Liebe, welche Kleidung trägst du?

In welchen Fetzen versteckst du dich,

oder in welcher Ecke

zerstreut deine zerrissene Perlenkette ihre Perlen?

Liebe, wo bist du verloren gegangen?

Hinter welchen Mauern hast du dich versteckt?

Letzte Nacht bei einem Kuss

bat ich dich darum,

neu geboren zu werden.

Ich weiß nicht wie oft ich küsste,

doch du warst so leblos wie eine Porzellanpuppe.

So konnte ich dich nicht verschenken.

Wann schlägt dein Herz wieder

wenn ich küsse?

Hast du den ersten Kuss vergessen,

den er mir schenkte?

Den ersten blauen prickelnden Schauer,

den der Kuss unter meiner Haut auslöste

wie ein Sommerregen

hast du auch vergessen?

Ich weiß noch,
wie du bei dem ersten Gedanken an ihn
ein Augenlid öffnetest,
dann das andere
als wärst du aus dem Tiefschlaf erwacht,
oder erst neu geboren worden

in eine dir noch unbekannte Welt.

Ich legte meine Wange an deine
und ich fühlte die Sehnsucht unter meiner Haut.
Ich dachte ihn
und du hast vor Sehnsucht
die Welt um mich herum ausradiert,
damit ich nur dein Flüstern und dein Lied hören sollte.
Und nun zähle ich die Augenblicke
zwischen den Blitzgedanken
in einer absurden Mathematik.
Einen letzten Kuss hauche ich
auf dein Porzellangesicht
und lasse dich schlafen.
Die Perlen sammele ich nicht ein.
Ich lasse die Perlenschnur liegen.
Ich werde nicht mehr darüber stolpern
und dich vermissen.
©Émilia

 

Mit roter Tinte

Mit roter Tinte

schreibe ich auf

alles was wichtig ist.

Dich schreibe ich mit roten Majuskeln

auf meine Augenlider,

damit ich dich nicht

aus den Augen verliere,

falls ich die Lider nicht mehr sehe.

Mit roter Tinte

schreibe ich dich

auf meine Augenlider

und unterstreiche dich,

falls ich dich

aus meinem Herzen,

aus meinen Gedanken

vergessen sollte,

wenn ich meine Augenlider

nicht mehr öffnen kann,

um dich zu sehen.

Den Sonnenaufgang

und den Sonnenuntergang

in deinen Augen

nicht mehr genießen kann,

– das Wissen

Morgen habe ich noch Liebe mit dir.
©Émilia