Stille

Manchmal brauchen wir keine hörbaren Worte. Manchmal ist sogar die Stille ein Wolf der den Mond anheult. Manchmal ist die Stille noch lauter als der lauteste Schrei.

©Émilia

Die Sandfrau-Journalseite

Heute ist der Tag schon neun Stunden alt. Morgen, übermorgen werden verstreichen und es wird weitere Tage geben. Zwischen den Tagen bin ich mit meiner Traurigkeit und mit dem Gefühl des Vergessens im Herzen.

Es ist nicht gut wie ich vor mich hin vegetiere. Ich will leben und nicht überleben. Ich will nicht im zähen Schlamm der Traurigkeit die ich in jeder Pore fühle stecken bleiben.

Ich muss an mich denken, an morgen. Ich muss nicht nur meine Füße nach vorne bewegen, sondern mit meinem Herzen, mit meinen Sinnen und mit meinem ganzen Denken vorwärts gehen. 

Ich weiß nicht ob es ein Instinkt des Herzens ist, wenn jemand aus dem Leben geht, auf welchem Weg auch immer, dass man beginnt Erinnerungen an diesen Menschen zu sammeln. Manchmal wird man bewusst zum Erinnerungensammler.

Ich wurde über Nacht zur Sammlerin. Ich halte an Erinnerungen fest, von denen ich mich am liebsten trennen sollte.

Es sind nicht nur Geschenke, oder Zeit die ich mit ihr verbrachte, sondern tiefe Gefühle wie Liebe, Enntäuschung und sogar Wut. 

Sie „für regnerische Tage“ aufzuheben brauche ich das wirklich? Denn sie bauen mich nicht nur auf, sie ziehen mich auch runter. 

Sie nehmen mir das Tageslicht und geben mir Nachtschwere. Sie legen sich wie Nebel über mich, aus dem ich nicht entkomme, wenn ich die Erinnerungen nicht sortiere. Ich muss aufräumen, die Sonne in mein Leben lassen, neu anfangen.

Ich werde mit dem Vergessen leben müssen. Das eine oder andere Lächeln werde ich behalten.

Jeder neue Tag legt sich in meine Hände, in mein Herz. Also sollte ich ihm mehr als ein Lächeln bieten. Mich.“

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