Novemberballade (Teil 1)

Gestern hingen noch ein paar Blätter

am Liebesbaum,

heute sind sie nur noch

aus den Erinnerungen gefallene Geschichten.

Sie winkten mir kurz zu

und fielen mir zu Füßen.

Und was ist von der Liebe noch geblieben?

Nur noch ein kahler Baum

und ein allerletztes einsames Blatt.

Und an einem Zweig

an der Spitze des Baumes

eine Herzkirsche ohne Herzblut.

Wie in jeder Geschichte,werden die Erinnerungen an die Zeit in Rauch verpackt, den ein veralteter Zug, seine der seine letzte Reise auf einem veralteten Gleis zum endgültigen Abstellgleis antritt, noch der Gegenwart hinterlässt.

Wenn du mir in die Augen siehst, triffst du herumwandernde Gedanken, zerbrochene Träume, wie zerbrochene, verlassene und vergessene Spielzeuge.

Es ist ein kaltes Herbstende, in dem die Blätter fast ihre Bedeutung verloren haben und ihre Reise fast zu Ende ist. Der Wind und der Regen schütteln und waschen alles Leben und Sterben aus ihnen und lassen nur diesen kupferfarbenen Teppich der Vergessenheit zurück.

Ein Zug nach dem anderen kommt und fährt von irgendwo nach nirgendwo und erstickt oder leert die Bahnsteige unseres archaischen Bahnhofs.

Der Herbst umarmt dieses kleine romantische Universum, in dem die Liebe ihr Haus, ihren Tisch und ihren Friedhof hat.

Der Wecker klingelte früh, sie öffnete die Augen und schaute auf das makellose Kalkweiß an der Zimmerdecke und versuchte, ihre Gedanken aus den Kissen zu sammeln.

„Nimm deine Träume mit in den Tag!“

Fünf ganze Minuten waren vergangen, als der Phonewecker erneut  klingelte und hinter ihren Augen den gleichen Gedanken setzten, ER. Das gleiche Lied, das zur Besessenheit wurde. Dieser Refrain ließ ihr Herz eine Extrasystole zu schlagen.

Sie stoppte Sie das Lied vor dem letzten Takt des Refrains. Eilig bereitete sich für den Tag vor, einen letzten Kammstrich durch ihre strubbelige Mähne die wie ein chaotisches Durcheinander sich über ihren Schultern und Rückenverteilt, nahm die Schlüssel und ging ohne Tee und Frühstück vor die Tür hinaus.

Und dann war es Alltag…..

Der Tanz

Diesen einzigartigen Tanz
der bedingungslonen Liebe
haben wir nie miteinander getanzt.
Wenn es bei mir der Regen fiel,
war bei dir der Himmel wolkenlos.
Wenn es bei dir regnete
schien bei mir die Sonne.

Vielleicht hörten wir nicht nicht gleiche Musik
oder wir trauten uns nicht voreinander zu tanzen,
weil einer die Schritte des anderen nicht kannte.

Vielleicht überspielte das Herz
die innere Musik
mit der Musik einer anderen Liebe.

Der Tanz dieser bedingungslosen Liebe
blieb ungetanzt….

©Émilia

 

Du siehst mich an als wäre ich ein Gedicht

Du siehst mich an,

du siehst jede einzelne Pore meiner Haut,

du siehst die Farbe meiner Augen

mit allen Schattierungen.

Du siehst meine Unvollkommenheiten

in meinem Ich.

Du siehst jeden Teil von mir,

als würde ich seit Ewigkeiten Teil deines Herzens sein.

Du siehst mich an als wäre ich ein Gedicht,

als würde die Welt ohne mich auseinanderfallen,

Du siehst mich an,

als wäre ich der Inbegriff der Liebe

©Émilia

Wir sind was wir sind

Komm, schenken wir zwei Träume dem Wind,
einen von dir, einen von mir. 
Unsere Liebe leben wir gemeinsam 
auch wenn der Wind unsere Träume zerreißt.

Komm, bitten wir den Regen 
um unsere Tränen zu verstecken.
Ein paasr von dir, ein paar von mir.
Wir lächeln den Menschen zu
und niemand sieht unsere Tränen.

Komm, bitten wir dem Herbst um Farben,
ein bisschen schwarz, ein bisschen weiß, ein bisschen grau
und ganz viel purpur.
Er wird uns seine schönsten Farben schenken
und wir lieben uns bunt.

