Dancing in the dark

Es ist spät in der Nacht
und es schon zu spät in mir.
Ich schreibe mich mit ein paar Zeilen zu dir.

Es fallen keine Sternschnuppen zwischen die Gedanken
und die Tinte in meiner Feder ist fast aufgebraucht.
Keine Gedankenstraße führt mich zu dir.
Die Straßen sind leer,
die Bäume in der Alée und Blumen sind schon im Schlaf.

Im braungrün gekachelten Ofen
liegt noch die Asche vergangener Tage.
Irgendwann lag darin Freuer und Glut
vergangener Leben.
Wenigstens im Herzen und in den Gedanken
bleibt Leben unsterblich.

Auf dem langen Tisch mitten im Raum
steht noch ein leeres Wasserglas
und eine halbvolle Karaffe.
Sie ist frisch, wie alles hier frisch ist.
Sie erfrischt mich
stillt den Durst meiner Sehnsucht.

Nicht einmal die Fensterscheiben sind blind.
Sie reflektieren mich.
Ich sehe mich als Kind und als erwachsene Frau zugleich.

In der grauen Ecke,
ein paar Risse in den gemusterten Fliesen
Zartgrüne Linien und Kreise
wie ein aufkeimender Frühlig
sind nur etwas verstaubt.

Nur damit du weißt:
ich behalte keine geplatzten Träume
und keine vergangenen Lieben hier.

Ich ging den langen Weg
und ließ alles zurück.
Und wenn ich etwas zurück lasse
bleibt es hinter mir.

Ich sehe nicht zurück,
sondern nach vorne.

Ich schreibe nur den letzten Buchstaben,
bevor die Tinte versiegt.
Die Uhr an meiner Hand zählt die Sekunden
laut in diese Stille.
Ich lächele und mein Herz weint.

Ich gehe schlafen und mein Herz bleibt bestimmt noch lange wach.

©Émilia

November

Woher diese Kälte und warum diese Unruhe?!

… Wie jedes Jahr, beginnt der November mit einem Gedenktag für die alle die gegangen sind und mit einer Traurigkeit die bis in die Knochen schmerzt. November der mich in eurem Namen an meine Verlustangst erinnert, dem Schmerz in meinem Herzen Farbe gibt und Regen in meinen Augen, jedem einzelnen Tropfen eure Gesichter.

Mit der Gartenschere schneide ich alle schneeweißen Chrysanthemen mit ihren riesigen Blüten, die mich an Schneebälle erinnern. Der Duft der Blumen erinnert mich an Tod und nicht nach Liebe über die Endlichkeit hinaus. Ich setze mich ins Auto und fahre zum Gräberschmücken. 

Ich mag keine Friedhöfe und diesen ganzen Trauerkram nicht. Was soll ich da an einem Haufen Erde herumbuddeln und mit leblosen Blumen einen Ort schmücken, wo ich nur einen kalten Grabstein anbete. 
Ich trage alle im Herzen, in den Gedanken und in den Augen. Irgendwo im Novemberhimmel schwirren ihre Seelen herum(wenn es überhaupt diese Unendlichkeit gibt) und ich stehe da mit nassen Augen und einem Vermissen im Herzen. Will ich nicht.

Ich wasche meine Haare, meinen Körper, damit dieser schwere Chrysanthemenduft verfliegt. Wie eine riesige Ganzkörperumarmung fühlt sich das riesige Badetuch.
„Ich möchte am liebsten hier so eingekuschelt sitzen bleiben bis dieses ganze Zeremoniegetue vorüber ist.“ denke ich.
Dann raffe ich mich auf, ziehe mein schwarzes dezentes Trauerkleid über, streife schwarze gemusterte ( nur die hatte ich da) Strümpfe, wie eine zweite Haut über die Beine, schlüpfe in meine schwarzen Pumps die ich nur Trauerfeiern gekauft habe.
Als alle feierlich angezogen sind fahren wir zum Gottesdienst. Sogar der Pfarrer strahlt eine Seelenmüdigkeit aus und ebenso seelenmüde ist seine Messe gestaltet.

