September ends

Es herbstelt. Die Zeit hat ihre eigene Zeitachse, ihre eigenen Gesetze und die Jahreszeiten folgen dem Verlauf der Naturzeitachse. Wir haben keinen Einfluss auf das Tempo in dem sich die Jahreszeiten sich gegenseitig die Tür in die Hand geben.

Noch fühle ich den Sommer. Es kann noch nicht alles geerntet werden auch wenn es schon nach Herbst duftet. Nach Vollkommenheit und Ernte.
Ich nenne diese verlängerte  Sommerzeit „Namnlose Jahreszeit“ Sie ist ein Amalgam aus Sommer und Herbst.
Ein Nachbar hat seinen Vorgarten und Hauseingang herbstlich dekoriert. Kürbisse, Drachen,  Herbstzeitlose, Astern, Hexen, einen Bollerwagen mit Kürbisse, Maiskolben und jede Menge Keramikfiguren.
Es ist schön anzusehen, aber es ist etwas übertrieben mit den ganzen Kürbislichtern und Laternen.
Noelle ist der Meinung wir könnten unseren Vorgarten auch dekorieren. Ich versuchte ihr zu erklären, dass die Kürbisse bis zum ersten Rauhreif an der Pflanze hängen sollten, so wie manche Traubensorten, Zwetschgen und Quitten. Diese Wartezeit ist enttäuschend für Kinder.
Aber wir haben noch einen ganzen Monat Zeit und wir werden dekorieren. Ohne Bling-Bling Lichterketten. Natur ist Natur.
Tante hat und einen Muskatkürbis gebracht. „Der war abgerissen.“ erklärte sie.
Wie ich Tante kenne wollte sie Kürbisstrudel essen.
Diesen Floh hat sie Zoé in den Kopf gesetzt und Zoé will auch „Potion“ Potiron  oder „Kubis“ Kürbis essen. Erstmal musste ich raten was sie essen wollte.
Nachdem wir an der Ausprache geübt haben, empfing sie ihren Papa mit „Wir essen heute Potirrron und Kubis….oh Kürrrrbis…so sagt man das.“  Lars ißt alles, wenigsten da muss ich nicht lange überlegen was ich kochen könnte.
Zurück zur Natur.
Vielleicht bin ich für manche Menschen langweilig. In der Erde zu buddeln, Pflanzen zu züchten und herauszufinden wie ich sie am Leben halte, wie ich sie zu pflegen habe.
Vielleicht ist es diese Neugier, die mich nicht als Mensch besser macht, aber als Ärztin. Die Suche nach dem Ursprung. deshalb hat die Chirurgie mich so fasziniert.
Die Natur ist Übung in Geduld für mich.
Meine Tante hat mir heute er zählt, dass ich eigentlich Tierärztin werden wollte, aber Mama war strikt dagegen und ich habe die Angst vor großen Tieren, wie Pferde und große Hunde nie abgelegt.
Sie erzählte Lars wie ich  am Tisch bei einem Weihnachtsessen gesagt habe: „wenn ich groß bin, kaufe ich mir eine Kuh und ein Schaf, damit.“
Meinen Tanten schenkten uns Kindern zu Feiertagen immer Geld. Ich zeigte dem Umschlag mit dem Schein und  sagte was ich mir damit kaufe.
Opa lachte darüber, „Dann kannst ja anfangen zu sparen. Ein Schein allein reicht nicht dafür.“
„Wieviele brauche ich denn?“ fragte ich enttäuscht.
„Kommt darauf an, wie viel sie kosten.“
Mama wurde so wütend, dass man mir das Landleben so nahe legte. Ich sollte ein Stadtmensch werden, die Praxis übernehmen und mich auf die Medizin konzentrieren. Das Landleben sei zu schwer, man wäre langweiligund immer dreckig und man würde zu viel Arbeit für wenig Ertag haben.
Ich hüpfte auf und rannte raus.
Der Abend war für mich gelaufen, denn Mama duldete weder Schmollen noch Aggression. Und vom Tisch aufzustehen und wegzurennen erst recht nicht.
Mein erstes Tier, bei dem ich Hebamme sein durfte, war ein Schaf. Opa zog an den winzigen Lammbeinchen bis das Lamm ins weiche Strohbett fiel und mit verträumten Augen da lag und wartete. Ich durfe es dem Schaf vor die Füße legen, damit es gesäubert wird.
Das Schaf sah mich an und es passte ihm gar nicht, dass ich das Lamm anfasste. Es gab einen Laut von sich, als würde es sagen. “ Finger weg von meinem Lamm. Du darfst es dir ansehen aber fasse es nicht an.“ Diesen Stolz in den Schafaugen, dieser entschiedene Blick.
Nach Zoé`s Geburt ging es mir genau so. Ich war so erstaunt, so voll mit Liebe für sie und ja ich wollte sie nicht aus den Händen geben.
Nils wurde per Kaiserschnitt geholt und ich lag in Vollnarkose. Bis ich richtig wach war, war Nils über eine Stunde alt und den ersten Moment, der erste Blick hatte Lars. Eifersüchtig? Nein! es ist auch sein Lämmchen.
Der erste Augenblick fehlt irgendwie. Man kann ihn nicht mehr so haben. Ich bin stolz auf Nils, er ist ein kleiner Kämpfer, der lange gebraucht hat um einen ganzen Monat nachzuholen. Er ist so wach, so agil.
Er lernt mich geduldig zu sein und liebevoller.
Seine Fragilität braucht sehr viel Feinmotorik und sehr viel Feingefühl,Verwunderung und Kraft.