Und alles was wir tun 
und alles was wir sind,
komm lass uns nicht selbt verlieren
in diesem Herbst, 
in diesen Farben,
in diesem Regen,
in diesem Wind.

Lass uns sein was wir sind

©Émilia

Es gibt Menschen…..und die die wir lieben

Es gibt Menschen, an denen wir täglich vorbeigehen, ohne sie anzusehen. Müde vom Gewicht, des Tages das auf unseren Schultern liegt und mit dem Kopf bei den Menschen die wir lieben, auf was wir achten müssen, gehen wir an Menschen einfach vorbei, ohne sie wahrzunehmen.

Oder vielleicht schauen wir nicht auf, weil wir die Sehnsucht nach jemanden in uns tragen.

Wenn wir sie dennoch ansehen, beurteilen wir manchmal ihr Aussehen oder Kleidung, und ziehen die Schlussfolgerung, dass wir in den Augen des angeblichen Seelenspiegels wirklich die besten Leser sind, und wir sehen alles durch einen Filter, der uns vielleicht nicht einmal bewusst ist. Ein Filter, der seine eigenen Regeln, seine eigenen Vorurteile, seine eigene Werteskala hat. Und abhängig davon wollen wir die Menschen gar nicht kennen lernen oder sie uns nicht.

Es gibt Menschen, die Teil unseres täglichen Lebens sind, Menschen, die wir vielleicht öfter sehen als die, die wir lieben, mit denen wir öfter sprechen als mit denen, die wir jeden Tag vermissen und die wir zu kennen glauben. Alles nur, weil wir einen Teil von ihnen kennen. Wir sehen ihre Vorlieben in Sachen Kleidung, wir kennen ihre Macken. Besonders die Macken! Wir wissen zum Beispiel, dass der Nachbar neugierig ist und alles zu wissen scheint. Ein Tratschmaul ist, oder ein anderer Nachbar eine laute Stimme hat. Manchmal ist es lustig, die meiste Zeit nervig, und deshalb verkürzen wir jedes Mal die Konversation, beschränken uns auf eine Begrüßung und wünschen ihnen einen schönen Tag. Vielleicht hat er den gleichen Musikgeschmack wie wir, vielleicht liebt er den gleichen Autor, vielleicht haben wir so viel gemeinsam, dass wir ihn mögen könnten. Dieser Tick hindert uns jedoch daran, ein längeres Gespräch zu beginnen. Was konnte er von uns halten, wenn er plötzlich nach seiner letzten Lektüre gefragt wird?

Es gibt Menschen, mit denen wir unsere Zeit teilen, Kollegen, Freunde, Bekannte, die wir zu kennen glauben, nur weil wir wissen, wie viele Teelöffel Zucker sie in ihren Kaffee gegeben haben, was sie gestern gekocht haben, welche Autos sie fahren, wo sie ihre Ferien verbringen, welchen Schmuck sie tragen, welche Kleidung und wo sie normalerweise kaufen. Aber wir wissen nicht genau, was sie begeistert, wir wissen nicht, ob sie romantische Komödien oder Filme bevorzugen, wann und warum sie das letzte Mal geweint haben, wir wissen nicht, wen sie in ihren Gedanken haben und wen sie vermissen, wir haben die Musik ihrer Seele nie gehört. Vielleicht weil keine Zeit dafür ist, oder weil wir immer wieder vergessen sie danach zu fragen. Oder vielleicht, weil wir nicht aufpassten, als sie Signale sendeten. Wenn man Name, Augenfarbe, Beruf, Familie, Kleidungsstil kennt reicht es, sie Bekannte oder Kollegen zu nennen.

Und es gibt Menschen, die wir gut kennen. Menschen die uns prägen weil sie die unserer Seele kennen. Sie kennen unsere Lieblingsmusik oder zumindest einen Teil davon. Und sie teilen mit uns Freuden und Errungenschaften, Bedauern und Nostalgie, Sorgen und Enttäuschungen, sondern auch Hoffnungen. Sie teilen liebevolle Erinnerungen an längst vergangene oder erst vergangene Tage. Menschen die wir Freunde nennen oder Lieblingsmensch.

