Frühlingskonzert auf bunten Tasten

Ich freute mich als endlich der Frühling kam und mit ihm die Farben. Ich hatte es satt, der Schwarz-Weiß-Musik des nicht gestimmten Klaviers des Winters zu lauschen.

Sobald die pastellfarbenen Farben die Leinwand der Natur Leben einhauchten, öffnete ich die Fenster, damit die Sonne jede Herzkammer wärmen sollte.

Ich freute mich auf die Frühlingsonate für mein Klavier mit bunten Tasten.

Inspiriert von den Farben des Frühlinganfangs und vom milden Märzwind wollte ich jeden Tag eine neue Partitur meines Lebens in vollen Zügen genießen.

Ich lief nicht achtlos durch den Frühling, sondern versuchte auf meine Gesundheit zu achten, achtete auf meine Liebsten die ihre Liebe und ihr Leben mit mir teilen und auf die Menschen um mich herum die an meinem Leben mit viel Liebe teilnehmen.

Seit Tagen versuche ich gegen eine schwere Erkältung anzukämpfen, die urplötzlich da war. Abartig wie jedes Jahr um diese Zeit. Ich zog mich zurück ins Homeoffice, bewegte mich sehr vorsichtig und umsichtig.

Als es mir gesundheitlich immer schlechter ging, rief ich meinen Kollegen und Hausarzt an.

„Komm vorbei, ich bin bis 13 Uhr in der Praxis.“ sagte er. Ich kenne ihn nicht lange, manchmal begegnen wir uns zufällig. Ich war nur zwei mal bei ihm in der Praxis.

Als er mit seinem Schutzanzug und Mundschutz auf mich zu kam, merkte ich sofort, dass er nichts Gutes denkt.

„Ma chere, ich gebe dir eine Nummer und du rufst da an und lass dich testen.“

Der Boden unter meinen Füßen schwankte. Als hätte man Eiswasser über mich geschüttet, fror ich bis ins Knochenmark.

Er erklärte mich über diesen Covid-19 auf, als wäre ich drei Jahre alt, als würde er mich damit auf darauf aufmerksam machen, dass es sehr ernst ist. Trotzdem musste ich lächeln. Als hätten wir den ganzen Mist nicht schon zig. Male durchgekaut.

Seine Assistentin drückte ihm einen Überweisungsschein in die Hand, den er mir mit Abstand aushändigte.

Verdacht auf Covid-19. Ausschluss Covid-19.

Und dann die beiden Diagnosen die das Risiko beschreiben.

Lars und ich fuhren heute Morgen gleich um 7:00 Uhr los, damit wir nicht so lange warten müssen. Nach 20 Minuten kamen wir an. Der Weg zum Zentrum war gut gekennzeichnet und gut beschildert.

Wir folgten den Pfeilen, wichen einer Baustelle aus und standen Urplötzlich vor einem Parkhaus, das provisorisch zum Testzentrum umgewandelt wurde.

Ich stand da und konnte es nicht fassen. An der Garagentür war ein Schild mit den Testzeiten befestigt.

„Scheiße aber auch, die beginnen erst ab 9:00 – 14:00 Uhr.“ empörte ich mich. Die wissen vom Gesundheitsamt nicht einmal die Testzeiten. Hoffe ich doch, dass der Testbezirk richtig ist. Sonst bin ich umsonst hier unter zig. potentiellen Infizierten.“

„Warte doch bitte erst ab,“ versuchte Lars mich zu trösten. Und so standen wir geduldig bei 5° C im Freien. Vor uns war auch ein Ehepaar, das zwar relativ fit war, trotz einigen Symptomen. Nur ich fühlte mich wie durch den Fleischwolf gedreht und frisch gekotzt. Ich zitterte wie ein Laubfrosch und klapperte mit den Zähnen. Nicht einmal sprechen konnte ich, so verfroren ich war.

Wir unterhielten uns mit unseren „Leidgenossen“ über alles Mögliche und Unmögliche. Manche denken wirklich, dass wir Mediziner ja an der Quelle sitzen würden und eher Zugang zu den tests bekommen. Pustekuchen! Vor Corona und vor Gott sind alle Menschen gleich!

Endlich öffnete sich die Schiebetür und ein Internist und ein paar Assistenten kamen auf uns zu.

Wir mussten unsere Versicherungskarten und den Überweisungsschein zeigen.

Eine Assistentin desinfizierte die Versicherungskarte und zog sie durch das Gerät. Dann durften wir eintreten. Man drückte uns ein Klemmbrett mit vier Blättern in die Hand und das mussten wir ausfüllen.

