Prognosen in Gedanken

Regen wird angekündigt, und ein Sturm
wird alles verwüsten, so das Gerücht.
Und morgen wird alles vergessen sein.

Ich habe einen Schal über dieses eine Wort gelegt
das noch an den Lippen hängt, bevor der Regen kommt
und es durchnässt und der Sturm es in der Luft zerreißt.
Rächen sich unsere Wolken, und es wird Sturm geben?
Geh nicht vor das Haus, denn alles ist verlassen,
Die Blätter fallen und wirbeln um dich herum,
um dich an unsere Worte im Sreit zu erinnern.
Ich bitte dich die Fenster zu schließen,
sonst werden wir Angst haben
vor unserem Fühlen
und unseren Worten.
Dass wir irgendwann nicht mehr Liebende sein werden.
Wie auch immer,
die ganze Nacht wird es regnen.
Bis morgen regnet es,
und Sturm wird erwartet
Vielleicht wird es bis morgen vorbei sein
und wir vergessen.
Bis dahin verlieren wir unsere Schritte im Wort.
©Émilia

 

Nur ein Gedicht

Wir treffen uns

an der Kreuzung

zweier banalen Gedanken

und schreiben uns auf die indigofarbene Stirn der Nacht.

Unsere Hände würden sich finden

in einem gemeinsamen Gebet ohne Gott.

Wir treffen uns

an der Kreuzung

zweier banalen Gedanken

und schreiben uns auf die indigofarbene Stirn der Nacht.

Unsere Hände würden sich finden

in einem gemeinsamen Gebet ohne Gott.

Wir lächeln uns an

bis unsere Lippen

zu einander finden in einem Flüstern

oder in einem nicht enden wollenden Kuss,

voller endloser Sehnsucht.

Unsere Augen spiegeln sich ineinander

bis wir uns in einem gemeinsamen Traum finden.

In diesem unvergesslichen Moment,

in dem wir uns weiter als die Erde,

höher als der Himmel, lernen wir alle Lieben neu.

©Émilia

 

Ist auch so viel Sommer bei dir?

Das dunkle satte Grün verblasst,
wie viele Hoffnungen verblassen.
Der rote Mohn hat seine Farbe verloren,
wie die Liebe ihre Farben verliert.
Die wenigen Regentränen im Himmel und in mir
reichen nicht aus die Farben zu beleben.
Und die wenigen Tränen verlieren sich im Staub.

Die Lindenbäume mit den honigfarbenen Blüten
sind honigleer und es ist als würde die Liebe langsam sterben.
Und langsam sterbe ich mit.
Und meine Träume verlieren sich mit mir.

Die Sonne brennt auf dem staubigen Asphalt
und menschenleer ist es hier.

Sogar die Gedanken haben sich im Schatten versteckt
und schenken den Worten keine Nuancen.
Und die Stille hier ist enigmatisch.

Ist es auch so menschenleer bei dir?
Nicht einmal ein Traum wagt sich zu träumen.
Kaum beginnt ein hypothetisches Morgen
hat die Stille es verschluckt.
Ich schreibe kein Liebesgedicht,
denn ich finde weder Worte noch Nuancen noch Musik.
Ich fühle mich schuldig
dir nicht die versprochene Liebe gegeben zu haben.

Es ist viel Sommer hier
und jede aufkeimende Frage und jedes Zweifeln
fällt aus den Gedanken.
Das wenige Grün im Herzen
trocknet das Chlorophyl in den Blättern
wie das Rot im Mohn
und wie das Blau der Kornblume – das den Himmel spiegelt.

Und die Sonne beißt Stück für Stück Sehnsucht ab
und Trostlosigkeit bedeckt die Wunde wie ein Schorf.

Ich warte auf den Regen
der noch in den Wolken schläft.

Ich will die Farben zurück
und die Musik.
Ich will mein Leben zurück.
Ich will lieben…..ich will singen…ich will Farben…

©Émilia

Wie ein noch ungeträumter Traum

Das blasse Mondlicht fällt

durch das Fenster,

bleibt an den Gardinen hängen

und spiegelt sich

im hauchzarten

mit fragilen Eisblumen bestickten Schleier.

Meine Augenlider werden schwer.

Legen sich über den Tag,

offnen die Tür zur Nacht

und zum Traum.

