Ist auch so viel Sommer bei dir?

Das dunkle satte Grün verblasst,
wie viele Hoffnungen verblassen.
Der rote Mohn hat seine Farbe verloren,
wie die Liebe ihre Farben verliert.
Die wenigen Regentränen im Himmel und in mir
reichen nicht aus die Farben zu beleben.
Und die wenigen Tränen verlieren sich im Staub.

Die Lindenbäume mit den honigfarbenen Blüten
sind honigleer und es ist als würde die Liebe langsam sterben.
Und langsam sterbe ich mit.
Und meine Träume verlieren sich mit mir.

Die Sonne brennt auf dem staubigen Asphalt
und menschenleer ist es hier.

Sogar die Gedanken haben sich im Schatten versteckt
und schenken den Worten keine Nuancen.
Und die Stille hier ist enigmatisch.

Ist es auch so menschenleer bei dir?
Nicht einmal ein Traum wagt sich zu träumen.
Kaum beginnt ein hypothetisches Morgen
hat die Stille es verschluckt.
Ich schreibe kein Liebesgedicht,
denn ich finde weder Worte noch Nuancen noch Musik.
Ich fühle mich schuldig
dir nicht die versprochene Liebe gegeben zu haben.

Es ist viel Sommer hier
und jede aufkeimende Frage und jedes Zweifeln
fällt aus den Gedanken.
Das wenige Grün im Herzen
trocknet das Chlorophyl in den Blättern
wie das Rot im Mohn
und wie das Blau der Kornblume – das den Himmel spiegelt.

Und die Sonne beißt Stück für Stück Sehnsucht ab
und Trostlosigkeit bedeckt die Wunde wie ein Schorf.

Ich warte auf den Regen
der noch in den Wolken schläft.

Ich will die Farben zurück
und die Musik.
Ich will mein Leben zurück.
Ich will lieben…..ich will singen…ich will Farben…

©Émilia

Pour mon ami

Der Zeiger der Uhr rannte und rannte voraus.
Ich sah dich der Zeit hinterherrennen.
Dur ranntest ohne deine Augen irgendwohin.
Ich bin dir gefolgt
Ich schob die vom Sonnenlicht
verblasten rotgemustertenVorhänge,
die abends die Schmetterlinge und Mücken
vom Licht abhalten sollen
zur Seite
und habe das Haus verlassen.

Ich rannte so gut ich konnte
holte dich ein, rannte dir voraus
und stellte dir ein Bein,
um unsere Zeiten miteinander zu synchronisieren.
Ich zeigte dir die Uhr,
aber deine Augen erreichten sie nicht.
Ich klopfte gegen das Glas der Uhr.

Du hieltest die Zeit auf,
schriebst mir winzige Liebesbriefe
auf Bonbonpapier
und maltest Herzchen auf mein Blümchentaschentuch aus Leinen
„Pour ma chère amie“.

Dein Hemd war sehnsuchtbefleckt
Auf deiner Brusttasche war ein klebriger Bonbonfleck.
Damals fragte ich mich ob die Süße durch deine Haut sickerte
und dein Herz versüßte.

Deine Augen sahen mein fragendes Gesicht nicht
aber sie fühlten meine Frage.
Du schenktest mir einen Bonbon
und ich zerbiss in ihn winzige Stückchen.
„Wie ein Schweinchen die Maiskörner zerbeißt“

Wir lachten und lachten
wie Kinder lachen
und konnten nicht damit aufhören.
Wir waren für ein paar Augenblicke synchron
und passten unsere Herzschritte aneinander an

Wir rannten durch das noch grüne Weizenfeld
und die Mohnblumen nickten uns zu.

Damals waren wir Kinder.

Nun rennt jeder seiner eigenen Zeit hinterher.

Ab und zu passen wir die Zeit aneinander an,
trinken einen Café au lait gegen alle Zeiten
und für  mon cher ami und ma chère amie

©Émilia

Liebe, welche Kleidung trägst du?