Zwischendurch wurde ich getestet( Stäbchentest mit Abstrich aus dem Rachenraum) und während ich weiter die vier Seiten ausfüllte wurde Lars getestet. Vor der Tür warteten mit Abstand bestimmt mehr als 100 Menschen getestet zu werden.

Die Fragilität des jeden einzelnen ist sichtbar, hörbar und fühlbar.

Danach machten wir uns auf den Heimweg und sind ab heute in Quarantäne. Die Beschwerden habe nur ich.

– Schnupfen

– Husten

– erhöhte Temperatur

– Kurzatmigkeit

– Übelkeit

– Schüttelfrost

– Druckgefühl in der Brust.

– Geruchsinn ist nur schwach vorhanden.

Nebenbeschwerden

-Herzrasen

-Übelkeit

-Kopfschmerzen

-Schnupfen und im nächsten Moment ist die nase komplett zu und es fühlt sich an, als wäre man mit dem Kopf unter Wasser und Wasser dringt in die Nase.

– Appetitlosigkeit

Als wir zu Hause ankamen, trafen wir erstmals viele Vorkehrungen.

Lars darf die Praxis führen so lange er keine Beschwerden hat. Unsere Assistenten und unser Kollege müssen zum Test wenn mein Test positiv ausfallen sollte, und dürfen  sogar im Krankenhaus eingesetzt werden, bis sie ein Testergebnis haben. Nur ich habe vorerst bis zum 20 April Quarantäne.

Und wenn diese weiß-schwarze Partitur vorbei ist, werde ich dem Eiswinter vergeben, dass er die Bäume für mich in ein weißes Schneeblütenbrautkleid gehüllt hat, die einmal bereit waren ihre Knospen in einem pastellfarbenen Feuerwerk aufgehen und aufblühen zu lassen. Ich werde meine Herzfenster weit öffnen,  mich vom Frühling parfümieren lassen und den Duft in meine Sinne aufnehmen.

Ich werde intensiver, inniger und tiefgründiger lieben. Ich werde sensibler, besonnener und hilfsbereiter mit meinen Lieben sein und sie beschützen wie ein Wildtier seine Brut beschützt.

Und ich werden den Morgentau auf dem kruden pastellgrünen Gras genießen.

Du und ich

in einer Umarmung

Körper an Körper,

Gesicht an Gesicht

Herz an Herz

schwindelig von der farblosen Zeit

die ihr Klavier und ihre Geigen stimmt,

wartend auf den Augenblick

wenn die Farben des Flühlings ein Feuerwerk entfachen

für unseren ersten Walzer.

Und die Zeit sieht uns verwundert zu

wie wir der Schwerkraft trotzen

gefangen in dieser Umarmung

die ersten Schritte wagen

und wundert sich

über die Leichtigkeit

unserer Körper

wie sie schweben

wie sie sich drehen

als würden sie um ihr Leben tanzen.

©Émilia

Lass uns Möwen sein für einen einzigen Augenblick

Lass uns Möwen sein
für einen einzigen Tag,
oder nur für einen einzigen Augenblick.
So könnten wir schweben
zwischen Himmel und Meer.

Du würdest mir eine wolkenweiße Feder reichen
um im Schatten einer dunklen Wolke
unsere Liebe aufzuschreiben.
Ich würde dir eine meeresschaumfarbene Feder reichen,
damit du mich auf den Wellenschaum malst.

Wir würden und teilen und teilen
bis du ich wärst und ich du wäre.
Wir würden nebeneinander sitzen
auf einem Küstenstein
Flügel an Flügel
und würden die Musik unserer Herzen lauschen.

Wir würden uns ansehen
und Liebende werden
am Meeresufer.

Und jeder würde die gleiche Liebesgeschichte
mit der Sehnsuchtsfeder des anderen
in den Sand schreiben.

Nimm meine Hand
und lass uns Möwen sein für einen Tag
oder nur für einen einzigen Augenblick

©Émilia

Perpétuum mobile

Rund wie ein Vollmond
rollt mein Traum
durch die pastellfarbenen Fenster einer Zeit,
in der ich die Erinnerungen an dich verschloss,
während der samtweiche Duft eines Frühlingsmorgen
meine Sinne zu dir führte.
Ich renne auf Gedankenblütenblättern
rotiere mich im Kreis der Sehnsucht,
ohne zu wissen, dass in deiner Abwesenheit
alles nur ein Perpétuum mobile ist.
Einfach und perfekt,
aber absolut inutil.

©Émilia