Der Mond mit dem silberfarbenem blassen Gesicht

und die fragilen Eisblumen

haben sich auf meine Lider gemalt

wie ein noch ungeträumter Traum

©Émilia

Pour mon ami

Der Zeiger der Uhr rannte und rannte voraus.
Ich sah dich der Zeit hinterherrennen.
Dur ranntest ohne deine Augen irgendwohin.
Ich bin dir gefolgt
Ich schob die vom Sonnenlicht
verblasten rotgemustertenVorhänge,
die abends die Schmetterlinge und Mücken
vom Licht abhalten sollen
zur Seite
und habe das Haus verlassen.

Ich rannte so gut ich konnte
holte dich ein, rannte dir voraus
und stellte dir ein Bein,
um unsere Zeiten miteinander zu synchronisieren.
Ich zeigte dir die Uhr,
aber deine Augen erreichten sie nicht.
Ich klopfte gegen das Glas der Uhr.

Du hieltest die Zeit auf,
schriebst mir winzige Liebesbriefe
auf Bonbonpapier
und maltest Herzchen auf mein Blümchentaschentuch aus Leinen
„Pour ma chère amie“.

Dein Hemd war sehnsuchtbefleckt
Auf deiner Brusttasche war ein klebriger Bonbonfleck.
Damals fragte ich mich ob die Süße durch deine Haut sickerte
und dein Herz versüßte.

Deine Augen sahen mein fragendes Gesicht nicht
aber sie fühlten meine Frage.
Du schenktest mir einen Bonbon
und ich zerbiss in ihn winzige Stückchen.
„Wie ein Schweinchen die Maiskörner zerbeißt“

Wir lachten und lachten
wie Kinder lachen
und konnten nicht damit aufhören.
Wir waren für ein paar Augenblicke synchron
und passten unsere Herzschritte aneinander an

Wir rannten durch das noch grüne Weizenfeld
und die Mohnblumen nickten uns zu.

Damals waren wir Kinder.

Nun rennt jeder seiner eigenen Zeit hinterher.

Ab und zu passen wir die Zeit aneinander an,
trinken einen Café au lait gegen alle Zeiten
und für  mon cher ami und ma chère amie

©Émilia

Liebe, welche Kleidung trägst du?

In welchen Fetzen versteckst du dich,

oder in welcher Ecke

zerstreut deine zerrissene Perlenkette ihre Perlen?

Liebe, wo bist du verloren gegangen?

Hinter welchen Mauern hast du dich versteckt?

Letzte Nacht bei einem Kuss

bat ich dich darum,

neu geboren zu werden.

Ich weiß nicht wie oft ich küsste,

doch du warst so leblos wie eine Porzellanpuppe.

So konnte ich dich nicht verschenken.

Wann schlägt dein Herz wieder

wenn ich küsse?

Hast du den ersten Kuss vergessen,

den er mir schenkte?

Den ersten blauen prickelnden Schauer,

den der Kuss unter meiner Haut auslöste

wie ein Sommerregen

hast du auch vergessen?

Ich weiß noch,
wie du bei dem ersten Gedanken an ihn
ein Augenlid öffnetest,
dann das andere
als wärst du aus dem Tiefschlaf erwacht,
oder erst neu geboren worden

in eine dir noch unbekannte Welt.

Ich legte meine Wange an deine
und ich fühlte die Sehnsucht unter meiner Haut.
Ich dachte ihn
und du hast vor Sehnsucht
die Welt um mich herum ausradiert,
damit ich nur dein Flüstern und dein Lied hören sollte.
Und nun zähle ich die Augenblicke
zwischen den Blitzgedanken
in einer absurden Mathematik.
Einen letzten Kuss hauche ich
auf dein Porzellangesicht
und lasse dich schlafen.
Die Perlen sammele ich nicht ein.
Ich lasse die Perlenschnur liegen.
Ich werde nicht mehr darüber stolpern
und dich vermissen.
©Émilia

 

Elegie einer Liebe

Ja,
manchmal findet man nicht die richtigen Worte.
Doch wenn man sie findet
direkt im Herzen liegend und auf den richtigen Moment wartend,
findet man den richtigen Moment unter vielen Augenblicken nicht.

Ja,
und manchmal kann man nicht einfach sagen
„so ich bin da und ich liebe dich“,
Es gibt unzählige Gründe und Ängste
es nicht zu wagen, es nicht zu sagen.
Man kann nicht gehen, man kann nicht bleiben.

Ja,
und so werden Herzen gebrochen,
und so entstehen die Sehnsüchte,
und so entsteht das Vermissen.

