Lippenstift und Innenfutter

Ich habe einen Lieblings-Lippenstift. Rosé. Einen blassaltrosa Lippgloss. Ich habe ihn neulich gesucht und meinen ganzen Rucksack durchwühlt. Ich fand ihn nicht. Das ist einfach mein Lieblingslippenstift. und auch wenn ich ihn ganz selten benutze, so habe ich ihn immer im Rucksack. Ein bisschen Farbe schadet ja nie, wenn man einen Termin wahrnehmen muss. Handys, Moleskine, Schlüssel, Kopfhörer, Schreibzeug, Taschentücher, Servietten, – alles Mögliche ist auffindbar, nur der Lippenstift nicht.

Vielleicht habe ich hin zu Hause vergessen, ……. vielleicht habe ich ihn rausgelegt als ich den Rucksack aufgeräumt habe.

Vielleicht sollte ich mir auch einen neuen Lippenstift kaufen, denn der ist bestimmt schon älter als fünf Jahre und bestimmt schon etwas aus der Mode. Egal. Meine Lieblingsfarbe und mein Lieblingslippenstift und Lippgloss in einemDann habe ich den Rucksack erneut durchwühlt. Schlüssel, Handys, Kopfhörer, Moleskine usw.
Aaaah sieh mal einer an!…. Das seidene Futter des dunkelbraunen Lederrucksackes hatte ein kleines Loch. Der Rucksack ist eines der letzten Geschenke von Mama. Betimmst schon 6-7 Jahre alt. Ja nein, er darf nicht kaputt gehen. Wieso habe ich das Loch noch nicht entdeckt? Ich brauche ihn noch!!! Ich brauche ihn immer!!

Ah, was für eine Freude – und der Lippenstift, oh – mein Lieblingsstift. Damit habe ich sogar Lars, als wir uns kennen lernten meine Handynr. auf eine U-Bahn-Karte geschrieben, die ich in meiner Jackentasche gefunden habe, da ich an dem Tag ausnahmsweise keinen Zettel dabei hatte.

Es wäre gut wenn es im Leben auch so ein Innenfutter geben würde, wo man das eine oder andere Verlorengeglaubte wieder findet…. wenn man es nicht erwartest oder wenn man näher hinsieht..

Wie schön es wäre ein Lebensfutter zu haben…….das Wissen, dass nicht alles im Leben endgültig verloren ist.

Neues Leben

Ich kenne all‘ deine Zeiten,
all‘ deine Bewegungen,
deinen Duft, deinen Schatten,
deine Stille, deine Liebe, deine Ängste und deine Brust
dein inneres Erdbeben und deine inneren Farben.
Dein Lächeln lannge bevor du lächelst,
deine Gedanken lange bevor du sie denkst.
Deinen Gang, dein Rennen, dein Wandern
und deine Träume lange bevor du sie träumst.
Und ich kenne dein Weinen, deinen Herzregen und deine Melancholie.
Deine Bluse und deinen Ring
und deine Farben  hinter den Farben die deine Augen sehen.
Ich habe keine Geduld
und mein Knie schlägt
an die seidigen Wände
und ich bitte dich,
gebäre mich.

Ich weiß alles über dich
und über dich hinaus
bis dahin wo Nähe Weite ist.
Die Sonnenaufgänge, der Horizont, die Sonnenuntergänge.
Ich ziehe meine Knie an
schlage mit Fuß und Hand gegen die Wände
und bitte dich gebäre mich.

Ich kenne deinen Herzschlag bevor du ihn fühlst
unde den dazwischen bevor du ihn hörst,
das Ende des Wortes, lange bevor du es sagst.
Ich kenne deine Flüsse und ihre Farben,
ich höre das Rauschen des Blutes
dann schlage mit Hand und Fuß gegen die Uteruswände
und bitte dich
gebäre mich.

©Émilia

Nimm deine Rippe zurück.
Ich behalte den kompromitierten Apfel.
Eine gleichteilige Teilung, nicht wahr?
Ich nehme mir einen Traum, du nimmst dir einen Traum.

