Die Farben der Einsamkeit

Einsamkeit beißt…
sie beißt in den unerwartetsten und unangemessensten Momenten.
an den unerwartetsten und unangemessensten Orten.

Sie versteckt sich in grünen Garten
den man jeden Morgen sorgfältig gießt,
und da trägt die Einsamkeit ein grünesKleid
Sie spiegelt sich im Blau des Himmels
und trägt dann ein himmelblaues Kleid

Sie tropft durch die Worte derer um dich herum
und dann ist es eine Einsamkeit, die spricht und spricht …dann ist sie Freundin.

Einsamkeit beißt

Sie hat scharfe Zähne
Ich denke, sie putzt regelmäßig ihre perfekten Zähne.

Sie beißt dich, wenn du in den Armen deiner Liebe bist,
oder wenn du mit deinem besten Freund sprichst.
sie beißt dich hart
und triebt dir rührende Tränen in die Augen
und du weißt nicht ob es Freudes- oder Traurigkeitstränen sind.
Dann  ist sie Liebe.

Sie ist eine Expertin im Beißen
Sie beißt dich genau dann, wenn sie deine Stärke haben will
um sie zu schwächen.
Und sie beißt oft.
Dann ist sie Macht.

Sei wenigstens einen Augenblick lang still

und lass die Bäume vor Sehnsucht rascheln.

Zu viele menschliche Leidenschaften

halten sie mit ihren Ästen.

Komm lass uns den Frühling zurückrufen,

denn auf einer Seite des Himmels

sind noch Sonnenuntergänge

die ihre Gedichte noch nicht aufgedeckt haben

für unsere Augen

©Émilia

Present Diskontinuum

Eine Möwe
erschrocken von der menschlichen Angst
murmelt im Present Diskontinuum
ihrer Möwensprache
einen Zauber
und klopft mit dem Flügel drei mal auf Treibholz,
als wollte sie die Realität in winzige Teile zerlegen.
So viele Fragen….

warum und wieso…..so viele Flügelschläge?

Das Besondere

Jeden Morgen
fülle ich meine Hosentaschen
mit Hoffnungen, Ideen, Traumfragmente
und lege sie in den neuen Tag,
mit der Hoffnung er wäre anders als der Gestrige,
mit der ersten Idee, ich würde etwas Besonderes aus ihm machen.

Und sobald ich den Schlüssel im Schloss umdrehe
und den ersten Schritt auf die Straße mache,
sammle ich schrittweise Dramen, Freude, Enttäuschungen,
Erfolge, Sorgen, Traurigkeiten.

Ich denke nicht dass ich eine gute Zuhörerin bin,
aber ich kenne Sorgen, ich kenne Erfolge,
ich kenne Freude und Glück
und ich kenne Unglück und Trauer.

Zu Hause leere ich die Hosentaschen
und finde meine meine aufgegebnen Hoffnungen,
ein paar zerbrochene Träume,
brilliante nie umgesetzte Ideen
und ich freue mich auf den Inhalt.

Dann stelle ich fest
der Tag neigt sich mit einem sonnenuntergangfarbenen Intermezzo
der Nacht zu
und ich
habe nicht das Besondere aus diesem Tag gemacht.

Das große Glück,
das Besondere
lag in diesem einen Augenblick,
als ich die kleinen Dinge
aus meinen Hosentaschen wühlte
und mich fragte, wieso ich ich nicht das Besondere getan habe.

©Émilia

To-do-Liste

Ich habe noch etwas zu tun

und habe es vergessen.

Vielleicht die Gedanken in Worte zu fassen,

vielleicht Träume in der Dämmerung zu fangen,

vielleicht Tränen mit einem Lächeln wegzuwischen.

Vielleicht ist für heute zu viel

und ich sollte nicht denken, nicht träumen, nicht weinen,

nur meinen Herzschlag lauschen und atmen.

Was ich tun musste,

ich habe es vergessen.

Ich habe vergessen zu atmen,

ich habe vergessen zu träumen,

ich habe vergessen zu glauben,

ich habe vergessen zu leben.

Was muss ich sonst noch tun?

Ich weiß es wirklich nicht.

Warten?

Beten?

Soll ich versuchen zu verstehen?

Wofür das gut ist, ich weiß es nicht.

Aber ich sammle mich jeden Tag

mehr und mehr

Ich werde lieben,

ich werde leben,

ich werde träumen,

Ich werde zurückfinden,

ich werde finden

was ich verloren habe.

Mit einem Wort,

einen Gedanken finden

in einem Gedanken ein Wort finden,

den Faden eines Traumes im Schlaf finden.

©Émilia

Une lettre de l’enfer

Ich bin müde und möchte schlafen.
Ich weiss es nicht was noch brennt in meiner Brust.
Eine noch unerfüllte Sehnsucht,
oder ein Augenblicksfeuer des Glücks.

Ich erinnere mich jetzt wirklich nicht
Ich fühle jetzt
nur noch deine Berührung
sanft wie ein Frühlingstag.