In welchen Fetzen versteckst du dich,

oder in welcher Ecke

zerstreut deine zerrissene Perlenkette ihre Perlen?

Liebe, wo bist du verloren gegangen?

Hinter welchen Mauern hast du dich versteckt?

Letzte Nacht bei einem Kuss

bat ich dich darum,

neu geboren zu werden.

Ich weiß nicht wie oft ich küsste,

doch du warst so leblos wie eine Porzellanpuppe.

So konnte ich dich nicht verschenken.

Wann schlägt dein Herz wieder

wenn ich küsse?

Hast du den ersten Kuss vergessen,

den er mir schenkte?

Den ersten blauen prickelnden Schauer,

den der Kuss unter meiner Haut auslöste

wie ein Sommerregen

hast du auch vergessen?

Ich weiß noch,
wie du bei dem ersten Gedanken an ihn
ein Augenlid öffnetest,
dann das andere
als wärst du aus dem Tiefschlaf erwacht,
oder erst neu geboren worden

in eine dir noch unbekannte Welt.

Ich legte meine Wange an deine
und ich fühlte die Sehnsucht unter meiner Haut.
Ich dachte ihn
und du hast vor Sehnsucht
die Welt um mich herum ausradiert,
damit ich nur dein Flüstern und dein Lied hören sollte.
Und nun zähle ich die Augenblicke
zwischen den Blitzgedanken
in einer absurden Mathematik.
Einen letzten Kuss hauche ich
auf dein Porzellangesicht
und lasse dich schlafen.
Die Perlen sammele ich nicht ein.
Ich lasse die Perlenschnur liegen.
Ich werde nicht mehr darüber stolpern
und dich vermissen.
©Émilia

 

Beinahe

Beinahe

hätte ich dich geliebt,

du hättest mich geliebt

beinahe.

Schmetterlinge

sind unsere einzigen Küsse

durch versteinerte Augenlider

beobachten wir uns still.

fels

 

Beinahe hätte ich die geliebt

du hättest mich geliebt beinahe.

Heute wachsen uns Blumen

in den Haaren.

Anstatt unsere Tränen

gießt uns der Regen.

Nur noch der Wind

führt uns zusammen

und trennt uns zugleich.

Nur die Liebe umarmt uns verzweifelt zugleich

in einem Lied

und jeder Herzschlag ist Note und Klang.

Du bist mir nah und doch weit weg

und ich bin dir weit weg

beinahe hätte ich dich geliebt

du hättest mich geliebt beinahe.

Die Sonne wärmt uns

und ihre Berührung verbrennt uns.

Du bist mir fast ewig

ich bin dir fast ewig,

versteinert im Augenblick

seit dem wir uns ineinander verliebten

Und müde von uns,

von unserer Nähe und Ferne

wird der Wind uns verwehen,

der Frost uns erfrieren,

mit dem Sand verden wir verschmelzen

das Meer uns verwandeln

in eine uferlose Liebe

©Émilia

Doch am Ende des Tages trägt mich wieder ein Traum, ohne mich zu fragen.

In einer lauwarmen Sommernacht,

ein Traum führt mich weit weg von mir

Meine Gedanken sind frei von dir, von uns.

Ich lege den Tag in den Traum,

befreie mich von seiner Routine,

wenn die Nacht sich indigofarben legt

über den Traum, finde ich den Weg zu dir.

Und der Traum nimmt mein Herz

ohne mich zu fragen

und trägt mich durch alle Sehnsüchte zu dir

Liebe ich halte dich versteckt

tief  am Grund meines Herzens

wie eine kostbare Perle.

Nur der Traum trägt mich auf seinen Wellen

und spült mich an den  Herzküsten Sand.

Am frühen Morgen schält sich die Sonne

morgenrotfarben aus dem Morgennebel

wie ich aus dem Traum,

sie begrüßt den Tag mit Morgentau in den Augen

und ich mit Tränen aus dem Traum.