Ich fühle mich müde und gehe zu Fuß durch die Grabreihen. Orte, an denen ich mich verloren, einsam und traurig fühlen.Es können noch so viele liebe Menschen um mich herum sein, meine Hand halten, ihren Arm um mich legen, mir ist kalt und das Salzwasser der Tränen brennt in den Augen und auf den Wangen.
Wo immer ich heute hinsehe finde ich nichts als diesen kalten, trockenen Wind und einen Teppich aus Blättern, Gräber, Kerzenlicht und schwarzgekleidete Menschen. Die Schatten der hier Liegenden ist für immer in dem nassen, kalten Asphalt vergraben, und ich verzweifle innerlich  an einer verlorenen Erwartung an die Unendlichkeit.

Der Novemberanfang öffnet immer wieder eine  Wunde in mir hinterlassen, die noch nicht verheilt ist. Einige liebe und besondere Menschen haben mein Leben verlassen und einen ganzen Schrank voller Träume und Hoffnungen mitgenommen.

Irgendwann die nächsten Tage legt sich der Rauhreif über kalte Seelen,
über die Chrysanthemen, deren Köpfe sich traurig senken.
Im Aschegrau der Tage, verlieren sich Schritte und Gedanken
geht die Traurigkeit nachts im Nebelverloren.

Erinnert sich jede einzelne Seele an mich,
als sie gingen wie allein ich war ohne sie?
Als hätten sie ihre Schlüssel auf den Tisch gelegt
und wortlos sagten
Ich bin ab heute nicht mehr zu Hause für dich.

Mir ist kalt und weder liebevolle Worte, noch ein heißes Bad wärmt mich von außen nach innen.

Meine Seele ist lebendig und ich brauche Musik
Laut ….laut….laut…..

In meinem Träumen ist nichts mehr wo es sein sollte.

Du hast auch keinen festen Platz mehr darin.

Das Puzzle des Horizonts zerbricht in jedem Traum.

Ich sammle die Stücke  und versuche sie nach Farben zu sortieren.

Den Himmel zuerst und alles bis zur unteren Ecke.

Mitten im Traum wache ich auf und versuche

die Zwischenräume zu füllen.

Die Passionsfruchtkerne die ich gesät habe,

so ganz ohne Hoffnung

sind bereits durchgebrochen.

Das ist ein Traum der sich erfüllt hat.

Blatt für Blatt wickelt sich um Worte.

Ich trage den Blumentopf wie mein Herz

auf einen anderen Platz.

Das Puzzle ……

Ich habe die Mitte erreicht,

wo die Sonne hinter der Lichtung sich zeigt

auf dem purpurfarbenen Laken des Himmels.

Noch reicht es nicht …..für das Umtopfen….

alles ist noch so zart und fragil….

wie im Traum.

©Émilia

 

Blaue Tränen

Es regnet blau

auf meinen einzigen Gedankenfaden an dich.

Ein blauer Faden,

der irgendwann rot war,

der mich noch an dich bindet.

Blaue Wolken

die ihre blauen Tränen

über mich regnen,

meine verlorenen Schritte

auf vergangenen Wegen blau färben.

Damit ich mich verlaufe

auf endlosen blauen Wegen

in einem endlosen blauen Traum

Novemberballade (Teil 2)

Sie lief auf dem Herbstweg durch den Garten bis zum Tor.

Das Hoflicht verlor sich durch die kahlen Zweige des Kirschbaumes.

Plötzlich hörte sie hinter sich ein leises Knacken, wie ein hauchleises Flüstern. Angst keimte leise auf und durchfuhr ihr Herz, ihre Sinne, ihren Körper bis unter die Haut. Sie erschrak einen Herzschritt lang.

Ein grünbraunes Herbstblatt, das sein Schicksal nur zögernd annahm, gab unter dem Impuls des Schicksals nach und löste sich mit einem erschrockenen Flüstern vom Baum und fiel nur hauchweit hinter ihr.

Es fiel auf einen gemusterten Asphaltstein und verschmolz mit den Mosaikfarben den Asphaltsteins und den Farben des Nachthimmels. Graubraungrüngold.

Das allerletzte Blatt des Kirschbaumes.

An einem Zweig an der Baumspitze baumelte die letzte Herzkirsche ohne Herzblut.