Ja,
so zerbrechen Lieben
zersplittern Träume
und es bleibt nur ein Lied
eine Elegie einer Liebe


©Émilia

Lass es Asche werden

Wenn du gehst nimm mit dir
in deinem Wanderrucksack mein Herz,
falls du dursten solltest.
Sieh nicht zurück
zu meinem inerten Körper
zu meinem Mund ohne Worte
und in meine leergeweinten Augen.

Wir legten einmal
meine Sehnsucht,
deine Sehnsucht
Tränen und Regen
in eine gemeinsame Wolke
zwischen Worten versteckt.

Ich werde nie wissen
ob die Wolke regenvoll, tränenvoll wurde.
Ich habe keine Tränen mehr.
Das ist alles.
Worte gefangen in der Stille,
aus Angst vor der Donnerwolke.
Das ist unsere ganze Liebe
– eine Wolke aus Worten und Tränen.

Am nächsten Tag
konnten wir und weder Herz noch Hände einander reichen
und zwischen Worten regnete es.
Regen war unser Hymnus.
Der Wind des Schweigens zwischen uns
die kalten Hände haben wir in Handschuhe gesteckt
und das Herz eingemauert.

Deine zärtliche Umarmung,
dein hauchzarter Kuss
mochte  noch einmal Mal entfachen
die Glut im Herzen die noch nicht zu Asche wurde.

Wenn du jetzt gehst,
nimm mein Herz mit dir,
Und wenn die Tränen nicht reichen,
wenn der Regen nicht reicht,
um deinen Durst zu stillen,
suche dir keine Wasserquelle
an der dumein Herz erneut füllen kannst.

Lass mich nicht wissen wo du bist,
wenn unter der Asche noch Glut weilt.
Ich suche nicht nach noch lebendigen Liebe
in mir, in dir, in uns.

Lass mein Herz Asche werden
Lass es Asche werden.

©Émilia

Beinahe

Beinahe

hätte ich dich geliebt,

du hättest mich geliebt

beinahe.

Schmetterlinge

sind unsere einzigen Küsse

durch versteinerte Augenlider

beobachten wir uns still.

fels

 

Beinahe hätte ich die geliebt

du hättest mich geliebt beinahe.

Heute wachsen uns Blumen

in den Haaren.

Anstatt unsere Tränen

gießt uns der Regen.

Nur noch der Wind

führt uns zusammen

und trennt uns zugleich.

Nur die Liebe umarmt uns verzweifelt zugleich

in einem Lied

und jeder Herzschlag ist Note und Klang.

Du bist mir nah und doch weit weg

und ich bin dir weit weg

beinahe hätte ich dich geliebt

du hättest mich geliebt beinahe.

Die Sonne wärmt uns

und ihre Berührung verbrennt uns.

Du bist mir fast ewig

ich bin dir fast ewig,

versteinert im Augenblick

seit dem wir uns ineinander verliebten

Und müde von uns,

von unserer Nähe und Ferne

wird der Wind uns verwehen,

der Frost uns erfrieren,

mit dem Sand verden wir verschmelzen

das Meer uns verwandeln

in eine uferlose Liebe

©Émilia

Doch am Ende des Tages trägt mich wieder ein Traum, ohne mich zu fragen.

In einer lauwarmen Sommernacht,

ein Traum führt mich weit weg von mir

Meine Gedanken sind frei von dir, von uns.

Ich lege den Tag in den Traum,

befreie mich von seiner Routine,

wenn die Nacht sich indigofarben legt

über den Traum, finde ich den Weg zu dir.

Und der Traum nimmt mein Herz

ohne mich zu fragen

und trägt mich durch alle Sehnsüchte zu dir

Liebe ich halte dich versteckt

tief  am Grund meines Herzens

wie eine kostbare Perle.

Nur der Traum trägt mich auf seinen Wellen

und spült mich an den  Herzküsten Sand.

Am frühen Morgen schält sich die Sonne

morgenrotfarben aus dem Morgennebel

wie ich aus dem Traum,

sie begrüßt den Tag mit Morgentau in den Augen

und ich mit Tränen aus dem Traum.

Der Tag hält für mich bereit

wichtige Dinge, unwichtige Dinge

Freude und Sorgen

und ich bin wichtig und unwichtig

beflügelt oder müde.

Doch am Ende des Tages

trägt mich wieder ein Traum, ohne mich zu fragen.