Ich nehme die schlaflosen Sekunden
und sammle noch schnell meine Tränen ein.
Die Liebe wurde zur Last
Die Mistelzweige starben noch in der Blüte.
Jeder nimmt sich das was ihm gehört.

Ich lasse dir alle Wolken makellos,
auf denen wir verliebt gemeinsam schwebten.
Lass du mir die Schwalben.
Der Frühling, der Frühling gehört mir.

Ich lasse dir das Parfüm unserer Nächte.
Diese Nächte kennst du zu gut.
Und wenn du mich vermisst,
mein Herzschlag wir immer bei dir sein.

Alles was wir gemeinsam hatten
hast du an dich genommen.
Ach, vergib mir;
die Dramaturgie hast du mir überlassen.

Wir haben alles richtig geteilt, nicht wahr?
Trenne das WIR in zwei Silben.
Liebe - das große Kapital UNS
ist nicht teilbar durch zwei.

©Emilia


In einem anderen Kontext

Wie ein milchiger Schleier schwebt der dichte Nebel
verhüllt die Welt um mich herum.
Fasziniert von der umliegenden Landschaft,
fahre ich durch den Nebel.
Die Bäume und Sträucher am Straßenrand
sind nebelgeschützt.

In einigen Häusern brennt schon Licht.
Die beleuchteten Fenster
durchdringen wie kleine Monde den Nebelschleier.

Die dunkelgraue Straße wie eine Schlange ohne Ende vor mir,
die Fenstermonde die mir den Weg zeigen und ich.
An der Kreuzung liegen die Wege
wie ein Rätsel vor mir.

Ich kenne die Lösung
und biege ab.
Die Landschaft vor mir wie ein Märchen.
Nebel und Rauhreif  – so viel Silber.

Ich renne über die Straße
in ein Haus mit Mondfenstern.
Auf der Treppe nach oben
klingt eine Frage an mein nebelverträumtes Ohr.
„Gut durch den Nebel gekommen?“
In meinen Haaren fühle ich noch ein paar Nebelfäden
und antwortete mit einem leisen verträumten „Aber ja.“
Ich sage ihm nicht, dass ich Nebel liebe,
wenn er nur wissen wollte ob ich die Rätsel vor Augen gelöst habe.

Und ich denke:
es ist neblig, es ist kalt,
und so viel Nebel dazwischen
und ich …….sehe dich nicht
ich gehe nicht,
unter den Sohlen habe ich keine Straße
……ich schwebe

jetzt in einem vollig anderem Kontext

©Émilia

Im Schlaf

Wie fragil wir doch sind im Schlaf,

wie feine Schmetterlingsflügel.

Und wie verletzlich wir sind,

wenn wir den Kopf auf das Kissen legen

und die Augen schließen.

Dann sind wir entspannt

und allein mit uns selbst.

Dann überlappen sich die Welten,

Emotionen vermischen sich,

verschmelzen ineinander.

Träume,

sie werden für uns greifbare Realitäten.

Wir lächeln und weinen

und unsere Gedanken fliegen und schweben wir über Landschaften,

zu Menschen.

Andere Male tanzen, lachen, springen, singen und wachen sogar auf.

Wir hören uns lachen, oder weinen, wachen davon auf

um erneut einzuschlafen.

Manchmal wollen wir zurück in den Traum wandern

und manchmal möchten wir vor Angst wegrennen.

Manchmal erinnern wir uns am Morgen an den Traum

und manchmal verschwindet er nachdem wir aufwachen.

Manchmal fühlen wir uns glücklich

und manchmal umhüllt uns die Traurigkeit aus dem Traum

©Émilia

Dancing in the dark

Es ist spät in der Nacht
und es schon zu spät in mir.
Ich schreibe mich mit ein paar Zeilen zu dir.

Es fallen keine Sternschnuppen zwischen die Gedanken
und die Tinte in meiner Feder ist fast aufgebraucht.
Keine Gedankenstraße führt mich zu dir.
Die Straßen sind leer,
die Bäume in der Alée und Blumen sind schon im Schlaf.

