Die zerissene Kette

Wie der Zufall es wollte, begegnete sie ihm auf der Straße. Nach einer kurzen Begrüßung mit einem knappen „Hallo“, so wie Fremde sich begrüßen, sagte er zu ihr:

„Ich hoffe du konntest deine Gefühle für mich und deine Gedanken über uns sortieren und du hast deinen Frieden gefunden.“

„Aber ja,“ antwortete sie knapp und ihre Gedanken waren sehr weit weg von ihm. „Ich habe meinen Frieden. Ich habe dich fast vergessen. Ich kann dir wie eine Fremde begegnen.“ Sie sah an ihm vorbei,  beobachtete die Menschen auf der anderen Straßenseite.

„Ich hoffte, dich irgendwann wieder zu sehen.  Ich hoffte immer, ich würde dir dann in die Augen sehen und ich würde lächeln. Ich würde das stolzeste Lächeln für dich auf meinen Gesicht haben. Und ich wünschte mir, du würdest mir in die Augen sehen, mich anlächeln und würdest meine Haare zerwühlen und „Strubbel“ rufen, weil es dir immer Spaß machte meine Haare zu zerstrubbeln. Und ich…… ich werde nie aufhören, dich dafür zu lieben. Ich vermisse deine Finger im meinen Haaren. Ich habe dich all die Zeit vermisst.“ sagte er leise.

Sie sah ihm in die Augen als sie antwortete: „Ich hoffte dich nie wieder zu sehen. Und ich hoffte ich könnte dir irgendwann wie eine Fremde begegnen. Das was von dir übrig blieb ist eine zerissene Goldkette die meine Mama zum Examen geschenkt hat. Ich habe sie immer noch nicht repariert. Zu sehr erinnere mich noch an deine wütenden Hände, die glaubten mich damit erwürgen zu können. Lass mir meinen Frieden, lass mich dich ganz vergessen.“

Sie machte ein paar Schritte zurück, drehte sich um und rannte davon.

Eines Tages brachte sie die Kette zum Juwelier und ließ sie reparieren. Ein Zeichen, sie hat ihn vergessen.

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