Das letzte Herbstblatt

flüstert sein letztes Wort in den Wind

Zwischen Himmel und Erde.

Es singt seinen Abschied,

bis es seinen Atem verliert,

als es fällt.

Dann kam die große Stille.

Das letzte Blatt, wie ein Traum vom Wind getragen,

ein leises Flüstern, ein letztes Wort,

auf dem Herbstparkett..

Es ist keine Novemberballade nur über Tod und Regen,

es ist ein Abschiedlied der Herbstblätter für mich.

Novemberballade (Teil 1)

Gestern hingen noch ein paar Blätter

am Liebesbaum,

heute sind sie nur noch

aus den Erinnerungen gefallene Geschichten.

Sie winkten mir kurz zu

und fielen mir zu Füßen.

Und was ist von der Liebe noch geblieben?

Nur noch ein kahler Baum

und ein allerletztes einsames Blatt.

Und an einem Zweig

an der Spitze des Baumes

eine Herzkirsche ohne Herzblut.

Wie in jeder Geschichte,werden die Erinnerungen an die Zeit in Rauch verpackt, den ein veralteter Zug, seine der seine letzte Reise auf einem veralteten Gleis zum endgültigen Abstellgleis antritt, noch der Gegenwart hinterlässt.

Wenn du mir in die Augen siehst, triffst du herumwandernde Gedanken, zerbrochene Träume, wie zerbrochene, verlassene und vergessene Spielzeuge.

Es ist ein kaltes Herbstende, in dem die Blätter fast ihre Bedeutung verloren haben und ihre Reise fast zu Ende ist. Der Wind und der Regen schütteln und waschen alles Leben und Sterben aus ihnen und lassen nur diesen kupferfarbenen Teppich der Vergessenheit zurück.

Ein Zug nach dem anderen kommt und fährt von irgendwo nach nirgendwo und erstickt oder leert die Bahnsteige unseres archaischen Bahnhofs.

Der Herbst umarmt dieses kleine romantische Universum, in dem die Liebe ihr Haus, ihren Tisch und ihren Friedhof hat.

Der Wecker klingelte früh, sie öffnete die Augen und schaute auf das makellose Kalkweiß an der Zimmerdecke und versuchte, ihre Gedanken aus den Kissen zu sammeln.

„Nimm deine Träume mit in den Tag!“

Fünf ganze Minuten waren vergangen, als der Phonewecker erneut  klingelte und hinter ihren Augen den gleichen Gedanken setzten, ER. Das gleiche Lied, das zur Besessenheit wurde. Dieser Refrain ließ ihr Herz eine Extrasystole zu schlagen.

Sie stoppte Sie das Lied vor dem letzten Takt des Refrains. Eilig bereitete sich für den Tag vor, einen letzten Kammstrich durch ihre strubbelige Mähne die wie ein chaotisches Durcheinander sich über ihren Schultern und Rückenverteilt, nahm die Schlüssel und ging ohne Tee und Frühstück vor die Tür hinaus.

Und dann war es Alltag…..

Der Tanz

Diesen einzigartigen Tanz
der bedingungslonen Liebe
haben wir nie miteinander getanzt.
Wenn es bei mir der Regen fiel,
war bei dir der Himmel wolkenlos.
Wenn es bei dir regnete
schien bei mir die Sonne.

Vielleicht hörten wir nicht nicht gleiche Musik
oder wir trauten uns nicht voreinander zu tanzen,
weil einer die Schritte des anderen nicht kannte.

Vielleicht überspielte das Herz
die innere Musik
mit der Musik einer anderen Liebe.

Der Tanz dieser bedingungslosen Liebe
blieb ungetanzt….

©Émilia

 

Du siehst mich an als wäre ich ein Gedicht

Du siehst mich an,

du siehst jede einzelne Pore meiner Haut,

du siehst die Farbe meiner Augen

mit allen Schattierungen.

Du siehst meine Unvollkommenheiten

in meinem Ich.

Du siehst jeden Teil von mir,

als würde ich seit Ewigkeiten Teil deines Herzens sein.

Du siehst mich an als wäre ich ein Gedicht,

als würde die Welt ohne mich auseinanderfallen,

Du siehst mich an,

als wäre ich der Inbegriff der Liebe

©Émilia