Novemberballade (Teil 2)

Sie lief auf dem Herbstweg durch den Garten bis zum Tor.

Das Hoflicht verlor sich durch die kahlen Zweige des Kirschbaumes.

Plötzlich hörte sie hinter sich ein leises Knacken, wie ein hauchleises Flüstern. Angst keimte leise auf und durchfuhr ihr Herz, ihre Sinne, ihren Körper bis unter die Haut. Sie erschrak einen Herzschritt lang.

Ein grünbraunes Herbstblatt, das sein Schicksal nur zögernd annahm, gab unter dem Impuls des Schicksals nach und löste sich mit einem erschrockenen Flüstern vom Baum und fiel nur hauchweit hinter ihr.

Es fiel auf einen gemusterten Asphaltstein und verschmolz mit den Mosaikfarben den Asphaltsteins und den Farben des Nachthimmels. Graubraungrüngold.

Das allerletzte Blatt des Kirschbaumes.

An einem Zweig an der Baumspitze baumelte die letzte Herzkirsche ohne Herzblut.

Das letzte Herbstblatt

flüstert sein letztes Wort in den Wind

Zwischen Himmel und Erde.

Es singt seinen Abschied,

bis es seinen Atem verliert,

als es fällt.

Dann kam die große Stille.

Das letzte Blatt, wie ein Traum vom Wind getragen,

ein leises Flüstern, ein letztes Wort,

auf dem Herbstparkett..

Es ist keine Novemberballade nur über Tod und Regen,

es ist ein Abschiedlied der Herbstblätter für mich.

3 Gedanken zu “Novemberballade (Teil 2)

  1. Du schreibst so, dass ich mich zwischen Deine Zeilen legen möchte, um zu verweilen. In ihrer (Deiner) Sprache, in ihren Bildern, die sie mir zeichnen. Bei manchen Deiner Texte und Verse wird das zu einer Sehnsucht. Dieser zweite Teil Deiner Novemberballade ist so ein Text …

    Immer wieder Dankeschön, dass ich Dich und deine Texte finden durfte und nun hier lesen darf.

    Viele freundliche, liebe Grüße an Dich!

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    1. Vielen herzlichen Dank. Deutsch ist zwar nicht meine Muttersprache und deshalb verwende ich mehr Wörter, um etwas zu sagen(schreiben). Außerdem liebe ich den Herbst und seine Farben und achte sehr auf alle Ideen der Natur, die sie mit alltäglich bietet. Und ich achte auf die Musik. Viele herzliche Grüße an dich und einen wunderschönen liebevollen Sonntag wünsche ich dir
      Émilia

      Gefällt 1 Person

      1. Wenn Deutsch nicht Deine Muttersprache ist, dann MUSS ich Dir sagen, dass es für mich um so faszinierender ist, wie Du schreibst.

        In Dir LEBT eine Stimme, und deshalb ist keines Deiner „mehr Wörter“ zuviel – ich glaube, Deine Stimme, ist eine Stimme der Vielfalt, der vielen Bilder, des Beschreibens, des Sinns für viele Details und für Entdeckungen. Das ist zauberhaft!

        Wenn ich das so schreibe, liest sich das wahrscheinlich ein bisschen schwärmerisch. Aber ich weiß wohl, wie viel schöne Besonderheit in Deinem Schreiben steckt, um so mehr, als meine Frau auch Deutsch nicht als ihre Muttersprache hat …

        Ich wünsche Dir eine gute, traumschöne Nacht und lasse Dir viele liebe Grüße hier!

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