Über mich

Frag den Mond,
er ist mein treuer Vertrauter
in Nächten mit wenig Schlaf
Er kennt mein Lächeln und meine Tränen,
meine Gedanken, Sehnsucht und Sünde,
Er kennt meine Träume, meine Albträume
und im Morgengrauen ist er nur ein Schatten
so groß wie ein Nadelöhr.

Lass die Bücher über mich erzählen.
Wie oft habe ich sie gestreichelt
vorsichtig Gefühle zwischen die Seiten gelegt
und Lesezeichen zwischen die Gefühle
wie Blumen oder Blätter,
habe ich sie zwischen die Seiten gepresst.

Lass die Wege über mich erzählen
die meine Schritte getragen und gewiegt haben
– in den Jahren, die vergingen,
wieviel Sehnsucht ich getragen habe.
Wie oft ich mich verlaufen habe
wie oft ich mich selbst verloren habe,
auf der Suche nach Liebe und Glück.

Lass den Regen über mich erzählen
Wie oft er mir Musik war,
wie oft er mit mir weinte.
wie oft hat er mich umarmt.
Wie oft ich ihn gebeten habe über mich zu regnen.

Lass die Sehnsucht alles sagen,
was sie fühlt und was sie weiß
wie ich war, wie ich bin,
und nicht sein werde.
Sie hängt Gedanken an die Fenster
wie filigrane Blätter oder Eisblumen
in Nächten ohne Schlaf und Traum.
Lass sie erzählen von der Ferne
das mein Herz zurücklegt
mal lächelnd mal weinend.

©Émilia

Blattgrüne Sehnsucht

Ich sammelte den Regen

der tropfenweise in meine Hand fiel.
Es ist Herbst
Soll ich mich meine Sehnsucht unter dem Blätterteppich 
zwischen den Farben verstecken?
Denn ich liebe dich.
Sonst würde ich alle ungeträumten Träume 
dem Wind schenken, damit er sie verweht.
Und sie tanzen den bunten Sehnsuchtstanz
wie die Blätter den Herbsttanz
bis sie fallen.
Und die Liebe haucht ihr Chlorophyll aus.
Die Liebe ist intensiver in Ihren Farben und Aromen.
Es ist Herbst
Es regnet, die Blätter verlieren ihr Grün und es ist kalt,
Diesen ganzen Herbst sehne ich mich nach dir
In der guten Stube bringt mich die Stille zum Schweigen,
Meine Sinne laben sich an den Herbstaromen.
In Gedanken, liebe ich dich.
Es ist Herbst 
und ich sehne sehne mich nach Träumen.
Es ist spät und ich liebe dich herbstfarben.
Der Herbst lächelt unweigerlich über mich
denn ich kann nicht anders, als dich zu lieben.
Regenträne um Regenträne fiel in meine Hand
und ich verstecke mich zwischen den Farben,
die Sehnsucht ist blattgrün
denn liebe ich dich.

Und die Liebe
ist farbenprächtig tief und fragil wie ein Herbstblatt,
und trägt die Zartheit des Frühlings und die Wärme des Sommers
durch den Regen.

©Émilia

Der Duft der Sehnsucht

Sehnsucht riecht nach Trauben und nach reifen Äpfeln,
nach dir, nach mir, nach uns,
nach Sommer der endet und nach Träumen.


Sehnsucht riecht nach fallende Blätter,
nach Frühnebel und Regen
Nach Warten das an den Fenstern rostet
Und nach Flügel, die aufgegeben haben zu fliegen.

Sehnsucht riecht nach Gedanken im Regen
nach Sonnenlicht das sich darin bricht.
nach versteckten Worten zwischen den Zeilen.

Sehnsucht riecht nach Leben 
und das Leben riecht
nach Sonnenblumen und Quitten und Poesie
Und die Illusionen, die uns verwöhnen
Wenn Farbe in Erinnerung fällt.
©Émilia

Prognosen in Gedanken

Regen wird angekündigt, und ein Sturm
wird alles verwüsten, so das Gerücht.
Und morgen wird alles vergessen sein.

Ich habe einen Schal über dieses eine Wort gelegt
das noch an den Lippen hängt, bevor der Regen kommt
und es durchnässt und der Sturm es in der Luft zerreißt.
Rächen sich unsere Wolken, und es wird Sturm geben?
Geh nicht vor das Haus, denn alles ist verlassen,
Die Blätter fallen und wirbeln um dich herum,
um dich an unsere Worte im Sreit zu erinnern.
Ich bitte dich die Fenster zu schließen,
sonst werden wir Angst haben
vor unserem Fühlen
und unseren Worten.
Dass wir irgendwann nicht mehr Liebende sein werden.
Wie auch immer,
die ganze Nacht wird es regnen.
Bis morgen regnet es,
und Sturm wird erwartet
Vielleicht wird es bis morgen vorbei sein
und wir vergessen.
Bis dahin verlieren wir unsere Schritte im Wort.
©Émilia

 

Tränenfarben

Hast du gesehen, wie die Bäume ihre Blätter weinen?
In den Gassen,
in den Gärten,
auf den Straßen,
auf Menschen und unter ihren Schritten,
Ohne sich Sorgen zu machen,
über neugierige Blicke,
ohne sich für ihre Leere und Verletzbarkeit zu schämen.
Immer offensichtlicher,
ohne Angst vor Verwundbarkeit
vor dem Wind vor dem Sturm.
Sie machen sich keine Gedanken
über das Urteil anderer Blätter,
über die Sympathie für andere Bäume
oder über ihre Mitschuld am Herbst


Der Herbst lässt sie ihre Blätter weinen,
offensichtlich für die Welt.
Ihre Herzgedanken,
ihr Fühlen.
Und sie verstecken sich nicht
vor ihrer Fragilität
nicht vor Menschen,
nicht vor anderen Bäumen,
nicht vor dem Wind
und nicht vor anderen Blättern.
Sie beweinen ihre sterbenden Blättern
vor der Sonne, vor dem Mond
bei Tag und bei Nacht.


Hast du schon gesehen, 
wie Menschen mit anderen Menschen reden?
In den Gassen,
in den Gärten,
auf den Straßen,
mit anderen Menschen,
Begleitet von ihren Schritten?
Ich auch nicht.
Weil,
sie weinen nicht
sorgen sich über neugierige Looks,
sie schämen sich dass ihre Schwäche
zu offensichtlich wird,
fühlen sich verwundbar
haben Angst vor ihrer eigenen Fragilität
vor dem Urteil anderer Tränen.


Sie weinen ihre Sehnsucht still,
ohne sichtbaren Tränen.
Innerlich erstarrt,
innerlich traurig tränenüberschwämmt.

Sie verstecken sich hinter einem Lächeln
in den traurigen Augen.
Sie verstecken ihre Sehnsüchte 
in den fallenden Blättern
in den Herbstfarben

In der Nähe der Bäume die ihre Blätter weinen
sammeln sich oft die Träumer,
sie bleiben stehen, bewundern den Baum,
freuen sich wie Kinder
über seine fallenden Blätter
und deren Farben.
„Schaut mal was für ein schöner Baum!“ exklamieren sie.


Auf den Menschen, der so weint,
zeigen andere Menschen mit den Fingern.
Sie sehen die Tränen
doch sie sehen weder Glück noch Undglück,
weder Freude noch Traurigkeit.
„Da weint jemand!“ exklamieren sie neugierig und gehen weiter,
weil Tränenfarben sind unsichtbar

©Émilia