Deine Hände duften nach Erde
und Frühlingsblumen und Löwenzahn.
Und wie du meine Haare durchwirbelst,
so wie der Frühlingswind in der Morgensonne,
hauchzart und wärmend.

Und wenn du mich nicht mehr hörst
und nicht mehr fühlst
solltest du wissen
ich habe dich geliebt
und ich habe dich geträumt
und ich habe so intensiv gelebt für dich.

Und nun werde ich schlafen,
werde mich in deinen Tränen ausruhen.
Ich werde dich träumen in einem endlosen Traum.

©Émilia

Labyrinth

In dieser Sehnsucht
die Zeit weitet sich
und zerbricht in unzählige Augenblicke.

Und ich
geblendet von der Angst
mich zu verlaufen
in diesem Labyrinth aus Augenblicken
denn das Schicksal
zeigt mir nicht den Weg.
Und ich klammere mich nicht
an das Gestern.

Dich neben mir,
an meiner linken Schulter zu fühlen,
ein Lächeln in deinen Augen zu sehen,
mein Herz findet seinen Platz bei dir
und Augenblick für Augenblick
weitet sich
und es ist so schön hier
wie ein Frühlingsmorgen

©Émilia

Auf der stillen Bank

Langsam
augenblicksweise,
tropfenweise,
verblassen die Farben an den Schläfen
und die Wunder fallen
aus dem Herzen.
Unerfüllt.

Nur noch die Stille brennt auf meinen Lippen,
wie ein Fieber im Fleisch und in den Sehnen-
In der Abenddämmerung
singt der Wind seine Elegie
und barfuß warte ich im Tiefblau
auf der stillen Bank,
dass um mich herum Nacht wird.

Unter den Rippen
schlafen schon alle Worte, alle Gedanken.
Nur das Herz schlägt noch mit Liebe.
Noch brennt das Fieber in der Brust
und mit jedem Atemzug färbt sich der Rasen blau.
Was für eine Agonie
in jeder Herzfaser.

Die Hoffnung fliegt davon
und fällt in das Azurblau
wie ein Stein
und zieht Kreise.
Große Kreise
kleine Kreise,
keine Kreise
um die Stille Bank
auf der ich sitze
ohne Farben,
ohne Wunder
herzstill.
So viel Liebe ungelebt in mir.

©Émilia

Frühlingskonzert auf bunten Tasten

Ich freute mich als endlich der Frühling kam und mit ihm die Farben. Ich hatte es satt, der Schwarz-Weiß-Musik des nicht gestimmten Klaviers des Winters zu lauschen.

Sobald die pastellfarbenen Farben die Leinwand der Natur Leben einhauchten, öffnete ich die Fenster, damit die Sonne jede Herzkammer wärmen sollte.

Ich freute mich auf die Frühlingsonate für mein Klavier mit bunten Tasten.

Inspiriert von den Farben des Frühlinganfangs und vom milden Märzwind wollte ich jeden Tag eine neue Partitur meines Lebens in vollen Zügen genießen.

Ich lief nicht achtlos durch den Frühling, sondern versuchte auf meine Gesundheit zu achten, achtete auf meine Liebsten die ihre Liebe und ihr Leben mit mir teilen und auf die Menschen um mich herum die an meinem Leben mit viel Liebe teilnehmen.

Seit Tagen versuche ich gegen eine schwere Erkältung anzukämpfen, die urplötzlich da war. Abartig wie jedes Jahr um diese Zeit. Ich zog mich zurück ins Homeoffice, bewegte mich sehr vorsichtig und umsichtig.

Als es mir gesundheitlich immer schlechter ging, rief ich meinen Kollegen und Hausarzt an.

„Komm vorbei, ich bin bis 13 Uhr in der Praxis.“ sagte er. Ich kenne ihn nicht lange, manchmal begegnen wir uns zufällig. Ich war nur zwei mal bei ihm in der Praxis.

Als er mit seinem Schutzanzug und Mundschutz auf mich zu kam, merkte ich sofort, dass er nichts Gutes denkt.

„Ma chere, ich gebe dir eine Nummer und du rufst da an und lass dich testen.“

Der Boden unter meinen Füßen schwankte. Als hätte man Eiswasser über mich geschüttet, fror ich bis ins Knochenmark.

Er erklärte mich über diesen Covid-19 auf, als wäre ich drei Jahre alt, als würde er mich damit auf darauf aufmerksam machen, dass es sehr ernst ist. Trotzdem musste ich lächeln. Als hätten wir den ganzen Mist nicht schon zig. Male durchgekaut.

Seine Assistentin drückte ihm einen Überweisungsschein in die Hand, den er mir mit Abstand aushändigte.

Verdacht auf Covid-19. Ausschluss Covid-19.

Und dann die beiden Diagnosen die das Risiko beschreiben.

