Vergiss

Ich bitte dich mich aus Herz und Sinn zu streichen.

Vergiss die Tage und Nächte mit mir und ohne mich.

Steiche aus dem Sinn mein Lachen, mein Weinen.

Vergiss meine Augen

und wie sie dich mit Liebe am frühen Morgen #

und in liebenden Nächten ansahen

und wie traurig sie dich am Ende der Liebe ansahen.

Welche Farbe mein Vermissen hatte

und wie grau meine Traurigkeit war, streiche aus deinem Herzen

und aus deinen Sinnen.

Vergiss den Klang meiner Stimme,

die Liebe und die Traurigkeit darin.

Vergiss, dass ich dich mehr liebte als mich selbst

mehr liebte als du dich selbst lieben kannst.

©Émilia

Farben

Und nun am Ende aller Worte

die ich heute für dich schrieb,

bluten die Farben

in meinem geschwollenen Herzen,

dunkler als die Nacht.

Nicht nur die karmesinroten Liebesfarben

mit vielen Schattierungen

bluten aus.

Auch die Worte in den Gedanken werden kleiner

und kleiner bis zu Punkten.

Bis zum Kern

schäle ich mich in der Ruhe vor dem Sturm.

Ich habe heute viel Zeit in meinem Herzen verbracht

stelle ich fest.

Ich schrieb dir,

du bist das Rot in meiner Herztinte,

und die Liebe die mich wachsen lässt.

Würde ich an eine Unendlichkeit glauben

wärst du meine unendliche Liebe.

Dann erinnerte ich mich,

die Unendlichkeit der Liebe

liegt nicht nur in meiner Hand,

und die Farben begannen zu bluten.

Die Erinnerung,

wie der Traum,

verwässert die Farben.

Die Erinnerung

ist wie eine der Sonne ausgesetzte Fotografie.

Das Verblassen macht mir Angst

©Émilia

Fragile Träume

Alles Leben schmolz wie Schnee,

alle Träume fielen wie ein Wasserfall

in einen reißenden Fluss.

Von all der Liebe blieben

ein blauer Himmel und ein blasser Stern.

Der Wind singt leise seine Elegie zwischen den Bäumen.

Die Blumen wiegen sich im Trauertanz

Die Leere verliert sich in der Stille.

Das Wasser ist still damit sich der Himmel darin spiegeln kann.

Die Tanne steht mit den Ästen in den Wolken

und denkt an die weiße Wolke, die sie in einem Traum geküsst hatte.

Das Leben atmet Frühmorgennebel aus.

Ich wünschte ich könnte das Universum in der Hand halten

wie ein silberfarbenes Medaillon

und denken, dass das Leben nur ein unbedeutender winziger Punkt sei.

Doch ich fühle es als ein riesiger Ball

voll mit endloser Liebe

der sich  meiner Erinnerungen  zuwirft und sagt:

„Lebe mich!“

Eine Erinnerung lang und für einen Traum

bin ich Liebende.

Dann öffne ich die Augen und sehe eine Wolke vorbeiziehen.

©Émilia

Ein Gedanke

Man erklärt das Ende des Lebens und nicht die Endlichkeit. Nicht den Tod. Und man stellt sie die Unendlichkeit vor, als wäre sie unendliches Licht. Keine Finsternis. Und dass wir aus dem Leben fallen, wie Pollen von den Bäumen und  dass die Zeit uns wegträgt wie der Wind die Pollen wegträgt. Dass unsere Seelen sich verstreuen und man erinnert sich ab und zu daran, dass wir gelebt haben. Und wir werden durch eine Blume oder durch einen Baum, oder durch einen Stein atmen und weiterleben

©Émilia

Du

Du bist wie der Regen.
Nicht launisch, nicht melancholisch, nicht kalt.
Du bist wie der erste Frühlingsregen
der die Pflanzen wachsen und stärker werden lässt.
Ich wachse mit dir und deine Liebe zu mir stärkt mich
Du bist ein erfrischender Sommerregen.
In deiner Gegenwart lache ich
und springe durch die Pfüten wie ein Kind.

Du bist der beruhigende Regen.
Ich öffne mein Herzfenster
um den Klang deines Lachens hereinzulassen.
Die Musik deines Herzens
ist meine Regenmusik.
Und ich genieße dich
und tanze mit dir.

Im Regen bin ich kein Feuer,
ich bin ein sanft fließender Strom.

Deine Berührungen sind wie Wasser,

das über meine Haut fließt,

fühlt sich an wie ein Traum.