Im braungrün gekachelten Ofen
liegt noch die Asche vergangener Tage.
Irgendwann lag darin Freuer und Glut
vergangener Leben.
Wenigstens im Herzen und in den Gedanken
bleibt Leben unsterblich.

Auf dem langen Tisch mitten im Raum
steht noch ein leeres Wasserglas
und eine halbvolle Karaffe.
Sie ist frisch, wie alles hier frisch ist.
Sie erfrischt mich
stillt den Durst meiner Sehnsucht.

Nicht einmal die Fensterscheiben sind blind.
Sie reflektieren mich.
Ich sehe mich als Kind und als erwachsene Frau zugleich.

In der grauen Ecke,
ein paar Risse in den gemusterten Fliesen
Zartgrüne Linien und Kreise
wie ein aufkeimender Frühlig
sind nur etwas verstaubt.

Nur damit du weißt:
ich behalte keine geplatzten Träume
und keine vergangenen Lieben hier.

Ich ging den langen Weg
und ließ alles zurück.
Und wenn ich etwas zurück lasse
bleibt es hinter mir.

Ich sehe nicht zurück,
sondern nach vorne.

Ich schreibe nur den letzten Buchstaben,
bevor die Tinte versiegt.
Die Uhr an meiner Hand zählt die Sekunden
laut in diese Stille.
Ich lächele und mein Herz weint.

Ich gehe schlafen und mein Herz bleibt bestimmt noch lange wach.

©Émilia

Merci

Ich bedanke mich fürs Lesen!

Danke für die e-mails und danke für eure lieben Worte in meinen allen Blogs. Danke fürs Teilen und Liken!

Ich möchte noch einmal unterstreichen, dass ich weder für jemanden noch über jemanden schreibe.

Ich schreibe…..ganz einfach: ich schreibe. Und ich freue mich wenn man mich liest. Dafür ist ein Blog auch da.

Falls sich jemand direkt oder indirekt angesprochen fühlt – ich beziehe mich auf niemanden.

Ich schreibe nicht interessant und schreibe manchmal auch unstrukturiert.

Die letzten Monate hatte ich nun mal keine pure Harmonie im Alltag, also schreibe ich spontan, dass ich kraftlos bin. Ich stehe da mit einer neuen Praxis, mit Menschen um mich herum, denen ich hier den Alltag erklären muss, mit Kind und Nichte denen ich ebenso den Weg erklären muss und habe Verantwortung dass hier alles läuft.

Ich habe Menschen um mich herum die doppelt so alt sind wie ich, die ich aus der einen oder anderen Traurigkeit herausführen soll. Und ich habe wundervolle Menschen um mich herum, die meine beiden Mädels großzuziehen helfen.

Und ich habe Omi Elke die mich so liebt, als wäre ich ihre leibliche Tochter und der ich das Heimweh erleichtern möchte, da sie für mich alles aufgegeben hat. Ich fühle ihre Traurigkeit auch wenn sie sie gut unterdrückt.

So ist es nun mal. Man darf mal keine Kraft haben.

Und ich darf – über diese Gefühle schreiben.

Das ist Liebe – eine Art Liebe –

Danke fürs Lesen!!

Der Schlaf

Im Haus meiner Großeltern hatten wir einen riesengroßen Raum, dass sie liebevoll „Werktagsstubbe“ nannten. Er beinhaltete Küche, Wohzimmer, Esszimmer und Spielzimmer. Es war ein Anbau zum Haus. Nur zum Schlafen gingen wie in Haus.

Der Raum hatte zwei riesige Fenster. Das hintere Fenster war das Küchenfenster. Unter dem anderen Fenster stand ein mit grobem Samt überzogener Chaiselongue. Das schöne Blumenmuster war unter einer Decke versteckt. Ich hob immer die Decke um das eingewebte Blumenmuster zu betrachten.

Oma machte Nachmittags immer ein Nickerchen darauf.

Opa erzählte uns Kindern wie er Oma kennengelernt hatte.

