Ich werde keine Herzschläge zählen

Ich werde keine Herzschläge zählen

und keinen Gedanken enwirren,

wenn mein Herz dich vermisst,

und ein einsamer Gedanke

sich auf die Reise zu dir

über alle Herzberge,

über alle Gedankenflüsse,

über alle Stolperstraßen macht.

Ich werde Musik hören, tanzen,

leise Worte schreiben,

Metaphern die nicht vergleichen,

Herzworte die in kein Gedicht passen,

Gedanken die sich nicht reimen.

Ich werde mich freuen, lachen, weinen,

höher leben, tiefer fühlen, dich anders lieben.

Ich werde aber keine Herzschläge zählen,

keine Gedanken entwirren.

Ich werde mich nicht verlieren in deiner Liebe

♡Emilia

Mitternachtslied

Mit einem Herzschlag
stehen beide Zeiger der Uhr auf Mitternacht.
Der große über dem kleinen
sind nun einen Herzschlag von einander entfernt.
Der Rhythmus der Herzschläge
durchbricht die Stille des Unbebreiflichen.

Im Abgrund meiner Gedanken
irrt noch eine einzige Frage umher.

Noch einen weiteren Herzschlag von deinem entferne ich mich
mit jedem ungesagten Wort.
Die Kerze auf dem Schreibtisch
hat ihren eigenen Herzrhythmus,
und erzittert mit jedem Herzschlag
spendet sie mir Wärme und Licht.

Und ich werde eins mit der Zeit
Herzschlag für Herzschlag.
Die Feder gleitet sanft über das seidene Blatt
malt Worte auf die samtige Haut einer leeren Seite.

Ich schreibe mich zu dir,
ich schreibe Noten für mein Lied
auf deine Haut.
ganz hauchzärtlich
bis du zum Lied wirst.

Ich singe dich
Note für Note
Wort für Wort
Herzschlag für Herzschlag.

Du bist Lied und ich bin Stimme
du bist Herzschlag und ich bin Note,
zusammen sind wir ein Liebeslied,
eine Symphonie der Sinne.

Wir teilen die Zeit in zwei Herzen,
wir teilen uns schüchtern in Noten
wir küssen uns die Sehnsucht von den brennenden Lippen,
wir teilen unser Lied.

Noch ein paar Herzschläge weiter
bin ich von dir entfernt.
Das Lied ist zu Ende.
Noch klingt es in meinen Sinnen
und wir mit jedem weiteren Herzschlag leiser.

Das seidene Blatt,
die samtige Haut,
ist nun ein Notenblatt
mit einem Mitternachtliebeslied.

©Émilia

Notizbuchsucht

Werbung läuft auch zu Weihnachten – ich würde Werbung zu Feiertagen verbieten. Ich habe das aber nicht zu entscheiden.

Weil mich jetzt das Rennen zwischen Moleskine, Paperblank und Leuchtturm 1917 trotzdem interessiert, sehe ich zwischendurch mal hin.

Magnifique! Cover mit einem besonders attraktiven Design, viele mit geprägten Mustern, die sich unter den Fingern gut anfühlen, wie die Polsterung von alten viktorianischen Sesseln, schöne weiße Seiten, nicht gelb, dezent gefüttert. Als ich sie durchblätterte, fragte ich mich, warum ich mich jahrelang für die Moleskine entschieden habe.

Moleskine war so eingeführt (Unis, Schulen, Büros, Behörden, Haushalt). Man hat immer ein Moleskine in der Tasche( im Ruchsack).

Ich habe keine Antwort dafür, sie sind so schön, dass die Wahl unlogisch erscheint. Erst als ich sah, dass pro Tag nur eine halbe statt eine ganze Seite für Notizen zur Verfügung ist, wurde mir klar, dass die Wahl praktisch war, auch wenn der ästhetische Teil des Covers überwog. Moleskine-Agenda hat eine Seite pro Tag für Notizen. Ich kann keine Agenda akzeptieren, die mich zwingt, winzig und zusammengedrückt und beengt zu schreiben. Ich muss kritzeln können. Ich wähle immer das Nützliche vor dem Ästhetischen.

Aber zurück zum Rennen:

Moleskine hat sich dank der einfachen praktischen Details erneut durchgesetzt, wenn es um die Gesamtqualität von Notebooks und Notebooks geht.

Doch Leuchtturm1917 gewinnt.

Es gewinnt nicht nur durch einfache Details, wie das Nummerieren der Seiten, das praktische Hardcover, die zwei Lesezeichen oder einige zusätzliche Seiten am Anfang.

Eine Zusammenfassung, eine Inhaltsangabe die man zusätzlich einbinden kann. aber auch die Qualität des Papiers( des Rohmaterials).

Buttrig. Buttery ist das Wort, das die Empfindung der Leuchtturm1917-Blätter im Vergleich zu den trockenen vergilbten Seiten der Moleskine perfekt beschreibt. Seidig, leicht, fast flauschig würde ich sagen.

Die Feder, der Stift, oder der Bleistift gleitet still über die glänzende Seite.

Leuchtturm1917 gewinnt alos auch bei mir.

Mal sehen ob ich davon immer noch begeistert bin, wenn ich darin schreibe.

