Durch die Jahreszeiten

Das kleine Kind
pflückt verspielt eine Blüte vom Frühlingsbaum.
Aus Blütenblätter, Blütenstaub und zartgrünen Grashalmen,
webt es seinen Weg ins Leben.
Was ist Leben?
Ein Spiel.
Und im Spiel erscheinen sie wie im Traum,
Feen und Drachen und Elfen.
Es ist Magie.

Im Morgengrauen am offenen Fenster 
steht ein junger Mensch und wundert sich.
Der Lindenbaum schüttelt seine Blüten ab.
Womit kann man Liebe vergleichen?
Mit dem Himmel, mit einem Berg, mit dem Meer,
in Weite, Höhe und  Tiefe?
Was ist Leben? 
Liebe und Wunder.
Er wird neugierig.

Der alte Mensch
mit Nebelfäden im Haar
und Stirnfalten.
Abends ist er müde und gedankenverloren
sitzt er da 
zwischen kahlen Bäumen und gefallenen purpurfarbenen Blättern.
Sogar der Traum schmerzt
wenn er ihn fragt was noch passieren wird.
Er sammelt Sehnsucht und ein paar Blätter.
Was ist Leben? Ein Kampf  und Hoffnung auf ein Morgen.

Der alte Greis
mit den Schläfen im Winter
von einem schneebedeckten Baum 
nimmt er eine Schneeflocke.
Er legt die Sehnsucht 
in eine Eisblume am Fenster
Was ist Leben?
Ein Moment.
Und im nächsten Augenblick
flüchtet er still und leise
zum spielen in das nächste Leben
in den nächsten Anfang
und hinterlässt Spuren im Schnee.

©Émilia

Ein Gedanke

Zwei rostfarbene Blätter
auf einer Bank
im im eisig wehenden Dezemberwind.
Wer wird gehen,
wer wird fallen
oder werden beide bleiben?

Zwei Ruder in einem Boot
auf dem stillen Meer
wie ein Spiegel der Sonne und des Mondes.
Sind beide Ruder Wellenbrecher
die den Sturm durchbrechen?

Zwei mit Liebesseide miteinander verflochten
und der Wind zerrt daran.
Würde er einen begehren,
könnte die Seide reißen?

Wir sind Blätter,
wir sind Ruder,
das Boot ist die Liebeswiege,
die Seide der rote Faden
der uns zusammenhält.

Wird der Wind den Faden reißen,
wird das Boot im Sturm kentern.
Weden wir an der Welle zerbrechen?

©Émilia

Paysage d’hiver

Unzählige Schneeschmetterlinge
sie fliegen umher mit schneeflockensamtigen Flügeln.
Sie fliegen höher, sie drehen sich,
sie wirbeln schüchtern im Schneetanz, 
fallen über mich,
fallen auf die Natur,
wie eine Schmetterlingsdecke im Winter.

Unzählige Schneeschmetterlinge
tanzen um mich herum und in mir.
Sie  legen sich auf meine Wimpern,
auf meinen Mund,
sie  zergehen, vergehen,
werden Träne und verlieren sich.

Sie fallen aus allen Wolken
und wirbeln über mir.
Und wenn sie ermüden legen sie sich auf mich, 
auf die Erde, mit einer samtweichen Sanftheit

©Émilia