Beinahe

Beinnahe
hätte ich ein paar Himmelsaugen
an die Wolken genäht,
damit sie Regen weinen können.
Ich habe ein paar schöne Gedanken eingenäht,
für den Sonnenregen.

Beinahe
habe ich zwei ausgefranste Engelsflügel umsäumt,
damit sie wieder fliegen können.
Ich habe ihnen ein Lächeln eingenäht.

Beinahe
habe ich einen Sack
für Träume und Liebe und Sehnsucht genäht.
Noch ist er leer,
aber ich werde ihn langsam füllen.

Das Herzkleid
ist kein Galakleid, aber die Nähte halten es zusammen.
In den Himmelsaugen wird die Leidenschaft nicht brennen,
sondern leuchten.

Beinahe habe mich in die kahlen Zweige
eines Baumes verliebt
und er schenkte mir im Frühling Kirschblüten.
Beinahe hätte ich ihm ein Lächeln geschenkt
und meine Liebe
Beinahe

Mein Blick

Im Morgengrauen,

wenn die Sonne sich nicht sicher ist,

ob sie in das stille Grau der Wolken eintauchen,

oder ihr Gold dem Tag zeigen soll,

sehe ich in den Sonnenaufgang

und mein Blick ist sonnenaufgangfarben,

wenn die Welt, die ich betrachte …

Ich höre dir zuerst mit meinen Augen zu,

dann mit meinem Herzen

und dann mit meinem Ohr,

Ich blicke in die Tiefe deiner Augen,

wenn meine Herz und meine Hände dich berühren

Wie viele Wellen werden an einem Tag geboren

und wie viel Glück haben sie,

Felsen zu umarmen oder Ufer zu küssen?

Mein Blick ist die Antwort

für verbotene Fragen…

Die Wellen sind Noten,

die zusammen die Seelenpartitur bilden,

die Musik des Meeres…

Mein Blick ist ein Lied,

in der Stille des Augenblicks.

Wie sieht der Himmel mit deinen Augen aus? Immer klar?

Mein Blick ist Sehnsucht,

wenn ich auf das Meer in deinen Augen schaue …

©Émilia

Die Sandfrau

Ich heiße Maré. Eigentlich heiße ich Marie, aber wen interessiert es denn so genau? Alle nennen mich Maré (Marie, Marei, Maria, Mareille…..wie marée – französisch Gezeiten) hier ein gängiger Kosename für Marie, Maria und alle anderen Variationen mit dazu.

Wir schreiben das Jahr 2008 und ich bin heute 25 Jahre alt geworden und studiere Medizin. Noch weiß ich nicht welche Fachrichtung ich anstreben soll. Ich habe noch ein Jahr Zeit es herauszufinden. Eventuell werde ich mich für die Chirurgie entscheiden. Sicher bin ich mir jedoch nicht.

Heute bin ich zum Essen verabredet. Ich mache mir gar nichts aus chinesischem Essen, aber ich habe ein paar Kommilitonen eingeladen mit mir zu feiern und hier kann man zum „Studentenpreis“ gut essen und ausgelassen feiern. Und die Glückskekse hier prophezeien immer das Leben haargenau.

Nicht dass ich an so einen Esotherikkram glaube, aber man braucht, oder ich brauche, im Leben irgendwelche Anhaltspunkte, irgendwelche Hoffnungen, wenn man das so sagen kann. Mag sein, dass es albern ist, oder kindisch, aber ich mag die Zettelchen in den Glückskeksen. Die Kekse esse ich fast nie.

Aus Geburtstagen mache ich mir auch nichts. Warum? Ich fühle mich nicht wohl im Mittelpunkt zu stehen. Nicht einmal an meinem Geburtstag. Es ist viel mir zu intim, mich der Heftigkeit meiner Emotionen auszuliefern, meiner eigenen Heftigkeit. Mich meinen Kommilitonen so zu zeigen.

Also kusche ich vor meiner Wildheit. Ich möchte niemandem gefallen.

Männer gefallen sich selbst und Frauen möchten anderen gefallen. Ob ich gezähmt wurde, wie alle Mädchen gezähmt werden ab einem gewissen Alter oder schon ab der École Maternelle, zurückhaltend zu sein. Die Wildheit, das Selbstglück, der Forschertrieb so klein wie möglich zusammenzufalten um nicht aufzufallen? Eigentlich nicht. Ich habe mich der Gesellschaft zumindest äußerlich angepasst, wie man sich der Mode anpasst, um nicht als Eigen zu gelten.

Das Eigentliche…… die wilde Natur, behält man für andere unsichtbar, oder man teilt es mit der……nur ich kenne niemanden, bei dem ich das könnte.

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je t’ai cherchée

Je t’ai cherchée
dans tous les regards,
et dans l’absence des regards,
dans toutes les robes, dans le vent,
dans toutes les eaux qui se sont gardées,
dans le frôlement des mains,
dans les couleurs des couchants,
dans les mêmes violettes,
dans les ombres sous les hêtres,
dans mes moments qui ne servaient à rien,
dans le temps possédé,
dans l’horreur d’être là,
dans l’espoir toujours
que rien n’est sans toi,
dans la terre qui monte
pour le baiser définitif,
dans un tremblement
où ce n’est pas vrai que tu n’y es pas.