Weihnachtsgrüße

Jeder Morgen ist ein neuer Anlass die Taschen unserer Kleidung mit Hoffnungen, Träume, Traurigkeiten
unzählige kleine und große Dinge, Ideen, die das Leben besser, schöner, trauriger aber vor allem anders machen
Und jeden Tag sagen wir uns; “ heute machen wir es sicher anders.“ Und jeder Tag ist in der Tat anders ob wir es so wollen oder nicht.
Wir wechseln durch das Jahr, die Mäntel, die Jacken, die Hosen, die Röcke, die Blusen.
Oftmals wenn wir das eine oder andere Kleidungsstück aus dem Schrank oder von der Garderobe hohlen, wühlen wir in den Taschen wie auf einer Entdeckungsreise nach schönen Augenblicken und Erlebnissen. Wir finden immer etwas darin.  Augegebene Hoffnungen, Staub aus zerschmetterten Träumen, nicht umgesetzte Ideen, zerknüllte Taschentücher mit Spuren von Tränen und Erinnerungen an vergangene Tage.

Und würde ich heute auf eine lange Zeitreise gehen, wäre sie sehr lang.
Ich erwähne es heute wieder: ICH MAG WEIHNACHTEN NICHT. Zu viel Melancholie darin.
Ich will kein frohes Fest, aber auch kein melancholisches.
Ich bevorzuge die Stille.
Ich kann mich nicht verkriechen und die Menschen und die Welt um mich herum ausschließen. Aber Ich täte es gerne.
Ich bin nicht der Nabel um den sich die Welt dreht.

Also habe ich mich gesammelt und meinen Lieben diesen Tag weihnachtlich gestaltet.

Und schon wieder bin ich bei den Taschen. Ich trage mein rotes Kleid, meine roten Schuhe und sogar rote Unterwäsche. Aber nur weil mein schwarzes Kleid mich traurig stimmt und mein indigofarbenes Kleid an dich erinnert.

Ich war zum ersten mal seit langer Zeit wieder in einer Christmette.
Spontan sage ich: „ich kenne den ganzen Ablauf doch schon auswendig.“ Das sagte ich als ich klein war zu meiner Oma, die stolz auf mich war wenn ich im Kinderchor mitkrähte. Ich tat es nicht für mich, aber für sie. Und sie war so stolz auf mich, dass ich ihre dunkelbraunen Augen bis nach vorne zu mir lachen sah und während der Singpause, die Chorleiterin mir ins Ohr flüsterte „Nicht lächeln, du sollst ernst singen und ich so rot im Gesicht wurde, wie die Weihnachtskugel am riesigen Christbaum der den Altar schmückte. Alles so ernst…..

Und auch heute kannte ich den ganzen Ablauf immer noch auswendig und nach wie vor, gehe ich nicht gerne in die Kirche. Und wenn die aktuelle Predigt das Aktuelle aus Politik und Wirtschaft auch noch aufgreift und debattiert, erst recht nicht. Die Kirche soll das laut und deutlich da tun, wo es angebracht ist und nicht in den dicken bakocken Mauern und bei einem eh schon viel zu viel aufgebrachtem Volk.
Weihnachten ist still.

So nun ist mein Mantel wieder im Schrank.

Und so wie ich es heute schon vielen Menschen wünschte, wünsche ich auch euch liebe Leser, ein gesegnetes, fröhliches oder stilles Weihnachtsfest und ein Lächeln in den Augen dass ich bis in mein Herz fühlen kann.

Herzlichst
Émilia

Das Jahr in der Sanduhr

Sammle dieses Jahr in eine Sanduhr
und drehe sie wenn du dich nach Erinnerungen sehnst.
Schließe die Tür und schließe auch das Fenster,
lass die Nacht nicht in deine Gedanken.

Sieh wie sie der feine Sand
am Ufer des Augenblicks siebt.
Sieh wie viele Traumschlösser und Traumburgen
du aus den Erinnerungen gebaut hast.

Lass den Wind nicht in dein Haus
der deine Regentränen
mit Blitz und Donner in einen Sturm verwandelt.
Schütze deine Gedanken vor dem Herzsturm,
verwandle sie in lievevolle Worte.

Denke das Jahr schön.

Sammle das Jahr in einer Sanduhr
lass die Erinnerungen rieseln
verliere dich nicht in ihrem Sand.

Drehe die Sanduhr
und gehe still den Weg zu dir selbst,
fühle wie fein der Sand ist
am Ufer des Augenblicks.

Baue daraus dein Herzschloss

©Émilia


 

In der Liebe ist es wie beim tanzen lernen. Man ist nie bereit für den Tanzsaal, aber man arbeitet an den Schritten und ist schon froh, wenn man sich nicht mehr ständig gegenseitig auf die Füße tritt.

Eine Stunde, zwei Tage und ein Jahrhundert

Ich würde auf dich warten, wenn ich wüsste, dass du kommst,

Eine Stunde, zwei Tage und ein Jahrhundert.

Und bis dahin, an den leeren Abenden,

würde ich lernen, die deine zu sein,

in der Stille.

Ich würde dir einen Lindenblütentee machen

mit Lavendelhonig

Und weißen Flieder würde ich auf der Veranda wachsen lassen

Sein Duft sollte dich umgeben

Und in der Nacht Laterne sein.Ich würde mit dir Teile aus Unendlichkeit teilen

Sortiert nach Größen und Farben,

Ich würde nur einen Teil für mich behalten,

alle anderen gäbe ich dir.

Die Augenblicke der Morgendämmerung teile ich auch noch mit dir.

Wenn der Regen an meine Fenster klopft

Ich ihn zum Tee einladen,

Warum sollten er draußen alleine weinen,

wenn wir gemeinsam weinen können?

Ich würde auf dich warten, wenn du zu mir kommen möchtest.

Eine Stunde, zwei Tage und ein Jahrhundert

Aber bis dahin, durch die leeren Momente,

Lerne, mein zu sein in der Stille.

©Émilia