©Émilia

Was für ein schöner Morgen mit dir

„Was für ein schöner Morgen.“ denke ich und lächele dich an.

In deinen Augen spielgelt sich die Morgensonne. Während auf der anderen Seite des Himmels sich taubenblaue Regenwolken zeigt, zeigt sich die Sonne in einem wunderschönen Morgenrot.

In diesem Moment ertrinke ich in deinen Augen. Ich ertrinke in diesem tiefen stillen goldgrünfarbenen See, in deiner sanften, beruhigenden Stimme.

„Es ist ein schöner Morgen mit dir.“ sage ich leise.

„Bleib da stehen,“ höre ich dich heiser sagen. „Lass mich den Sonnenaufgang auf deinem Gesicht und in deinen Haaren genießen. „Bleib am Fenster stehen, lass mich genießen.“

Ich blicke in die aufgehende Sonne in deinen Augen.

Die Regenwolken wandern über den Himmel, verdecken die Sonne und die ersten Regentropfen fallen auf die Erde.

Wie Kinder strecken wir die Hand aus dem Fenster, damit die Regentropfen in unsere Hände fallen.

„Komm raus in den Regen, damit wir groß wachsen.“

Die Wolken regnen noch ein paar Regentropfen über uns und verziehen sich.

Wir stehen barfuß im Gras.

„Was für ein schöner Morgen mit dir,“ höre ich dich sagen.

©Émilia

Gedanken – Fragmente

Können Begegnungen mit einigen Menschen eine symbolische Bedeutung in unserem Leben haben? Was führt uns zu diesen Menschen und was führt diese Menschen zu uns? Wie würde das Leben verlaufen, wenn wenn wir diese Menschen nie getroffen hätten und treffen würden? Das Leben ist voll von diesen besonderen und vielbedeutenden Begegnungen, die unser Leben verändern.

So wie es Bücher gibt, die wir von Reisen mitbringen, und andere, die uns reisen lassen, gibt es auch zu bestimmten Zeiten unseres Lebens, Menschen, die uns begleiten und andere, die uns reisen lassen. Diese Menschen, die uns dazu inspirieren, tief in uns selbst zu reisen, die uns Türen öffnen lassen zu den unbekannten Räumen in uns selbst.

Aber die größten Türen unseres Lebens  werden von Menschen geöffnet, die uns lieben.

Wir alle kennen wahrscheinlich jemanden, der plötzlich in unserem Leben auftauchte und eine unauslöschliche Spur hinterließ. Eine Person, mit der die Beziehung nur kurze Zeit andauerte, aber man kann darüber sagen,  dass diese Liebe kleine  heftige Flügelflattern Stürme verursachte die unser Leben durcheinander brachte. Danach wird man ein anderer Mensch sein. Ein Mensch der intensiver liebt, ein Mensch der zuerst an die Menschen denkt, die er liebt, bevor er  an sich selbst denkt.

Ein Mensch der mit anderen Augen sieht. Ein Mensch der mit ganzem Herzen fühlt.

Was währen wir ohne diese besonderen Menschen, ohne diese besonderen Begegnungen, die uns lehren die Halbherzigkeit und Semiblindheit abzulegen und Herzfarben sehen?

Was währen wir ohne diese Menschen die uns reisen lassen – an diese unbekannten Orten zu uns selbt?

©Émilia

Wo geht der Himmel hin wenn wir unsere Augen schließen,

Wo geht der Himmel hin
wenn wir unsere Augen schließen,
wenn die Farben der Welt hinter den Lidern verblassen?
Wenn der Schlaf uns wegträgt
an einen Ort voller Träume?
Und was wenn der Schlaf uns wegträgt
an einen Ort, den wir Ewigkeit nennen
weil das Nichts zu schmerhaft ist?
Ich starre auf die verblasste Wandfarbe
hinter einem leeren Rahmen
und frage mich
wohin gehen Menschen verloren?

Ist es nur ein Trost, Kindern zu sagen
dass manche von uns gehen,
um mit Sternen zu tanzen
und manche von uns gehen
um auf einer Wolke zu schlafen.
Am Ende alle Dinge
verweben sich Gewitterwolken
mit Regenbögen,
und winken als Blitz und Donner
oder nur als sanfter Regen
den Himmel für immer enträtselnd

Ich stehe still am Fenster
und erwarte den Regen
als ein trauriges Schlafllied
und ich bin auch ganz Regen

©Émilia