November

Woher diese Kälte und warum diese Unruhe?!

… Wie jedes Jahr, beginnt der November mit einem Gedenktag für die alle die gegangen sind und mit einer Traurigkeit die bis in die Knochen schmerzt. November der mich in eurem Namen an meine Verlustangst erinnert, dem Schmerz in meinem Herzen Farbe gibt und Regen in meinen Augen, jedem einzelnen Tropfen eure Gesichter.

Mit der Gartenschere schneide ich alle schneeweißen Chrysanthemen mit ihren riesigen Blüten, die mich an Schneebälle erinnern. Der Duft der Blumen erinnert mich an Tod und nicht nach Liebe über die Endlichkeit hinaus. Ich setze mich ins Auto und fahre zum Gräberschmücken. 

Ich mag keine Friedhöfe und diesen ganzen Trauerkram nicht. Was soll ich da an einem Haufen Erde herumbuddeln und mit leblosen Blumen einen Ort schmücken, wo ich nur einen kalten Grabstein anbete. 
Ich trage alle im Herzen, in den Gedanken und in den Augen. Irgendwo im Novemberhimmel schwirren ihre Seelen herum(wenn es überhaupt diese Unendlichkeit gibt) und ich stehe da mit nassen Augen und einem Vermissen im Herzen. Will ich nicht.

Ich wasche meine Haare, meinen Körper, damit dieser schwere Chrysanthemenduft verfliegt. Wie eine riesige Ganzkörperumarmung fühlt sich das riesige Badetuch.
„Ich möchte am liebsten hier so eingekuschelt sitzen bleiben bis dieses ganze Zeremoniegetue vorüber ist.“ denke ich.
Dann raffe ich mich auf, ziehe mein schwarzes dezentes Trauerkleid über, streife schwarze gemusterte ( nur die hatte ich da) Strümpfe, wie eine zweite Haut über die Beine, schlüpfe in meine schwarzen Pumps die ich nur Trauerfeiern gekauft habe.
Als alle feierlich angezogen sind fahren wir zum Gottesdienst. Sogar der Pfarrer strahlt eine Seelenmüdigkeit aus und ebenso seelenmüde ist seine Messe gestaltet.

Ich fühle mich müde und gehe zu Fuß durch die Grabreihen. Orte, an denen ich mich verloren, einsam und traurig fühlen.Es können noch so viele liebe Menschen um mich herum sein, meine Hand halten, ihren Arm um mich legen, mir ist kalt und das Salzwasser der Tränen brennt in den Augen und auf den Wangen.
Wo immer ich heute hinsehe finde ich nichts als diesen kalten, trockenen Wind und einen Teppich aus Blättern, Gräber, Kerzenlicht und schwarzgekleidete Menschen. Die Schatten der hier Liegenden ist für immer in dem nassen, kalten Asphalt vergraben, und ich verzweifle innerlich  an einer verlorenen Erwartung an die Unendlichkeit.

Der Novemberanfang öffnet immer wieder eine  Wunde in mir hinterlassen, die noch nicht verheilt ist. Einige liebe und besondere Menschen haben mein Leben verlassen und einen ganzen Schrank voller Träume und Hoffnungen mitgenommen.

Irgendwann die nächsten Tage legt sich der Rauhreif über kalte Seelen,
über die Chrysanthemen, deren Köpfe sich traurig senken.
Im Aschegrau der Tage, verlieren sich Schritte und Gedanken
geht die Traurigkeit nachts im Nebelverloren.

Erinnert sich jede einzelne Seele an mich,
als sie gingen wie allein ich war ohne sie?
Als hätten sie ihre Schlüssel auf den Tisch gelegt
und wortlos sagten
Ich bin ab heute nicht mehr zu Hause für dich.

Mir ist kalt und weder liebevolle Worte, noch ein heißes Bad wärmt mich von außen nach innen.

Meine Seele ist lebendig und ich brauche Musik
Laut ….laut….laut…..

mehr

Blätter fallen
und Engel
und Gedanken.
Sie fallen augenblicksweise.
Amalgam aus Emotionen und Farben.

Ein weiterer Herbst vergeht.

Alles wird mehr.

Die Tage werden kälter,
die Umarmungen werden wärmer
der Kaffee ist heißer
mehr Lieben in der Liebe
Mehr Flüstern im Flüstern.