Der Tag hält für mich bereit

wichtige Dinge, unwichtige Dinge

Freude und Sorgen

und ich bin wichtig und unwichtig

beflügelt oder müde.

Doch am Ende des Tages

trägt mich wieder ein Traum, ohne mich zu fragen.

 

So viel mehr

Ich habe aufgehört

dich zu denken,

auch wenn Blitzgedanken

mich zu dir leiteten.

Ich entscheide mich stattdessen,

gegen Gedankengewitter anzukämpfen,

indem ich meine Sehnsucht

über Sonnenaufgänge und Abendrote lege,

wie ein seidiger Schal,

damit die Tage irgendwie vollständig wirken.

Ich lächele schweigend,

während ich meinen Blick

über eine sonnenverwöhnte Landschaft voller Farben schweifen lasse

und ich halte inne,

um die Magie in mich aufzunehmen.

Es ist in dem Moment,

in dem ich endlich sehe, wie ich Liebe unterschätzt habe,

die am Ende des Tages so viel mehr ist als ein Kuss.

©Émilia

Der schwebende Stuhl

Ich hatte die ganze Zeit die Bilder an den Wänden in den Fluren des Krankenhauses nie richtig wahrgenommen.
Man ist da, absolviert seinen täglichen Dienst und fährt nach Hause zu den Liebsten. Das ist der normale Alltag. Der unnormale Alltag ist der Stress dem man ausgesetzt ist.
Wenn ich mich gestern an den späten Nachmittag erinnere, saß ich im Büro zusammen mit zwei Kollegen und jeder war mit seinen Gedanken beschäftigt, oder mit seinem Handy.  Wir mussten noch auf einige Kollegen warten.  Ich starrte auf das Bild mit dem Stuhl, dass an der Wand hinter dem Schreibtisch hing. Es hing schon immer da, aber ich habe es nie so richtig beachtet.
Kunst im Krankenhaus für wen ist sie wichtig?
Es war warm und es roch nach Kaffee, nach OP-Schweiß und Desinfektionsmittel, nach Parfüm und nach Rasierwasser. Gestern hatte ich eine besonders sensitive Nase.
Ich hatte mich auch mit Davidoff Cool Water eingenebelt. Kollektives Stinken. Immerhin hatte ich davor noch etwas Zeit für eine Katzenwäsche. Ich mag es nicht vor mich hinzustinken, auch wenn ich manchmal bei einer schwierigen OP ins Schwitzen gerate.

Ich starrte also auf das Bild, als hätte ich es zu ersten Mal gesehen. Gestern regte es mich zum nachdenken an.
Das Bild zeigte einen Stuhl vor einem Hintergrund, der den Anschein erweckte, als würde der Stuhl in der Luft schweben.
Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen und meine Gedanken dachten an eine Seele die alle vier Wände hinter sich ließ und aus dem Fenster flog, unerreichbar für die die weinend zurückblieben.
Als würde ich den Wind fühlen der sie berührte, sie umspielte und sie zum Tanz auf den Weg zu den Wolken aufforderte.
Damals regnete es. Ich fühlte, als wäre es im Augenblick,  die Regentropfen auf meiner Haut, wie sie sich mit meinen Tränen mischten.
Ich starrte auf den fliegenden Stuhl und auf die schneebedeckten Berge dahinter. Und ich sah vor meine immaginärem Auge,  viele Menschen die mich bis anhin auf meinem Weg begleitet haben auf diesem Stuhl sitzen
Ich bin nicht abergläubisch….nun ja…ein bisschen vielleicht schon. Und Seelen? Weg ist weg. Unwiederbringlich weg. Und ich denke an Seelen. Und ich denke was Mama immer sagte: „Tot ist tot. Irgendwann ist man vergessen wie ein Blatt Papier. Ein zerknülltes Blatt Papier. Man muss damit leben, dass nichts und niemand unendlich ist.“
Hilft Kunst die Traurigkeit zu überwinden? Das Schreiben das Vermissen? Musik um an die schönen Zeiten zurückzudenken?
Gibt Kunst Kraft Menschen hinter sich lassen zu können und nicht mehr mit Trauer an sie zu denken, sondern sie „fliegen“ zu sehen? Hilft Kunst aufzustehen und sagen zu können „Sieh mal den Sonnenaufgang und stürze dich in ein Abenteuer wie die Sonne in den Tag!“
„Alles klar bei dir?“ fragte die Kollegin neben mir.
Ich weiß nicht ob ich sie anstarrte, oder was ich tat, aber sie fragte noch einmal „Geht es dir gut?“
„Aber ja!“ antwortete ich und mir war das alles so peinlich. „Wo kann ich mich verkriechen,“ dachte ich.
Zum Glück kamen auch alle Kollen auf die wir warteten, zur Tür herein und ich musste ihr nicht antworten. Mein Innenleben geht sie doch gar nichts an. Ich habe keine Lust mit jemanden über so intime Themen zu reden.