Und es gibt die Menschen die einem einfach anlächeln. Es gibt Menschen, die unsere Seele anlächeln und man liest es in ihren Augen, auf ihren Lippen, in ihrer Stille oder in ihrer innigen Umarmung, dass sie voller Güte und Wärme sind. Wenn man einem solchen Menschen begegnet öffnet sich die Herztür auch dann wenn man sie nicht kennt. Und wenn wir ein solcher Mensch in unser Herzhaus einladen betritt er gleichzeitig unsere Seele und erleuchtet alles. Denn das ist es, was man tun kann: mit dem Herzen lachen und sie genießen Vielleicht kindisch, aber das ist Liebe. Man bittet sie mit dem Herzen und ohne Worte zu bleiben. Und sie bleiben.

Es gibt Menschen, sie scheinen die große Liebe in sich zu tragen Im Herzen, nicht nur im Gesicht.

Ein solcher Mensch, der einem von den ersten Augenblicken an von ganzem Herzen zum Lachen bringt, sollte man lieben.

Nacht, Regen und Mond

Meine Augen sind wie ein Mond in einer Regennacht
Von meinen Augenlidern fällt ein Gedanke,
verfängt sich in den Wimpern.
Auf meinen Lippen wird ein Kuss geboren,
hauchzart.

Die Uhr zählt leise jeden Atemzug sekundenweise
Ein Seufzer der Sehnsucht … ich blinzele in die Nacht …
Meine Augen sind dunkel wie ein Mond in einer Regennacht

Eine Nacht mit Regen und Stille und Mond..
durch die Gedanken geht eine Liebe
in der Stille verloren,
und ein Gebet wird auf meinen Lippen geboren …
Die Uhr beobachtet meinen Gedankenflug,
eine Träne der Sehnsucht fällt aus den Augenwinkeln… auf mein Haar …
und in meinem Haar verfängt sich die Nacht und der Regen und der Mond.

Mein Haar, liegt wie ein Vorhang aus zerknitterter Nachtseide neben mir,
meine Unterlippe zittert im Schlaf.
Ein Flüstern löst sich aus den Mundwinkeln,
eine leise Sehnsucht nach dir entfacht wie ein Herzfeuer.
Unter den Augenlidern haben sich schon etwa sieben Himmel geöffnet,
und auf der Stirn knien blitzen schon sieben Gedanken auf…

Ich bin still
Die Zeit steht still und die Sekunden in einer Sanduhr
haben lange aufgehört zu rieseln
Ich schreibe  zum ersten Mal einen Refrain
Musik wird wie immer dein Lächeln sein.
Mein Herz wird den Rhythmus schlagen,
auf meinen Fingerspitzen
werde ich ein Klavier mit verzauberten Tasten erfinden,
und unter den langen Wimpern kann ich mir vorstellen,
wie eine Geige sehnsüchtig weint…
Komm..
komm lass es dir einfach sagen,
Ich liebe dich …
komm, klammere dich an meine Seele
und lass mich dich durch die Haare fühlen.

©Émilia

Prognosen in Gedanken

Regen wird angekündigt, und ein Sturm
wird alles verwüsten, so das Gerücht.
Und morgen wird alles vergessen sein.

Ich habe einen Schal über dieses eine Wort gelegt
das noch an den Lippen hängt, bevor der Regen kommt
und es durchnässt und der Sturm es in der Luft zerreißt.
Rächen sich unsere Wolken, und es wird Sturm geben?
Geh nicht vor das Haus, denn alles ist verlassen,
Die Blätter fallen und wirbeln um dich herum,
um dich an unsere Worte im Sreit zu erinnern.
Ich bitte dich die Fenster zu schließen,
sonst werden wir Angst haben
vor unserem Fühlen
und unseren Worten.
Dass wir irgendwann nicht mehr Liebende sein werden.
Wie auch immer,
die ganze Nacht wird es regnen.
Bis morgen regnet es,
und Sturm wird erwartet
Vielleicht wird es bis morgen vorbei sein
und wir vergessen.
Bis dahin verlieren wir unsere Schritte im Wort.
©Émilia

 

Tränenfarben

Hast du gesehen, wie die Bäume ihre Blätter weinen?
In den Gassen,
in den Gärten,
auf den Straßen,
auf Menschen und unter ihren Schritten,
Ohne sich Sorgen zu machen,
über neugierige Blicke,
ohne sich für ihre Leere und Verletzbarkeit zu schämen.
Immer offensichtlicher,
ohne Angst vor Verwundbarkeit
vor dem Wind vor dem Sturm.
Sie machen sich keine Gedanken
über das Urteil anderer Blätter,
über die Sympathie für andere Bäume
oder über ihre Mitschuld am Herbst