Ein weiteres Blatt fällt
im Traum ist mehr Traum,
es ist mehr Lächeln im Lächeln,
die Sehnsucht ist mehr Sehnsucht.

Blätter fallen
und Engel
und Gedanken ..

Sie fallen herzwärts.

©Émilia

Für Kinderaugen ein riesengroßes Stück Land. Hecken, Wildblumen, Kletten, Gras, Brommbeerensträuche, wilde Clematis, Kornblumen, Mohn, Apfelbäume, so weit das Kinderauge sah. Ein Stück wilde Natur, das niemandem mehr gehörte, das niemand haben wollte, das niemand pachten wollte.

Einen Tempel für Hasen, Mäuse und Insekten.

Am Wegesrand lies ein alter Mann, uralt für Kinderaugen, seine Ziegen weiden. Auch im Sommer trug er Herbst oder Winterkleidung, als wäre die erdfarbene speckige Kleidung seine zweite Haut.

Es grüßte höflich und schimpfte über seine Ziegen, die sich im Gestrüpp versteckten. Er rauchte Pfeife und hinterließ immer Rauchwolken, wie eine alte Lokomotive. Sollten die tanzenden Mückenschwärme die in der Luft vertreiben, wie er behauptete.

Irgendwann war er weg.

Heute ist das Land bebaut und alle Wege sind asphaltiert. Wo einst Hasen ihre Bauten in die Erde gruben, steht ein Hochhaus, erstreckt sich ein Parkplatz, ist ein Café mit Garten und Wintergarten,

ist ein Obstladen und ein Supermarkt.

Wie lange war ich nicht mehr da? Seit ca.vierzehn Jahren. Seit das Feld nebenan nicht mehr zum verpachten war und Opa über die Gauner und Ratten schimpfte, weil ihm die Ernte nicht angemessen vergütet wurde.

Heute stand ich da und hätte heulen können vor Wut. Nicht wegen der Ernte, sondern wegen der Natur. Der alte knorrige Maulbeerbaum steht noch da, wie ein Mahnmal. Der gehört jetzt zum Café.

Um ihn herum stehen ein paar Tische und Stühle.

„Im Sommer(Juni) werden die reifen Maulbeeren in den Kaffee fallen,“ dachte ich und musste lächeln und meine Wut war für einen Augenblick weg.

„Sie sollten im Sommer hier her kommen. Die reinste Idylle,“ sagte ein Mann neben meinem Ohr.

Ich erschrak und er entschuldigte sich.

„Davor war es schöner!“ rief ich wütend aus.

„Ich weiß, der alte Vetter Alfons gehörte zu diesem Fleck Erde.“

Ich verstummte. Noch ein Nostalgiker.

„Wer sind Sie?“ fragte ich erstaunt.

Gespielt empört fragte er „Kennst du mich nicht, oder willst du mich nicht mehr kennen.“ Ich erkannte ihn nicht. Meine Erinnerungen sagten mir nichts über ihn.

„Stephane, Mi……..“ sagte er. Er war so oft bei uns, da er mit meinem Bruder in eine Klasse ging.

„Ach die Michelbrüder!“erinnerte ich mich. Ich erinnerte ihn daran, wie wir eine ganze Schüssel voll mit Oma’s Krapfen verputzt hatten. Ich als einziges Mädchen unter den Jungs war und mit ihnen mithalten wollte und heulte weil ich nicht so viel essen konnte.

„Du bist immer noch so frech!“ lachte er.

„Aber ja, wird sich nie ändern!“

Wir verabschiedeten uns und versprachen uns irgendwann mit den Familien zum Kaffee zu treffen.

Du siehst mich an als wäre ich ein Gedicht

Du siehst mich an,

du siehst jede einzelne Pore meiner Haut,

du siehst die Farbe meiner Augen

mit allen Schattierungen.

Du siehst meine Unvollkommenheiten

in meinem Ich.

Du siehst jeden Teil von mir,

als würde ich seit Ewigkeiten Teil deines Herzens sein.

Du siehst mich an als wäre ich ein Gedicht,

als würde die Welt ohne mich auseinanderfallen,

Du siehst mich an,

als wäre ich der Inbegriff der Liebe

©Émilia

Wir sind was wir sind

Komm, schenken wir zwei Träume dem Wind,
einen von dir, einen von mir. 
Unsere Liebe leben wir gemeinsam 
auch wenn der Wind unsere Träume zerreißt.