Nach der Besprechung habe ich ein „Tschüss allerseits!“ in die Runde gerufen und ein „Merci“ für die Urlaubswünsche und bin schnell weggerannt.

Ob die Kollegin nur neugirig war, oder dachte es würde mir nicht gut gehen, da ich eine Grippe hatte, weiß ich nicht.

Aber sie schrieb mir.

„Kann ich etwas für dich tun? War ist los?“ schrieb sie.

Ich schrieb ihr dass ein Bild mich nachdenklich stimmte.

„Ach so, ich dachte es wäre schlimmer!“

„Ich frage mich ist es lächerlich wenn man über Kunst nachdenkt?“

Ich bin urlaubsreif.
Und heute ist mein erster Urlaubstag.

Ich weiß nicht wie lange ich nicht schreiben werde…..

Heute zumindest nicht mehr….

Eine Freundschaft

„Ich schließe die Augen nicht,

wenn sich der Schlaf unerwartet unter meine Augenlider schleicht.

Ich möchte dich denken,

dich träumen, die Zeit mit dir zurückrufen,

unsere Freundschaft vor mir sehen“ sagte er.

„Ich fühle es, wenn du mich anrufst,

lange bevor mein Telefon summt.“

Seine Stimme klingt weich,

als würde er mir eine Serenade singen.

„Ich bin nur ein Schatten auf der verzweifelten Suche nach Licht,

ein Mann der seinen Weg sucht,

ein Blinder der sein Leben ertastet.

Und dann werde ich irgendwann sterben.

Komm führe mich an deine offene Herztür,

zeige mir den Weg,

lass mich die Tränen deines Glücks fühlen.

Sag mir, wer erinner sich an mich,

an den Moment, als ich dich noch sehen konnte,

als ich dein Lächeln sehen konnte,

wie ich mich auf dich freute wenn wir uns sahen?

Sag, wer erinnert sich an mich,

an einen leblosen Schatten,

auf der verzeifelten Suche nach Licht?

eine verlassene Seele, die aus dem Nichts gelöscht wird?

Ich war tränenbitter und leidenschfaftsüss,

wer wird sich an das alles erinnern?

Ich war Kind und ich hatte Freunde,

ich hatte eine Freundin – dich.

Ich liebte das Leben,

ich liebte das Licht,

ich liebte dich auf eine besondere Art.

Eine Art die mich erfüllte.

Die Zeit wird mich löschen

wie ein Schwamm eine vollgeschriebene Tafel,

wie ein Schatten an einem vergessenen Ort.

Ich wünschte es gäbe eine Wiedergeburt,

einen Neubeginn.

Wie nach der Nacht die Helligkeit des Tages kommt.

Ich würde Leben und lieben und glücklich sein.

Ich würde lieben und geliebt werden.

Ich würde von warmen Fingern berührt werden,

von weichen Haarsträhnen gekitzelt werden,

von Augen angesehen und von Lippen geküsst werden.

Ich würde meine Seele geben,

mein Fleisch

meine Liebe.

Ich würde sogar unsterlich werden – für dich.

©Émilia