Der Himmel über mir

„Ein Tag wie jeder andere,“ dachte ich, als ich am frühen Morgen aufwachte.
Auf dem Land wird man ungewollt zum Frühaufsteher. Wir haben jede Menge Federvieh, das sehr früh am Morgen gefüttert werden muss, bevor es die ganze Welt zusammenschreit.
Nachdem ich mich leise für den Tag zurecht machte, meine strubbeligen Haare bändigte(zumindest es versuchte, aber bei hoher Luftfeuchtigkeit kringeln die sich wieder als hätte ich sie nie gekämmt)
Es nieselregnete, schneeregnete und regnete abwechselnd.
Also hieß es für mich, die Hühner, Gänse und Enten im Stall zu lassen. Zusätzliche Arbeit für mich.
Als ich die Körner verteilte und alle friedlich die Körner vom Boden pickten, war ich froh, das schon mal geschafft zu haben.
Ich zog meine Stallschuhe aus(wichtig ist, nicht mit Straßenschuhen zu dem Geflügel gehen) zog meine roten Regenstiefel an und ging mit einen Henkelkorb mit Eiern langsam zum Haus. Es war schon 9:00 Uhr. Es regnete noch. Ich sah zum Himmel und er sah aus als wäre er in zwei Teile geteilt. Auf der einen Seite war der Wolkenvorhang zugezogen und es regnete, auf der anderen Seite war der Himmel blau mit Schäfchenwolken und die Sonne schien.
Durch die kahlen Bäume schimmerte ein wunderschöner Regenbogen  pastellfarben und schlug eine Brücke. Seine kräftigen Pastellfarben faszinierten mich. Ich hielt den Atem an. Der Himmel war voller Wunder und so still. Auf einer Seite regnete es, als würde der Regenbogen mit einem Auge weinen und mit dem anderen Auge lachen.. In seiner Unendlichkeit ist jedes Detail sorgfältig ausgearbeitet und von einer solchen geordneten Unordnung, dass mich eine Welle der Ruhe überschwemmte. Ich fühlte mich wieder einmal mehr zu Hause.

 Diese Stille und dieses Himmelbild begleitete mich nach Hause.
 Ein sanfter Wind küsste hauchzärtlich meine warmen Wangen immer wieder. Er spielte mit meinen Haaren und verstrubbelte sie. Eine Erinnerung malte ein Lächeln auf meine Lippen und in meine Augen.
„Schäfchen,“ hörte ich eine liebevolle Stimme.
Ich mag meine Haare nicht. Das Glätten ist dauerhaft schädlich für die Haare und ich möchte sie nicht irgendwann abschneiten müssen. Jetzt, wo sie durch die hormonelle Umstellung nach der Geburt von Zoé und durch die Behandlung mit Arganöl und Kokosnussöl eine schöne Struktur haben. Sie sind nicht mehr so strohig und die Spitzen brechen nicht mehr.
„Schäfchen,“ Ich liebe seine Finger, wie sie sich in meinen Haaren verstecken. Liebevoll und weich fühlen sie sich auf meiner Kopfhaut an.
Der Wind umarmte mich und hielt mich zurück. Ich musste mich immer wieder aus seiner Umarmung befreien.
Ich gelang auf die sonnige Seite. Schäfchenwolken wanderten am Himmel entlang. Dann färbten sie sich wieder hellgrau und verschwanden unter der grauen Himmelsdecke. Und wieder weinte der Himmel. Der Regenbogen verblasste.
„Ich lade dich zu einem heißen Lindenblütentee mit Honig ein.“ sagte er, als ich die Küche betrat.
„Ich möchte einen leisen, harmonischen und lagsamen Samstag genießen.“
„Wir sind alle lieb zu dir,“ lächelte er und rückte mich ganz fest an sich. In seinen Armen könnte ich jetzt einschlafen.
Pustekuchen! Zoé verzierte die Fliesen mit Baguette und Eigelb. Was sie nicht mag fliegt unter den Tisch.
Sie sollte es auffegen. So kommt ihr kleiner bunter Besen mit der blauen Schippe zum Einsatz.
Der Samstag ist ein Tag wie jeder andere auch nur mit ein bisschen Wunder.
Jenseits des Lärms höre ich die Stille,
die die Seele in zwei Himmel teilt.
Jenseits der Worte spüre ich,
wie sich die Emotionen bis in meine Fingerkuppem schleichen.
Jenseits des Schattens suche ich nach der Farbe im Dunkeln,
um den traurigen Frühling des Herbstes zu spüren.

Jenseits des Rauches ist es die Asche,
die die stumpfen und angespannten Augen ins Licht zieht.
Hinter dem Schmetterling mit den sonnenfarbenen tranparenten Flügeln
befindet sich die Larve,
die ihren durchbohrenen Schmerz spürt.
Jenseits des Menschen gibt es eine Seele,
ein Geheimnis, eine Ruhe und ein Verlangen.

©Émilia