Eine Mitteilung für liebe Leser von „Die Sandfrau“

Jedem der schreibt ist es bekannt, dass man den einen oder anderen Abschnitt, oder sogar ein ganzes Kapitel überarbeitet. Manchmal unterlaufen mir Schreibfehler, oder die Formulierung passt mir ganz und gar nicht, oder aber ich muss noch etwas ergänzen. Dann überarbeite ich immer wieder mal Seite für Seite.
Was ich damit sagen möchte: ihr solltet immer wieder mal nachlesen ob sich der eine oder andere Kapitel geändert hat.
Zur Zeit habe ich nur wenig Schreibzeit und oftmals schreibe ich etwas flüchtig auf und es entstehen diese berühmten „Rennfehler“ die ich lange übersehe, bis man mich darauf hinweist.Für die Hinweise bedanke ich mich herzlich
Émilia

Die Stille

Es gibt viele Arten von Stille und jede Stille hat eine andere Bedeutung. Es gibt die Stille, des frühen Morgens, die Stille einer verschlafenen Stadt. Die Stille der langen Feldwege, die Stille im Wald. Nach einem Gewitter und vor einem Gewitter herrscht Stille. Es gibt die Stille der Leere, die Stille der Angst, die Stille des Zweifels. Die Stille in der die Liebe keine Worte braucht. Die Stille der Geborgenheit. Und die Stille nach einem Unglück. 

Die Sandfrau

Sie parkte ihr Auto im Parkhaus der Klinik, auf dem ihr zugewiesenen Platz für den ihr jeden Monat fünfzig Euro vom Gehalt abgezogen werden. Studentenpreis.

Sie musste noch ganze zwanzig Minuten zu zu Fuß gehen, bis sie das Haus mit der Nr. 4 erreichte.

Kleine Menschen, kleine Schritte. Diese vier Worte bildeteten ein Gedanke.

Bordeauxrote Leinenbundfaltenhose, weiße kurzärmelige Baumwollhemdbluse mit Stickerei, viel zu unbequem für die brütende Hitze schon am frühen Morgen, den ausgetrockneten Asphalt unter ihren Sandalen und ihren Schatten, der sich  unter ihr, hinter ihr, neben und vor ihr zusammenzog und streckte. Mal war sie winzig, mal war sie riesig. Um sie herum große Backsteinbauten, hohe Wände, teilweise offene Fenster. Ihr Alltag des Lebens.

Im Haus mit der Nr. 4 verschwand sie und stellte sich ebenso wie die Tage zuvor vor die Tomographen und sah sich das Innenleben anderer Menschen in Scheiben an. Sie fühlte ihre Ängste, als wären es ihre eigenen. Ganze neun Stunden wird sie das tun müssen, bevor sie den Tag als Erinnerung zusammenrollen und wegstecken darf.

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Le stelle cadono veloci.
e io ho solo desideri lenti

Les étoiles tombent vite.
et je n’ai que des désirs lents

Die Sterne fallen schnell.
und ich habe nur langsame Wünsche

The stars are falling fast.
and I only have slow desires

Die Sandfrau

Strandsandkörner rieselten aus ihren dunkelbraunen Locken und bildeten einn kleinen Sandhaufen mitten im Wohnzimmer.

Mit den Sandkörnern trug sie auch diese Sehnsucht ohne Namen nach Hause.

Morgen werde ich im Meer schwimmen. Ich werde mich von den Wellen tragen lassen, treiben lassen, nah sie sich für den nächsten Tag vor, bevor sie ins Bad ging.

Maré war vom langen Tag erschöpft und nach einem reinigenden und entspannenden Bad, schlief sie sofort ein.

Sand, Wasser, Salz, Sand, Wasser und Stille. Man ist nur ein Stück Treibholz im Fluss der Zeit und die Gefühle sind nur ein Sandhaufen in der Sanduhr.

Im Traum, der dann zum Cauchemar wurde, lag sie in einem Tomographen und jemand las sich bildlich durch alle Schichten ihrer Emotionen, ihrer Gedanken bis auf das Rückenmark ihres Ichs.

Bleiben Sie ruhig, bleiben Sie liegen, bewegen Sie sich nicht. Nur noch einen Augenblick, 

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Pour garder ses baisers

Elle embrasse comme elle écrit.

Des lèvres qui murmurent les mots

à venir aux doigts qui effleurent le clavier.

Elle embrasse comme elle caresse le corps du texte,

avec l’étonnement de le sentir si doux à ses yeux.

Elle l’embrasse comme résonne en elle une poésie,

avec les mots qui rythme l’instant.

Elle l’embrasse avec fureur,

celle qui la saisit parfois

lorsqu’elle veut dire le désir et l’envie.

Ecrire le besoin de la peau

et l’inénarable soif qui la saisit alors.

Elle l’embrasse puis elle l’écrit. Pour garder ses baisers.

©Émilia