Lars und ich fuhren heute Morgen gleich um 7:00 Uhr los, damit wir nicht so lange warten müssen. Nach 20 Minuten kamen wir an. Der Weg zum Zentrum war gut gekennzeichnet und gut beschildert.

Wir folgten den Pfeilen, wichen einer Baustelle aus und standen Urplötzlich vor einem Parkhaus, das provisorisch zum Testzentrum umgewandelt wurde.

Ich stand da und konnte es nicht fassen. An der Garagentür war ein Schild mit den Testzeiten befestigt.

„Scheiße aber auch, die beginnen erst ab 9:00 – 14:00 Uhr.“ empörte ich mich. Die wissen vom Gesundheitsamt nicht einmal die Testzeiten. Hoffe ich doch, dass der Testbezirk richtig ist. Sonst bin ich umsonst hier unter zig. potentiellen Infizierten.“

„Warte doch bitte erst ab,“ versuchte Lars mich zu trösten. Und so standen wir geduldig bei 5° C im Freien. Vor uns war auch ein Ehepaar, das zwar relativ fit war, trotz einigen Symptomen. Nur ich fühlte mich wie durch den Fleischwolf gedreht und frisch gekotzt. Ich zitterte wie ein Laubfrosch und klapperte mit den Zähnen. Nicht einmal sprechen konnte ich, so verfroren ich war.

Wir unterhielten uns mit unseren „Leidgenossen“ über alles Mögliche und Unmögliche. Manche denken wirklich, dass wir Mediziner ja an der Quelle sitzen würden und eher Zugang zu den tests bekommen. Pustekuchen! Vor Corona und vor Gott sind alle Menschen gleich!

Endlich öffnete sich die Schiebetür und ein Internist und ein paar Assistenten kamen auf uns zu.

Wir mussten unsere Versicherungskarten und den Überweisungsschein zeigen.

Eine Assistentin desinfizierte die Versicherungskarte und zog sie durch das Gerät. Dann durften wir eintreten. Man drückte uns ein Klemmbrett mit vier Blättern in die Hand und das mussten wir ausfüllen.

Zwischendurch wurde ich getestet( Stäbchentest mit Abstrich aus dem Rachenraum) und während ich weiter die vier Seiten ausfüllte wurde Lars getestet. Vor der Tür warteten mit Abstand bestimmt mehr als 100 Menschen getestet zu werden.

Die Fragilität des jeden einzelnen ist sichtbar, hörbar und fühlbar.

Danach machten wir uns auf den Heimweg und sind ab heute in Quarantäne. Die Beschwerden habe nur ich.

– Schnupfen

– Husten

– erhöhte Temperatur

– Kurzatmigkeit

– Übelkeit

– Schüttelfrost

– Druckgefühl in der Brust.

– Geruchsinn ist nur schwach vorhanden.

Nebenbeschwerden

-Herzrasen

-Übelkeit

-Kopfschmerzen

-Schnupfen und im nächsten Moment ist die nase komplett zu und es fühlt sich an, als wäre man mit dem Kopf unter Wasser und Wasser dringt in die Nase.

– Appetitlosigkeit

Als wir zu Hause ankamen, trafen wir erstmals viele Vorkehrungen.

Lars darf die Praxis führen so lange er keine Beschwerden hat. Unsere Assistenten und unser Kollege müssen zum Test wenn mein Test positiv ausfallen sollte, und dürfen  sogar im Krankenhaus eingesetzt werden, bis sie ein Testergebnis haben. Nur ich habe vorerst bis zum 20 April Quarantäne.

Und wenn diese weiß-schwarze Partitur vorbei ist, werde ich dem Eiswinter vergeben, dass er die Bäume für mich in ein weißes Schneeblütenbrautkleid gehüllt hat, die einmal bereit waren ihre Knospen in einem pastellfarbenen Feuerwerk aufgehen und aufblühen zu lassen. Ich werde meine Herzfenster weit öffnen,  mich vom Frühling parfümieren lassen und den Duft in meine Sinne aufnehmen.

Ich werde intensiver, inniger und tiefgründiger lieben. Ich werde sensibler, besonnener und hilfsbereiter mit meinen Lieben sein und sie beschützen wie ein Wildtier seine Brut beschützt.

Und ich werden den Morgentau auf dem kruden pastellgrünen Gras genießen.

Du und ich

in einer Umarmung

Körper an Körper,

Gesicht an Gesicht

Herz an Herz

schwindelig von der farblosen Zeit

die ihr Klavier und ihre Geigen stimmt,

wartend auf den Augenblick

wenn die Farben des Flühlings ein Feuerwerk entfachen

für unseren ersten Walzer.

Und die Zeit sieht uns verwundert zu

wie wir der Schwerkraft trotzen

gefangen in dieser Umarmung

die ersten Schritte wagen

und wundert sich

über die Leichtigkeit

unserer Körper

wie sie schweben

wie sie sich drehen

als würden sie um ihr Leben tanzen.

©Émilia