Sie ließ los

Sie ließ los. 

Ohne einen Gedanken oder ein Wort ließ sie los.
Sie ließ die Angst los. 
Sie ließ die Vorurteile los.
Sie ließ den Zusammenfluss von Gedanken los, 
die um ihren Kopf schwärmten.
Sie ließ das Komitee der Unentschlossenheit in sich los.
Sie ließ alle „richtigen“ Gründe los. 
Ganz und gar,
ohne zu zögern oder sich Sorgen zu machen, ließ sie einfach los.
Sie hat niemanden um Rat gefragt wie man loslässt
Sie hat keine Bücher darüber gelesen wie man loslässt … 
Sie ließ einfach los.
Sie ließ all die Erinnerungen los, die sie zurückhielten.
Sie ließ all die Angst los, die sie davon abhielt, sich vorwärts zu bewegen.
Sie ließ die Planung und alle Berechnungen darüber los, 
wie man es genau richtig macht.
Sie versprach sich nicht, dann und dann werde ich loszulassen.
Sie hat nichts in ihrem Tagebuch darüber geschrieben.
Sie hat das geplante Datum nicht in ihren Tagesplaner geschrieben.
Sie überprüfte weder den Wetterbericht noch las sie ihr Tageshoroskop.
Sie ließ einfach los.
Sie analysierte nicht, ob sie loslassen sollte.
Sie rief ihre Freunde nicht an, um darüber zu sprechen.
Sie sprach kein Wort. Sie ließ einfach los.
Niemand war da, als es passierte.
Es gab keinen Applaus oder Glückwünsche.
Niemand dankte ihr oder lobte sie.
Niemand bemerkte etwas.
Wie ein Blatt, das von einem Baum fällt, ließ sie einfach los.
Es gab keine Anstrengung. Es gab keinen Kampf.
Es war nicht gut und es war nicht schlecht.
Es war was es war und es ist genau das.
Im Herzraum des Loslassens ließ sie alles gehen und fallen.
Ein winziges Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Eine leichte Brise wehte durch sie. Sie fröstelte für einen Moment.
Und die Sonne und der Mond schienen für sie gleichzeitig.
Und dann weinte sie 
in der leeren Herzkammer,
benetzte mit Regentränen die Herzwände
ein Lächeln trochnete die leeren Wände
Loslassen ohne Leere…..
wenn es schmerzt hatte es Bedeutung.

In meinem Traum

Mit einem Traum beginnt ein Weg
Die Gedanken zerpflücken ihn
und das Herz folgt nicht immer.


Und wieder stehst du im Garten
unter den Bäumen 
und zählst die Sterne zwischen den Zweigen
und das Blätterlaub verdeckt sie.
Du suchst und zählst
immer wieder
alle Sterne die nicht ins Fenster passen.
Dann wenn nach Mitternacht
der Mond wandert
was flüstern die Sterne dir?

Nichts.
Sie schweigen,
Sie singen ohne Stimme.
In mir ist Stille
und mein Herzmeer ist sanft.
Die Sterne zähmen mich.

Was wäre 
wenn Gefühlswolken und Emotionsblitze
ein Herzgewitter auslösen 
und kein Stern zeigt dir den Weg zu den Träumen?
Bis zum frühen Morgen wenn die Nacht graut
und der Morgen sich farbenlos zeigt?

In mir ist auch Himmel,
nicht nur Abis.
Ich kann in meinem Himmel Herzsterne zählen.
Die fröhlichsten die liebevollen, die geduldigsten,
die ungeduldigen und die rebellen, 
die zähmbaren und ungezähmten.

Auf die Regenwolken
würde ich einen Himmel malen,
damit die Menschen
die meine Herzwände lesen können.
Alle Träume.
Die verlorenen, die vergessenen,
die ungeträumten.

Ein Weg beginnt mit einem Traum.

©Émilia



Dass ich bin….

Lass mich Blatt werden

lass mich fliegen
damit ich den Ablösungsschmerz
vom Zweig, vom Ast, vom Baum vergesse.

Lass mich Herbst werden

damit ich die Wälder durchstreife
um sie blutrot anzumalen. 

Lass mich wind werden

lass mich fliegen
um zu sein
um zu fühlen, 
dass ich bin 

©Émilia