Ein Elefant balancierte in einem Spinnennetz

„Ich bin launisch wie das Frühlingswetter,“ sagte sie zu  ihm eines Abends.

„Aber ja, launisch  wie ein Wirbelwind, dann sanft und warm und ebenso aufbrausend und unbeständig.“ beschrieb er sie.

Die Ruhe vor dem Sturm und der Sturm mit voller Kraft zugleich.

Sie hält so gut  wie möglich die Kälte des Winters von ihren Lieben fern.

Ihre Augen sind manchmal voller Traurigkeit in den Tag und trotzdem spiegeln sie die warmen Farben der Liebe.

Das glückliche Lächeln eines Augenblicks der Freude ist wie ein Taukranz auf dem fragilen seidenen Faden, eines Spinnennetzes.

Wenn man sich vorstellt wie schwer die Welt für diesem Faden ist?

Nun ja … Manchmal ist es so, unsere ganze Welt hängt an diesem fragilen Faden. Manchmal vergessen wir kindlich daran zu glauben, dass Liebe die ganze Welt in den Händen tragen kann, wie Atlas der das Gewicht der Welt auf seinen Schultern trägt.

Sie erinnerte sich an ein Kinderlied, dass sie im Kindergarten rauf und runter gegrölt hatte:

Un éléphant qui se balançait

sur une toile, Toile, toile,

toile d’araignée,

C’était un jeu tellement,

tellement amusant

Qu’il appela un deuxième éléphant

Sie ersetzte die Leinwand mit einem Spinnennetz. Die vermeinte Fragilität die eingentlich unterschätzt wird

„Eins!

Ein Elefant balancierte in einem Spinnennetz

Und weil das Netz nicht gerissen ist

ist ein weiterer Elefant ist dazugekommen!

Zwei!

Zwei Elefanten schaukelten in einem … “

„Wie kommst du jetzt darauf?“ lachte er. Vielleicht lachte er über ihre Stimme, oder aber über ihre tanzenden Bewegungen. Vielleicht einfach nur so…..aus Liebe, da er ihre Albernheiten kennt.

„Das Schwere und die Elefanten sind wir in unserer Liebe.“ sagte sie mit einer nachdenklich melancholischer warmen Stimme.

„Du hast meine Seele geschält und geöffnet wie eine Orange und das Fruchtfleisch zwischen deinen Fingern zerdrückt, hast daran gesaugt und jeden Tropfen Saft genossen, bis du mich ohne Essenz gelassen hast. Jetzt ist meine Essenz in jedem Atemzug von dir. Du fühlst was ich fühle.

Quo vadis?…

Wir haben so eine große Verantwortung füreinander. Und einer von uns muss ein Anführer sein und dafür Sorge tragen, dass wir beide glücklich, ausgeglichen und erfüllt sind.  Ich bin manchmal schwach und wenn ich im Augenblick den Sinn nicht sehe,  kann und will ich nicht kämpfen. Ich habe manchmal keine Ressourcen mehr, weil du mich forderst und aussaugst.

Ich bin froh, dass du meine Seele gerettet hast, indem du alles mitgenommen hast. Ich weiß, ich bin bis zum Ende dein.“ dachte sie. Laut zu denken würde zu Diskussionen führen.

„Fühle dich reich, du hast mich, denn so ganz hatte mich noch niemand haben können. Und stell dir vor, ich hätte hier nicht die Oberhand….“ führte sie fort.

„So siehst du uns also?“ fiel er ihr ins Wort.

„Aber ja, du wolltest wissen wo wir gemeinsam angekommen sind.“

Er antwortete in einem verärgerten Ton:

„Ich bin der Mann, der dich liebt. Ich werde alles tun um das Schwere im Spinnennetz zu stützen um uns Elefanten im Netz dieser Liebe zu halten und wir werden uns treffen, um uns wie beim ersten Mal zu lieben …

Ich bete darum, dass ich für uns beide die Kraft habe alles Schwere von uns abzuwenden.“

Bete für dich selbst ……aber nicht für mich.

„Ich habe jetzt Gefühle, die ich herausschreien könnte, damit sie mein Herz nicht mehr so beschweren. Ich habe sie jetzt und nicht Morgen oder übermorgen. Jetzt in diesem Augenlick. Ich wünsche dich mit Umarmungen fast zusammenzudrücken und ich vermisse Tränen, die noch nicht einmal Quelle sind und die meine Wangen lieber verbrennensollen, anstatt dass ich sie von dir abzukühlen lassen möchte.

Und ich habe Liebe für dich in meinem Herzen.Lass mich dich nur nicht lange mit feuchten, traurigen Augen voller Sehnsucht ansehen. Küsse mich so innig wie du nie geküsst hast!“ dachte sie und sah ihm in die Augen.

„Meine Hände werden Nacht für Nacht

verrückt nach deinem Körper sein

Traum für Traum werde ich dich träumen.

Unser Verlangens ist…

es ist unsere Nahrung und Trank.

Du bist nicht müde und ich bin nicht müde.

Hungrig und nackt.

Verrückt und gesund.

Auch eine Art unserer Liebe.“ dachte sie weiter. Heute…..Jetzt….Nicht Morgen….Das Leben ist Jetzt.

„Würde der Spiegel des Universums zerbrechen, wenn wir uns nicht mehr lieben würden?

Würde der Bodensatz der Welt zerbrechen und würden die Splitter des Endes über uns fliegen?“ fragte sie schelmisch.

„Ich würde für die erste Sekunde um das Ende bitten, das mich noch näher zu dir bringen würde. Wir zwei Splitter auf dem Scherbenhaufen der Welt.“ lachte er.

„Aber ja! Würde er nicht. Das Leben geht immer weiter, mit und ohne uns. Man weiß nie was Morgen sein wird. Das unbekannte Vielleicht, wie ein bekannter Schriftsteller Francois Rabelais es nannte. Und das ist beängstigend. Und wenn es hart auf hart kommen wird, ich weiß nicht wie unser Zusammenhalt aussehen würde. Die große Unentschlossenheit.“

„Gut! Von wegen unentschlossen. Ich bin nicht unentschlossen.“ sagte er knapp. Er ist nun mal der Mensch der in drei, vier Worten alles sagen kann. Drei Worte die alles beinalten. Die Welt, das Spinnennetz und die Liebe.

Liebe ist……nicht immer alles…..so sehr man auch liebt. Es gibt immer einen entscheidenden Punkt wo sie hängen bleibt……und nicht weiter geht…..Und an der Schwere scheitert man nicht nur, weil die Kraft ihre Grenzen setzt, sondern weil die Liebe an dieser Grenze zerschmettert und man sich immer für den scheinbar leichteren Weg entscheidet.

Die unkonditionierte oder bedingungslose Liebe trägt keine pure Logik in sich. Damit der Faden nicht reißt, bedarf es an Elastizität und Beschaffenheit.