Komm, bitten wir den Regen 
um unsere Tränen zu verstecken.
Ein paasr von dir, ein paar von mir.
Wir lächeln den Menschen zu
und niemand sieht unsere Tränen.

Komm, bitten wir dem Herbst um Farben,
ein bisschen schwarz, ein bisschen weiß, ein bisschen grau
und ganz viel purpur.
Er wird uns seine schönsten Farben schenken
und wir lieben uns bunt.

Und alles was wir tun 
und alles was wir sind,
komm lass uns nicht selbt verlieren
in diesem Herbst, 
in diesen Farben,
in diesem Regen,
in diesem Wind.

Lass uns sein was wir sind

©Émilia

Es gibt Menschen…..und die die wir lieben

Es gibt Menschen, an denen wir täglich vorbeigehen, ohne sie anzusehen. Müde vom Gewicht, des Tages das auf unseren Schultern liegt und mit dem Kopf bei den Menschen die wir lieben, auf was wir achten müssen, gehen wir an Menschen einfach vorbei, ohne sie wahrzunehmen.

Oder vielleicht schauen wir nicht auf, weil wir die Sehnsucht nach jemanden in uns tragen.

Wenn wir sie dennoch ansehen, beurteilen wir manchmal ihr Aussehen oder Kleidung, und ziehen die Schlussfolgerung, dass wir in den Augen des angeblichen Seelenspiegels wirklich die besten Leser sind, und wir sehen alles durch einen Filter, der uns vielleicht nicht einmal bewusst ist. Ein Filter, der seine eigenen Regeln, seine eigenen Vorurteile, seine eigene Werteskala hat. Und abhängig davon wollen wir die Menschen gar nicht kennen lernen oder sie uns nicht.

Es gibt Menschen, die Teil unseres täglichen Lebens sind, Menschen, die wir vielleicht öfter sehen als die, die wir lieben, mit denen wir öfter sprechen als mit denen, die wir jeden Tag vermissen und die wir zu kennen glauben. Alles nur, weil wir einen Teil von ihnen kennen. Wir sehen ihre Vorlieben in Sachen Kleidung, wir kennen ihre Macken. Besonders die Macken! Wir wissen zum Beispiel, dass der Nachbar neugierig ist und alles zu wissen scheint. Ein Tratschmaul ist, oder ein anderer Nachbar eine laute Stimme hat. Manchmal ist es lustig, die meiste Zeit nervig, und deshalb verkürzen wir jedes Mal die Konversation, beschränken uns auf eine Begrüßung und wünschen ihnen einen schönen Tag. Vielleicht hat er den gleichen Musikgeschmack wie wir, vielleicht liebt er den gleichen Autor, vielleicht haben wir so viel gemeinsam, dass wir ihn mögen könnten. Dieser Tick hindert uns jedoch daran, ein längeres Gespräch zu beginnen. Was konnte er von uns halten, wenn er plötzlich nach seiner letzten Lektüre gefragt wird?

Es gibt Menschen, mit denen wir unsere Zeit teilen, Kollegen, Freunde, Bekannte, die wir zu kennen glauben, nur weil wir wissen, wie viele Teelöffel Zucker sie in ihren Kaffee gegeben haben, was sie gestern gekocht haben, welche Autos sie fahren, wo sie ihre Ferien verbringen, welchen Schmuck sie tragen, welche Kleidung und wo sie normalerweise kaufen. Aber wir wissen nicht genau, was sie begeistert, wir wissen nicht, ob sie romantische Komödien oder Filme bevorzugen, wann und warum sie das letzte Mal geweint haben, wir wissen nicht, wen sie in ihren Gedanken haben und wen sie vermissen, wir haben die Musik ihrer Seele nie gehört. Vielleicht weil keine Zeit dafür ist, oder weil wir immer wieder vergessen sie danach zu fragen. Oder vielleicht, weil wir nicht aufpassten, als sie Signale sendeten. Wenn man Name, Augenfarbe, Beruf, Familie, Kleidungsstil kennt reicht es, sie Bekannte oder Kollegen zu nennen.

