es sehen durfte

mit einem guten Freund aus Kindertagen

halte ich immer noch in der Erinnerung wach.

Wachstum, Überwucherung, Zurückschneiden

war nicht nur für Planzen und Bäume gedacht.

Ich habe hier gelebt und Teile meines Seelenlebens ist noch hier .

Und ich kann nicht entscheiden, ob ich will, dass es hier weitergeht

Ich hatte einen Gott hier,

ich habe den Tod hier erlebt wie er viele Leben mitnahm.

Ich habe mich hier verändert, jedes bisschen tut es weh.

Ich bin auf eine Art dankbar, aber ich bin auch verärgert

Ich sehe alle Gesichter, die an mir vorbeigehen grüßen höflich.

Ich möchte gerne wissen was sie denken wenn sie sagen:

„Oh, du bist wieder hier!“

Ich bin nicht allein hier

und es macht keinen Unterschied außer der Sprache die er nicht gut spricht,

denn ich spreche seine auch nicht gut.

Es ist ein guter Ort zum Leben und zum Lieben

Aber nicht wegen diesem Ort,

was ich gelernt habe

und wen ich liebe bin ich hier.

Dieser Ort, alles und nichts hat sich verändert

aber ich hoffe, ich habe mich verändert

und deshalb bin ich hier

zusammen mit den Menschen die ich liebe

und zusammen mit dem Menschen der mich liebt

und zusammen  möchten wir diesen Ort verändern

©Émilia