Die Sandfrau

Sie parkte ihr Auto im Parkhaus der Klinik, auf dem ihr zugewiesenen Platz für den ihr jeden Monat fünfzig Euro vom Gehalt abgezogen werden. Studentenpreis.

Sie musste noch ganze zwanzig Minuten zu zu Fuß gehen, bis sie das Haus mit der Nr. 4 erreichte.

Kleine Menschen, kleine Schritte. Diese vier Worte bildeteten ein Gedanke.

Bordeauxrote Leinenbundfaltenhose, weiße kurzärmelige Baumwollhemdbluse mit Stickerei, viel zu unbequem für die brütende Hitze schon am frühen Morgen, den ausgetrockneten Asphalt unter ihren Sandalen und ihren Schatten, der sich  unter ihr, hinter ihr, neben und vor ihr zusammenzog und streckte. Mal war sie winzig, mal war sie riesig. Um sie herum große Backsteinbauten, hohe Wände, teilweise offene Fenster. Ihr Alltag des Lebens.

Im Haus mit der Nr. 4 verschwand sie und stellte sich ebenso wie die Tage zuvor vor die Tomographen und sah sich das Innenleben anderer Menschen in Scheiben an. Sie fühlte ihre Ängste, als wären es ihre eigenen. Ganze neun Stunden wird sie das tun müssen, bevor sie den Tag als Erinnerung zusammenrollen und wegstecken darf.

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Le stelle cadono veloci.
e io ho solo desideri lenti

Les étoiles tombent vite.
et je n’ai que des désirs lents

Die Sterne fallen schnell.
und ich habe nur langsame Wünsche

The stars are falling fast.
and I only have slow desires