Und es gibt Menschen, die wir gut kennen. Menschen die uns prägen weil sie die unserer Seele kennen. Sie kennen unsere Lieblingsmusik oder zumindest einen Teil davon. Und sie teilen mit uns Freuden und Errungenschaften, Bedauern und Nostalgie, Sorgen und Enttäuschungen, sondern auch Hoffnungen. Sie teilen liebevolle Erinnerungen an längst vergangene oder erst vergangene Tage. Menschen die wir Freunde nennen oder Lieblingsmensch.

Und es gibt die Menschen die einem einfach anlächeln. Es gibt Menschen, die unsere Seele anlächeln und man liest es in ihren Augen, auf ihren Lippen, in ihrer Stille oder in ihrer innigen Umarmung, dass sie voller Güte und Wärme sind. Wenn man einem solchen Menschen begegnet öffnet sich die Herztür auch dann wenn man sie nicht kennt. Und wenn wir ein solcher Mensch in unser Herzhaus einladen betritt er gleichzeitig unsere Seele und erleuchtet alles. Denn das ist es, was man tun kann: mit dem Herzen lachen und sie genießen Vielleicht kindisch, aber das ist Liebe. Man bittet sie mit dem Herzen und ohne Worte zu bleiben. Und sie bleiben.

Es gibt Menschen, sie scheinen die große Liebe in sich zu tragen Im Herzen, nicht nur im Gesicht.

Ein solcher Mensch, der einem von den ersten Augenblicken an von ganzem Herzen zum Lachen bringt, sollte man lieben.

Nacht, Regen und Mond

Meine Augen sind wie ein Mond in einer Regennacht
Von meinen Augenlidern fällt ein Gedanke,
verfängt sich in den Wimpern.
Auf meinen Lippen wird ein Kuss geboren,
hauchzart.

Die Uhr zählt leise jeden Atemzug sekundenweise
Ein Seufzer der Sehnsucht … ich blinzele in die Nacht …
Meine Augen sind dunkel wie ein Mond in einer Regennacht

Eine Nacht mit Regen und Stille und Mond..
durch die Gedanken geht eine Liebe
in der Stille verloren,
und ein Gebet wird auf meinen Lippen geboren …
Die Uhr beobachtet meinen Gedankenflug,
eine Träne der Sehnsucht fällt aus den Augenwinkeln… auf mein Haar …
und in meinem Haar verfängt sich die Nacht und der Regen und der Mond.

Mein Haar, liegt wie ein Vorhang aus zerknitterter Nachtseide neben mir,
meine Unterlippe zittert im Schlaf.
Ein Flüstern löst sich aus den Mundwinkeln,
eine leise Sehnsucht nach dir entfacht wie ein Herzfeuer.
Unter den Augenlidern haben sich schon etwa sieben Himmel geöffnet,
und auf der Stirn knien blitzen schon sieben Gedanken auf…

Ich bin still
Die Zeit steht still und die Sekunden in einer Sanduhr
haben lange aufgehört zu rieseln
Ich schreibe  zum ersten Mal einen Refrain
Musik wird wie immer dein Lächeln sein.
Mein Herz wird den Rhythmus schlagen,
auf meinen Fingerspitzen
werde ich ein Klavier mit verzauberten Tasten erfinden,
und unter den langen Wimpern kann ich mir vorstellen,
wie eine Geige sehnsüchtig weint…
Komm..
komm lass es dir einfach sagen,
Ich liebe dich …
komm, klammere dich an meine Seele
und lass mich dich durch die Haare fühlen.

©Émilia

Prognosen in Gedanken

Regen wird angekündigt, und ein Sturm
wird alles verwüsten, so das Gerücht.
Und morgen wird alles vergessen sein.

Ich habe einen Schal über dieses eine Wort gelegt
das noch an den Lippen hängt, bevor der Regen kommt
und es durchnässt und der Sturm es in der Luft zerreißt.
Rächen sich unsere Wolken, und es wird Sturm geben?
Geh nicht vor das Haus, denn alles ist verlassen,
Die Blätter fallen und wirbeln um dich herum,
um dich an unsere Worte im Sreit zu erinnern.
Ich bitte dich die Fenster zu schließen,
sonst werden wir Angst haben
vor unserem Fühlen
und unseren Worten.
Dass wir irgendwann nicht mehr Liebende sein werden.
Wie auch immer,
die ganze Nacht wird es regnen.
Bis morgen regnet es,
und Sturm wird erwartet
Vielleicht wird es bis morgen vorbei sein
und wir vergessen.
Bis dahin verlieren wir unsere Schritte im Wort.
©Émilia