Der Herbst lässt sie ihre Blätter weinen,
offensichtlich für die Welt.
Ihre Herzgedanken,
ihr Fühlen.
Und sie verstecken sich nicht
vor ihrer Fragilität
nicht vor Menschen,
nicht vor anderen Bäumen,
nicht vor dem Wind
und nicht vor anderen Blättern.
Sie beweinen ihre sterbenden Blättern
vor der Sonne, vor dem Mond
bei Tag und bei Nacht.


Hast du schon gesehen, 
wie Menschen mit anderen Menschen reden?
In den Gassen,
in den Gärten,
auf den Straßen,
mit anderen Menschen,
Begleitet von ihren Schritten?
Ich auch nicht.
Weil,
sie weinen nicht
sorgen sich über neugierige Looks,
sie schämen sich dass ihre Schwäche
zu offensichtlich wird,
fühlen sich verwundbar
haben Angst vor ihrer eigenen Fragilität
vor dem Urteil anderer Tränen.


Sie weinen ihre Sehnsucht still,
ohne sichtbaren Tränen.
Innerlich erstarrt,
innerlich traurig tränenüberschwämmt.

Sie verstecken sich hinter einem Lächeln
in den traurigen Augen.
Sie verstecken ihre Sehnsüchte 
in den fallenden Blättern
in den Herbstfarben

In der Nähe der Bäume die ihre Blätter weinen
sammeln sich oft die Träumer,
sie bleiben stehen, bewundern den Baum,
freuen sich wie Kinder
über seine fallenden Blätter
und deren Farben.
„Schaut mal was für ein schöner Baum!“ exklamieren sie.


Auf den Menschen, der so weint,
zeigen andere Menschen mit den Fingern.
Sie sehen die Tränen
doch sie sehen weder Glück noch Undglück,
weder Freude noch Traurigkeit.
„Da weint jemand!“ exklamieren sie neugierig und gehen weiter,
weil Tränenfarben sind unsichtbar

©Émilia

Herbstmetapher Metamorphose

Das Laub der Bäume färbt sich

für einen Blättertanz im Herbstwind.

Es weinen die Wolken

über den Tanz

und der Wind wirbelt Blatt für Blatt

bis zu Boden fällt und Farbe verliert.

Decke mich zu mein Lieber

mit einem Vorhang aus Morgennebel,

oder mit deinen Herzhäuten.

Lass mich den Herbst verschlafen und die Farben.

Ich verpuppe mich

wie ein Schmetterling sich verpuppt

hinter den Herbstaugen.

Ich gehe in meine Stille und schweige

wie ein Stein irgendwo am Rand eines Weges

Ich verstecke mich nicht,

ich hülle meine Liebe nur in Seide.

Und dann kitzele ich die Zeit

und erwache aus dem Schlaf

als große Liebe.

©Émilia

Liebe mich nicht

Liebe mich nicht

wenn ich nur irgendein Grün bin,

das seine Blüten versteckt

unter den vielen Blumen im Garten.

Liebe mich nicht

als hätte ich das ganze Salz deiner Tränen

in mir gesammelt.

Liebe mich nicht,

wie eine Pflanze die niemals blühen wird

und das Licht wilder Blumen in sich trägt.

Liebe mich nicht

denn ich schlage keine Wurzeln,

wenn ich die Tiefe des Bodens nicht kenne,

weil Liebe über mich hinauswachsen würde

und ich würde brechen.

Und da ich weiß

von der Endlichkeit der Liebe

von Blättern ohne Halt,

von entwurzeltem Leben,

verstecke ich meine Blüten

und mein Licht.

Liebe mich so nicht

zwischen Kaffee und Zigaretten

und zwischen verschwommenen Herzgedanken

erst recht nicht.

Lass mir diese ungezähmte Wildnis in meinem Herzen,

meine ungezähmte Liebe

liebt anders und tiefer und höher.
Ich liebte dich in diesem Licht meiner Seele

ich liebte dich heimlich

egal wo, egal wie und egal wann

wild und ungezähmt

denn es war der einzige Weg

dich zu lieben.