„Der sanfte Wind spielte zärtlich mit ihren Haaren. Die Morgensonnne wärmte ihr Gesicht und unterstrich somit ihre feinen Gesichtszüge. Der Wasserspiegel des Sees sah sie aus wie eine Prinzessin. Hinreizend weich und zärtlich sah sie aus, eure Oma.“

Er lächelte.

„Sie fütterte die Schwäne und Enten und ihre Augen schienen zu lächeln. Ab und an huschte ein Lächeln über ihre Lippen um sich in ihren Mundwinkeln zu verstecken. Und ich hässlicher Frosch fühlte mich neben ihr wie ein Prinz. Ich war fasziniert von ihr und konnte seine Augen nicht von ihr lassen.“ erzählte Opa weiter.

Opa war auch als alter Mann noch adrett und er sah immer noch gut aus, als seine Haare schon fast grau waren. Und immer noch war er von Oma fasziniert.

Immer wenn sie ihr Mittagsschläfchen hielt und er zu Hause war, sah er ihr beim Schlafen zu, während er leise Musik hörte.

Ab und zu wachte sie plötzlich auf, sah sich um, sah Opa an und schlief weiter. Ihre Wangen färbten sich im Schlaf rosig“

„Sie hat rosige Bäckle, “ lächelte er und seine Augren strahlten so viel Glück und so viel Liebe aus. Sie war sein Glück.

Was für ein Zustand der Seelenerfüllung! Was für ein wundervolles Gefühl! Wie erstaunlich es war für mich zu sehen wie sie sich im Kopf, in der Seele und an der Seite hatten, wenn sie aufwachten, wenn sie einschliefen ….

Die Menschen verändern sich im Laufe der Zeit, doch die Liebe bleibt, so wie die Steine ​​im Flussbett bleiben wenn das Wasser weiter fließt.

Er sah Oma mit der gleichen kontemplativen Liebe an, mit der er sie vor vielen, vielen Jahren ansah. Sie hat sich zwar äußerlich etwas verändert. Ihre dunkelbraunen Haare mochten im Wind genauso schön gewesen sein, aber die Zeit hatte ihnen die Farbe Dunkelgrau wie die Nacht und Weiß wie der Schnee verliehen. Die Augen lachten immer noch.  Die anmutigen Bewegungen ihrer Jugend wurden vom Alter etwas unterdrückt, doch flink wie „ein Wiesel“ war sie immer noch. In seinen Augen blieb sie die gleiche charmante Prinzessin.  Und es war schön für ihn, seine Prinzessin schlafen zu sehen.

Nach all den Jahren, die sie zusammen verbrachten  war seine Liebe so lebendig wie am Anfang und er stellte sicher, dass sie es jeden Tag und jeden Moment wusste und fühlte.

Und sie wusste und fühlte es. Sie liebte ihn auf ihre Art.

Eines Tages blieb er im Bett. Fieber und Husten schwächten seinen Körper. Die Lunge, der Darm und die Lymphknoten waren dem Krebs verfallen.  Und sie pflegte ihn rund um die Uhr.

Und dann schlief er ein. Am 14. Januar 1996.

Er war göttlich. Er sah aus wie ein Schutzengel. Und die Tatsache, dass Oma ihren schlafenden Engel sehen musste, erfüllte ihre Seele mit Traurigkeit. Sie berührte zärtlich seine Wange.

„Jetzt ist er unser Schutzengel!“ sagte sie mit weinender Stimme.

Tränen tropften auf Opas Gesicht. Sogar auf die Nase. „Ich mach dich ganz nass!“ sagte sie und küsste ihn auf den Mund aus dem alles Leben, alle Worte geflohen sind zusammen mit seiner Seele.

„Mach das Fenster auf Kind!“ sagte Oma lauter, als wären wir alle taub und sah mich an. „Und dann geht alle raus!“

Ich stand da und hatte Angst. Für mich ist der Tod nur ein schwarzes absolutes Nichts.

Ich bin nicht religiös, aber Gefühle mit Rituale zu verbinden, ist auch für mich sinnvoll.

Und heute wie jedes Jahr an diesem Tag zünde ich eine Kerze an.